Untersiggenthal
Wahlkampf in Untersiggenthal: Fünf Kandidaten und eine Kandidatin bewerben sich um fünf Sitze im Gemeinderat

Während zwei langjährige Mitglieder des Gemeinderats nicht mehr antreten, kandidieren an den Gesamterneuerungswahlen vom 13. Juni drei bisherige und drei neue Personen um einen Sitz im Untersiggenthaler Gemeinderat.

Claudia Laube
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Am 13. Juni stehen Pirmin Umbricht, Adrian Hitz, Kim Schweri, Christian Gamma, Norbert Stichert und Christian Keller zur Wahl (v.l.)

Am 13. Juni stehen Pirmin Umbricht, Adrian Hitz, Kim Schweri, Christian Gamma, Norbert Stichert und Christian Keller zur Wahl (v.l.)

zvg

Frau Gemeindeammann Marlène Koller (SVP) und Vizeammann Ueli Eberle (Die Mitte) stellen sich bei den Gesamterneuerungswahlen am 13. Juni nicht mehr zur Wahl. Die restlichen drei Gemeinderäte hingegen kandidieren für eine weitere Amtsperiode. Adrian Hitz (Die Mitte) gehört dem Gemeinderat seit Anfang 2009 an und bewirbt sich zusätzlich auch als Gemeindeammann, Norbert Stichert (FDP) stiess Ende desselben Jahres zum Gremium. Christian Gamma (FDP) wurde im November 2015 in den Gemeinderat gewählt und stellt sich nun auch für das Amt des Vizeammanns zur Verfügung.

Ihre Ambitionen auf einen Gemeinderatssitz angemeldet haben ausserdem die frühere Grossrätin Kim Schweri, Grossrat Christian Keller sowie Winzermeister Pirmin Umbricht. Was sie zur Kandidatur bewegt.

Warum sollen Stimmberechtigte gerade Ihnen die Stimme geben?

Adrian Hitz (bisher)

Ich bin im Dorf als Jüngster mit acht Geschwistern auf dem elterlichen Bauernbetrieb aufgewachsen. Nach intensiven Aus- und Weiterbildungen war ich längere Zeit für international tätige Unternehmen unterwegs. Seit über 20 Jahren lebe ich mit meiner Familie im Elternhaus, bin seit 2009 im Gemeinderat und war zuvor neun Jahre Präsident der Finanzkommission.

Christian Gamma (bisher)

Ich bin engagiert, zuverlässig, präsent und lösungsorientiert. Ich setze mich für ein Untersiggenthal mit Charakter, für eine Schule mit starkem Profil und für solide Gemeindefinanzen ein. Ich bin gewillt, im Gemeinderat weiterhin mit Energie, Willen und Freude zu wirken und neu auch die Führung als Vizeammann zu stärken.

Norbert Stichert (bisher)

Aufgrund meines Engagements in den letzten Jahren im Gemeinderat, weiteren politischen Gremien und in Vereinen; meiner Freude, mich als Ortsbürger für die Menschen im Dorf einzusetzen sowie der politischen Erfahrung auch als Grossrat. Ich bin verwurzelt im Dorf und setze mich gerne dafür ein.

Kim Schweri (neu)

Als Präsidentin der Finanzkommission und ehemalige Grossrätin bringe ich viel politische Erfahrung mit. Mit meinem juristischen Hintergrund und dem Blickwinkel der Ökologie und Nachhaltigkeit kann ich den Gemeinderat optimal ergänzen. Zudem bin ich die einzige weibliche Kandidatin - dass die Frauen weiterhin im Gemeinderat vertreten sind, finde ich wichtig.

Pirmin Umbricht (neu)

Nach Mitarbeit in Kommissionen und als Stimmenzähler konnte ich in die Arbeit im Gemeinderat Einsicht gewinnen. Ich will aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Dabei kann ich von unterschiedlichen Blickwinkeln profitieren: Durch Kunden in unserem Laden, Spaziergänger im Rebberg, aber auch durch öffentliche Ämter und als Betriebsleiter eines KMUs.

Christian Keller (neu)

Weil ich mich für meine Wahlheimat noch mehr einsetzen möchte. Ich bin überzeugt, mit meiner Vernetzung im Dorf und bei der Bevölkerung die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner gut wahrnehmen und vertreten zu können. Durch die bisherige Tätigkeit in der FIKO konnte ich mir einen guten Überblick über die einzelnen Abteilungen und deren Geschäfte verschaffen. Als Geschäftsführer bringe ich auch die nötige Führungserfahrung für diese spannende und herausfordernde Tätigkeit mit.

Die sechs Kandidaten in der Übersicht

Adrian Hitz (die Mitte), 56, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er ist diplomierter Betriebsökonom und arbeitet beim Bauernverband

Christian Gamma (FDP), 45, ist verheiratet, Vater von zwei Kindern. Er ist Kantonsgeometer.

Norbert Stichert (FDP), 38, ist ledig. Der Betriebsökonom und Immobilienbewirtschafter sitzt seit 2019 auch im Grossen Rat.

Kim Schweri (Grüne), 37, ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Die Präsidentin der Finanzkommission ist Wirtschaftsjuristin und ehemalige Grossrätin.

Pirmin Umbricht (parteilos), 43, ist verheiratet und Vater von zwei schulpflichtigen Kindern. Der Winzermeister ist Betriebsleiter von Wein & Gemüse Umbricht.

