Untersiggenthal
125 Jobs sollen ins Ausland: Enics baute schon in den letzten Jahren mehrfach Stellen ab

Das Elektronikunternehmen will die Produktion im Untersiggenthaler Ortsteil Ennetturgi aufgeben. «Tragisch», sagt Gemeindeammann Marlène Koller, die einige Angestellte persönlich kennt.

Pirmin Kramer
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Ein Bild aus dem Jahr 2010: Regierungsrat Urs Hofmann (rechts) besucht die Firma Enics in Ennetturgi.

Ein Bild aus dem Jahr 2010: Regierungsrat Urs Hofmann (rechts) besucht die Firma Enics in Ennetturgi.

Roman Huber

Die Firma Enics will ihren Produktionsstandort in Ennetturgi aufgeben und ins Ausland verlagern. Dies teilt das Elektronik-Unternehmen auf seiner Website mit. 125 Mitarbeiter sind von den «strukturellen Veränderungen» betroffen. Die Arbeitnehmervertreter seien zu Konsultationsverhandlungen eingeladen worden, heisst es weiter. Enics ist auf dem Gebiet der industriellen Automation, im Transportwesen, der Gebäudeautomation und Instrumentation tätig. Das Werk in Ennetturgi ist auf die Herstellung von Produkten mit hoher Variantenvielfalt bei kleinen bis mittleren Stückzahlen spezialisiert.

Elektronik-Platinen und Print Produktion der Enics Schweiz AG fotografiert am 10. März 2006.

Elektronik-Platinen und Print Produktion der Enics Schweiz AG fotografiert am 10. März 2006.



Rolf Jenni / WIR

Die Wurzeln des 2004 gegründeten Unternehmens liegen in der Elektronikproduktion von ABB in der Schweiz, von ABB und Flextronics in Schweden sowie in der finnischen Elcoteq. Die Zahl der Angestellten am Produktionsstandort im Aargau sank fast stetig: Von 293 im Jahr 2008 auf 235 im Jahr 2010. Auch 2016 kam es wieder zu einem Stellenabbau.

Die Enics-Postadresse liegt in Turgi, das Gebäude befindet sich aber auf Untersiggenthaler Boden. Untersiggenthals Gemeindeammann Marlène Koller (SVP) hat Anfang Woche von den Plänen des Unternehmens erfahren. «Ich bin telefonisch informiert worden, dass der Produktionsstandort in unserer Gemeinde bis spätestens Ende 2022 aufgelöst wird. Allenfalls werde in Zukunft noch ein kleiner Restbestand des Unternehmens hier bestehen bleiben, wurde mir gesagt.» Tragisch sei dies für die 125 Angestellten, sagt Koller.

Gemeindeammann Marlène Koller (SVP)

Gemeindeammann Marlène Koller (SVP)



Sandra Ardizzone / BAD
«Ich kenne einige Personen persönlich, die in Untersiggenthal wohnen und bei Enics arbeiten. Es tut mir sehr leid für sie.»

Dass sich die Verlagerung des Produktionsstandorts ins Ausland negativ auf die Steuereinnahmen auswirke, sei unschön, aber angesichts der persönlichen Schicksale nebensächlich. «Ich gehe davon aus, dass bei Enics nicht nur hochqualifizierte Arbeitskräfte angestellt sind», sagt Koller. «Und wir alle wissen, wie schwierig es derzeit auch wegen der Folgen von Corona auf die Wirtschaft ist, eine neue Stelle zu finden.

Drohnenaufnahme des Untersiggenthaler Quartiers "Ennetturgi", wo sich neben Enics-Bürogebäuden auch die ABB-Räumlichkeiten befinden.

Drohnenaufnahme des Untersiggenthaler Quartiers "Ennetturgi", wo sich neben Enics-Bürogebäuden auch die ABB-Räumlichkeiten befinden.

Sandra Ardizzone / AAR

Aus Sicht der Gemeinde bestehe durchaus Hoffnung, dass eine neue Firma in das Gebäude an der Austrasse in Ennetturgi einziehen wird. Die Liegenschaft gehört der ABB, die ein Interesse habe, eine Nachfolgelösung zu finden. Gewerkschaften haben Widerstand angekündigt. Der Verband «Arbeit Aargau» ist bestürzt und verlangt von der Enics Schweiz AG, auf die Schliessung zu verzichten.