Baden
Unermüdlicher Kämpfer für die Schwachen

Diakon Fred Grob wird morgen Freitag pensioniert – hört aber noch lange nicht auf. Er möchte sich weiter für jene einsetzen, die durch die Maschen der Gesellschaft gefallen sind.

Ursula Burgherr
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Fred Grob vor dem «Hope» in Baden. ursula burgherr

Fred Grob vor dem «Hope» in Baden. ursula burgherr

«Liebe für Ungeliebte» heisst das Buch von Fred Grob, das er 2004 herausgab. Darin erzählt der Diakon und Mitbegründer des christlichen Sozialwerkes «Hope» in Baden unter anderem von seiner jahrzehntelangen seelsorgerischen Tätigkeit in der Strafanstalt Lenzburg oder im Bezirksgefängnis Baden.

Unermüdlich setzt er sich für Menschen ein, die am Rande der Existenz sind. Und gibt allen eine Chance, seien sie kriminell, drogensüchtig oder in einer anderen tragischen Lebenssituation.

In seinem Reihenhäuschen in Ehrendingen, wo er mit seiner zweiten Frau Marianne und der 8-jährigen Tochter Annina wohnt, stehen immer zwei Betten zur Verfügung für «Notfälle», für Menschen, die sonst nirgends mehr einen Schlafplatz bekommen.

Sie werden ins Familienleben integriert, solange bis man gemeinsam eine Lösung für die Zukunft gefunden hat. Fred Grob tritt beharrlich und hartnäckig als Vermittler auf zwischen seinen «Schützlingen», der sozialen Hand, auswärtigen Ämtern und Gemeinden.

«Öffne Deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen» – dieses Zitat aus den salomonischen Weisheiten hat er zu seinem Lebensmotto erkoren. Und auch wenn er morgen Freitag offiziell pensioniert ist (er nennt den neuen Status «AHV-positiv»), will er sich bis zum letzten Lebensfunken ehrenamtlich engagieren.

Das zweite Leben nach 32 Jahren

Er erweist sich oft als «letzte Instanz», bei der Hilfesuchende noch Zuneigung, Respekt und Menschenwürde erleben, die sonst jegliches Beziehungsnetz verloren haben. «Ich setzte mich dafür ein, dass sie eine Stelle bekommen, sich integrieren können und nicht mehr rückfällig werden.»

Getrieben wird der 65-Jährige durch seinen starken Glauben. «Für Gott ist jeder Mensch eine Perle.» Grob fühlt sich dazu berufen, zu helfen. Das allerdings ohne jegliches Pathos und Predigt, sondern ganz praktisch im Alltag.

«Glaube hat nichts mit Dozieren zu tun», meint er. Er kann auch energisch werden, den Behörden aufsitzen, wenn beispielsweise ein Sans-Papiers abgewimmelt und herumgeschoben wird. Grob scheut sich dabei nicht davor, in der Öffentlichkeit anzuecken.

Als Fred Grob 32 Jahre alt – und damals erfolgreich als Werbefachmann tätig war – lag seine erste Ehe in Scherben. «Die Scheidung warf mich total aus der Bahn und das Leben hatte für mich keinen Wert mehr», erinnert er sich an die dunkelste Phase seiner Existenz.

Der ehemalige BBC-Ingenieur Rudolf von Keleita, der das Café Hope an der Stadtturmstrasse 16 in Baden 1983 gründete, um dort Menschen von Gott zu erzählen, war ein Rettungsanker für ihn: «Hier fand der Anfang von meinem zweiten Leben statt.»

Der Schritt zum Glauben war von tiefer Verzweiflung geprägt. «Ich schrie ‹Gott, wenn es Dich gibt, musst Du mir helfen› und ich bekam eine Antwort.»

Unversiegbare Quelle

Diese Umkehr ist für viele schwer nachvollziehbar. Aber wer den Diakon mit seiner unermüdlichen Energie erlebt, sich für sogenannte «hoffnungslose» Fälle starkzumachen, spürt: Der Antrieb hat eine Quelle, die unversiegbar und rationell nicht erklärbar ist.

Aus dem «Hope», in dem er sich auch im Ruhestand aktiv betätigen will, ist mittlerweile ein überregional tätiger Verein gewachsen: Freiwillige kochen täglich eine warme Mittagsmalzeit (drei feine Gänge für 12 Franken – jedermann ist willkommen), Reste werden auf der Gasse verteilt und es gibt zahlreiche Wohn- und Aktivitätsprogramme für Obdachlose.

In diesem Betrieb sieht er sich als «Anreisser» und «Vernetzer». «Es gibt immer mehr Leute, die durch die Maschen fallen. Manchmal ist meine Hilfe nur ein Tropfen auf dem heissen Stein.»

Aber jeder Tropfen sei wichtig. «Manchmal hadere ich mit Gott und sage, was für eine Schweinerei und Schande es ist, wie es auf der Erde zu- und he geht.» Und gerade darum mache er weiter.

Weiter Infos www.hope-baden.ch.