Kolumne

Unser Wald muss erhalten werden

Im Badener Wald werden imer weniger heimische Bäume verarbeitet. (Archivbild)

Im Badener Wald werden imer weniger heimische Bäume verarbeitet. (Archivbild)

Es ist Frühling. Alles spriesst, auch im Wald. «Badener Tagblatt»-Kolumnist Willi Glaeser schreibt über den Umgang mit Holz und erklärt, wieso «aus heimischen Hölzern gebaut» nicht gleich «einheimisch» ist.

Jetzt im Frühling ist der Wald besonders besuchenswert. Alles spriesst. Vor allem das junge, hellgrüne Laub der Buchen stimmt uns fröhlich und sorgt für Aufbruchsstimmung. In kürzester Zeit ist auch der Boden mit Pflanzen bedeckt und die ersten Blümchen erfreuen unser Auge. Natürlich ist der Wald zu jeder Jahreszeit ein interessanter Aufenthaltsort, aber das Frühjahr und den Vorsommer sollte man nicht verpassen.

Die Fläche unsers Landes ist im Durchschnitt zu einem Drittel bewaldet, in Wettingen beträgt den Anteil 36 Prozent, in Baden sind es gar 56 Prozent. Über die Jahre hat sich im Wald einiges verändert. Der Wald ist ein grosses, nachwachsendes Materiallager, nicht zu vergessen die eingebaute, schlummernde Energie. Ausgangspunkt für den guten Zustand des Schweizerwaldes ist das erste Waldgesetz von 1876, in welchem geschrieben steht, dass nur so viel Holz geerntet werden darf, wie natürlich neu entsteht; Rodungen sind untersagt.

Dieses Forstprinzip wurde auch von andern Ländern übernommen. Über viele Jahrzehnte sammelte die Bevölkerung auch eifrig Holz zu Heizzwecken. Bis vor wenigen Jahren – ich besass selber eine – verkaufte die Stadt Baden «Leseholzbewilligungen» für zwei Franken pro Jahr, wohl in der Absicht auch diese Tätigkeit zu regeln und das Holz zu verkaufen!

Wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Das Fallholz bleibt liegen, andere Heizsysteme kamen in Mode und fürs offene Kaminfeuer kann das Brennmaterial bequem beim Forstamt, beim Bauern, im Shoppingcenter oder an der Tankstelle bezogen werden. Was aber passiert mit den schönen, grossen Bäumen? Obschon sich das Bauen mit Holz einer steigenden Beliebtheit erfreut, wird immer weniger Holz aus unsern Wäldern in die hiesigen Sägereien geführt. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Kapazität unserer Sägereien halbiert.

Sie ahnen wo der Wurm steckt. Für den Holzbau – in den letzten Jahren mit einer jeweiligen Zunahme bis zu zehn Prozent – werden konfektionierte Holzprodukte eingeführt. Bei publizierten Vorzeigeobjekten wird der Begriff «aus heimischen Hölzern gebaut» verwendet, das Holz kommt aber aus dem Ausland. Die Erklärung: Heimisch bedeutet lediglich auch hier vorkommend und ist nicht mit einheimisch gleichzusetzen. Verwirrlich. Die Schweizer Anbieter sind eben zu teuer.

Mit dem starken Schweizerfranken hat sich die Situation in jüngster Zeit krass verschärft. Dass immer noch eifrig geholzt wird, verdanken wir dem Verbrauch an Energieholz. Nicht nur Äste und minderwertige Ware werden zu Schnitzeln und zu Pellets verarbeitet, nein auch bestes sägefähiges Material findet auf diese Art Verwendung.

Vor allem für das wertvolle Buchenholz, das niemand mehr haben will, ist es schade. Von den rund acht Millionen Kubikmetern, die jährlich in der Schweiz nachwachsen werden über die Hälfte verbrannt, besser wäre die Kaskadennutzung, also zuerst verbauen und erst nach vielen Jahren energetisch entsorgen, so würden andere Baumaterialien, welche wesentlich mehr Energie für ihre Herstellung brauchen eingespart – ein doppelter Effekt.

Auch wenn noch wesentlich mehr Energieholz geerntet werden könnte, ist dies keine wirtschaftliche Lösung auf Dauer, bald schon werden viel billigere Pellets eingeführt. An der Situation, dass die über Jahrzehnte wichtige Nutzholzproduktion an Bedeutung verliert, ändert auch der Verkauf der Stämme zu tiefen Preisen ins Ausland nicht, hier verhält sich die Schweiz wie ein Drittweltland, dass seine einzigen Rohstoffe exportiert, kein einleuchtendes Langfristkonzept.

Es bleibt zu hoffen, dass der Wald mit seiner hervorragenden Luftqualität – trotz rückgängigen Einnahmen – weiter gepflegt und für Jung und Alt als Freizeitraum erhalten bleibt. Es gibt keinen naheliegenderen und keinen besseren.

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