Baden
«Unterbringung der Asylbewerber hat 1990 für weniger Aufsehen gesorgt»

Sepp Bürge, der ehemalige Stadtammann von Baden, redet über die Unterbringung der Flüchtlinge vor 25 Jahren. Auch damals wurden sie unterirdisch einquartiert und man musste klare Regeln aufstellen.

Pirmin Kramer
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Referent und ehemaliger Stadtammann Josef Bürge sprach über Siedlungsentwicklung. (Archiv)

Referent und ehemaliger Stadtammann Josef Bürge sprach über Siedlungsentwicklung. (Archiv)

Im unterirdischen Notspital des Badener Kantonsspitals werden in den kommenden Wochen schrittweise 200 Asylbewerber einquartiert. Mehrmals schon, beispielsweise zu Beginn der 1990er-Jahre, lebten Flüchtlinge vorübergehend in der Geschützten Operationsstelle (Gops), wie das Notspital amtlich heisst. Viele Asylsuchende stammten damals aus Sri Lanka, wo sich Tamilen und Singhalesen einen blutigen Bürgerkrieg lieferten.

Der frühere Badener Stadtammann Josef Bürge (CVP) erinnert sich: «In der Bevölkerung hat die Unterbringung der Asylbewerber damals für deutlich weniger Aufsehen gesorgt als heute.» Vielleicht, weil sich die Nachrichten ohne Internet weniger weit und weniger schnell verbreiteten, vermutet er.

«Zwar gab es auch damals Ängste, aber ich hatte den Eindruck, dass vielen Badenerinnen und Badenern bewusst war, dass es sich um Verfolgte handelte und kein Exodus von Kriminellen in die Schweiz im Gange war», sagt Bürge.

Vor der Ankunft der Flüchtlinge hörte der Stadtrat dennoch oft die Frage, was diese denn den ganzen Tag tun würden. «Wir vertraten die Haltung, dass Asylbewerber unbedingt beschäftigt werden müssen, und wir suchten ihnen Arbeit.»

Zum Teil halfen sie beim öffentlichen Dienst mit, zum Teil kamen sie bei privaten Firmen unter. Die rechtliche Basis sei zwar wacklig gewesen, aber eben auch nicht so restriktiv wie heute. Dass Flüchtlinge heute nicht arbeiten dürfen, finde er einen Widersinn, so der langjährige Stadtammann.

«Die Ausgangslage war insofern ähnlich wie heute, als die Unterkünfte voll waren und wir keine andere Wahl hatten, als Asylbewerber unterirdisch einzuquartieren – eine eigentlich für alle Seiten unbefriedigende Lösung.» Denn sowohl Flüchtlinge als auch Helfer würden viel Zeit ohne Tageslicht verbringen.

«Insgesamt verlief die Unterbringung gut. Wir, das heisst die Helfer vor Ort, haben den Asylbewerbern freundlich, aber deutlich klargemacht, welche Regeln galten und wo sie sich aufhalten durften, also zum Beispiel nicht im Spital und auch nicht in der Cafeteria.

Daran hat sich die grosse Mehrheit gehalten.» Man dürfe nicht vergessen: Die Gops sei eine Einrichtung mit militärischem und mit Katastrophenfallcharakter, und entsprechend strikte sei auf die Durchsetzung der Regeln gepocht worden.

Asylbewerber im Hungerstreik

Viele Erinnerungen kommen auch beim damaligen Sozialvorsteher Werner Ebling (EVP) auf. «Wir haben die Flüchtlingsproblematik zu Beginn der 1990er-Jahre in Baden gut gemeistert.» Es gab auch schwierige Momente: «Eines Tages traten die Asylbewerber in einen Hungerstreik.

Sie forderten, selber kochen zu dürfen und wollten für die Beschaffung von Lebensmitteln Geld zur Verfügung haben. Wir konnten ihnen klarmachen, dass dies leider nicht möglich sei, und die Situation beruhigte sich wieder.»

Diskussionen gab es auch wegen der Luftqualität, weil in der Unterkunft geraucht wurde, «das ist heute natürlich unvorstellbar. Wir haben dann Verhaltensregeln aufgestellt, die gut akzeptiert wurden. Sowieso konnten fast alle Probleme mit Gesprächen gut gelöst werden.»