«Ich liebe Schönes. Schöne Orte und Landschaften, schöne Musik, schöne Menschen jeden Alters. Schöne Kleider und Schmuck, schönes Essen, all das und noch vieles mehr macht mir Freude. Eigentlich gehört es sich nicht für eine Pfarrerin, dass sie solches mag. Und so ist das hier ein öffentliches Geständnis: ja, ich liebe Schönes, es macht mich glücklich. Und mehr. Von den Amerikanern lernte ich den Ausdruck «beauty heals», also zu Deutsch «Schönheit heilt».

Das stimmt. Und das hat nichts mit einem naiven «Konsumismus» zu tun, sondern mit dem Wesen von Schönheit: Schönheit lässt uns Ganzheit erleben, lässt uns mitten in den Schwierigkeiten des Lebens wieder Unversehrtes erfahren, ja Heiles, und das tut gut, das heilt uns. Manchmal ist Schönes teuer, manchmal ist es sogar Luxus, aber oft auch nicht. Und so oder so ist es existenziell also lebenswichtig.

Wenn ich zurückblicke auf das zu Ende gehende Kalenderjahr und mir überlege, was daran schön war, dann erinnere ich mich an ein Wochenende mit Freundinnen und Gespräche mit meinem Mann. Mein Patensohn kommt mir in den Sinn, sein Lachen, und mit welchem Eifer er Schlagzeug übt. Stille Momente fallen mir ein, Zeiten allein mit Gott zu Hause und in der Natur draussen. Und Zeiten mit Menschen in der Gemeinde und der Stadt. Begegnungen beim Fantoche und bei der Foto-Ausstellung von Christoph Hammer; zusammen feiern bei Orgel und Wein; die Kraft der Musik erleben beim Musical «Stage Call» – kostbar, ja unbezahlbar. Stille, Liebe, Lachen, Freundschaft – unbezahlbarer Luxus und gleichzeitig auch lebenswichtig, lebensnotwendig.

Das Papiertheater Nürnberg ist vier Jahre lang mit einem Kunstprojekt um die Welt gezogen und hat Menschen gefragt, was für sie unbezahlbar sei. Dafür hat es auf zahlreichen Marktplätzen unterschiedlicher Städte, Kulturen und Religionen einen grossen Tisch aufgestellt. Der Tisch war mitsamt Tellern und dem Besteck in Papier verpackt. Einen Tag lang waren die Passanten in Städten wie Bochum, Quito, Mumbai, Shenzhen und anderen mehr eingeladen, ihre persönliche Antwort in die Teller zu schreiben. «Was ist unbezahlbar?». Entstanden ist eine Art Ausstellung über das, was Menschen rund um den Globus kostbar ist. «Angst besiegen» stand drauf zum Beispiel und «friendship», «Nature», «Meine Mutter». Unbezahlbares wurde formuliert und festgehalten. Das, was Menschen nährt und erhält, sie satt macht im übertragenen Sinn.

Was ist für Sie unbezahlbar? Es sind mehrere Antworten erlaubt! Und das, was Ihnen jetzt durch den Kopf und durchs Herz geht, das wünsche ich Ihnen zu Weihnachten. Ich wünsche Ihnen unbezahlbare Weihnachten – denn das ist für Sie das Schönste.

Herzlich grüsst Sie Ihre Christina Huppenbauer, Pfarrerin Baden