Christian Keller (SVP), 45, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Der gelernte Tiefbauzeichner ist Geschäftsführer der Firma Hächler-Reutlinger und wurde im letzten Herbst in den Grossen Rat gewählt.

Welches sind die grössten Herausforderungen für Untersiggenthal und wie können sie gelöst werden?

Adrian Hitz

Die über Jahre aufgestauten Investitionen in Schulhäuser, Turnhallen und Mehrzweckhalle haben wir mit einer sehr gut geplanten und geschickten Immobilienstrategie gestartet und sind mitten in der Umsetzung. Wir investieren in den kommenden zwei bis drei Jahren über 40 Mio. in Hochbauten und werden den Steuerfuss aus heutiger Sicht kaum anpassen müssen.

Christian Gamma

Mit der revidierten Nutzungsplanung wurde im Jahr 2019 die Basis für die Entwicklung von Untersiggenthal hergestellt. Für die prognostizierte Bevölkerungszahl muss die entsprechend öffentliche Infrastruktur bereitstehen. Im Gemeinderat haben wir unsere Hausaufgaben hierzu gemacht und sind daran diese umzusetzen (Zentrum, Schulbauten, Hochwasserschutz, etc.).

Norbert Stichert

Finanzen: Investitionen immer mit Augenmass und gut durchgerechnet, sodass ein attraktiver Steuerfuss garantiert ist. Verkehr: das Projekt OASE ist nur mit einer grösseren Umfahrungslösung denkbar. Zentrum: wir können uns auf die neuen Nutzungsmöglichkeiten freuen. Umwelt: die Naturschutzgebiete pflegen und die erneuerbaren-Energien-Strategie der Ortsbürger fortführen.

Kim Schweri

Das Wachstum unserer Gemeinde ist anspruchsvoll. Es muss nachhaltig und unter Wahrung der Siedlungs- und Wohnqualität erfolgen. Die Verkehrszunahme, insbesondere auf der Landstrasse, beobachte ich mit Sorge. Zukunftsfähige Verkehrsprojekte müssen Untersiggenthal entlasten statt einseitig mehr Verkehr aufbürden (Stichwort OASE).

Pirmin Umbricht

Anstehende Herausforderungen sind das geplante Wachstum der Bevölkerung und die damit verbundene Gestaltung des Gemeindelebens, der Finanzen und der zukünftigen Verkehrssituation durch das Siggenthal. Um diese zu realisieren und zu lösen braucht es auch weiterhin einen engagierten Gemeinderat und dafür will ich mich einsetzen.

Christian Keller

Der Bau des Zentrums ist wohl eine der Höhepunkte und gleichwohl eine Herausforderung in der nächsten Zeit und kann hoffentlich wie geplant gebaut und erstellt werden. Die Explodierenden Kosten im Sozialwesen erscheinen mir als eine der grössten Herausforderungen in nächster Zeit. Jeglicher Missbrauch muss geahndet und verfolgt werden damit das zur verfügung stehende Geld dort ankommt wo es auch gebraucht wird.

Welchen Ihrer Konkurrenten wählen Sie nicht und warum?

Adrian Hitz

Die Kandidatinnen und Kandidaten arbeiten oft über viele Jahre in verschiedenen Kommissionen, wo Sie sich einbringen und die Bürger Sie kennen und schätzen lernen. Für mich stehen Erfahrung, Fachkompetenz, Führungserfahrung und Bereitschaft für den Einsatz im Gremium für die Menschen in unserem Dorf im Vordergrund.

Christian Gamma

Für mich sind alle Kandidatinnen und Kandidaten wählbar. Mit allen habe ich bereits im Gemeinderat, in einer Kommission (Finanz- oder Planungskommission) oder in Vereinen zusammengearbeitet. Schlussendlich wirken fünf von uns ab dem 1. Januar 2022 im Gemeinderat, um Untersiggenthal weiterzubringen. Hoffentlich weiterhin als Team!

Norbert Stichert

In der Kommunalpolitik ist Zusammenarbeit wichtig und ich möchte hier keine negative Wahlempfehlung abgeben. Die StimmbürgerInnen wissen am besten, wen sie wählen wollen. Ich möchte die WählerInnen davon überzeugen, mir ihre Stimme zu geben, und nicht andere nicht zu wählen.

Kim Schweri

Mit Pirmin Umbricht bin ich in der Zentrumskommission und mit Christian Keller arbeite ich in der Finanzkommission gut und gerne zusammen. Bei diesen Wahlen sind wir nun Konkurrenten um die zwei frei werdenden Sitze. Wen ich wähle behalte ich für mich, da ich in den nächsten vier Jahren gerne mit allen Gewählten konstruktiv zusammenarbeiten würde.

Pirmin Umbricht

Mir ist es wichtig, dass es ein fairer, ehrlicher Wahlgang wird und der Ausgang die beste und stärkste Grundlage für den neuen Gemeinderat bietet.

Christian Keller

Klar ist, dass auch ich die bisherigen Kandidaten der anderen bürgerlichen Ortsparteien unterstützen werde. Die Zusammenarbeit innerhalb des Gemeinderats kann ich mir aber mit allen Kandidierenden vorstellen, deshalb habe ich mich noch nicht abschliessend entschieden.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Adrian Hitz

Ich eifere aus Überzeugung nicht einem politischen Vorbild nach. Meine Motivation für die Arbeit im Gemeinderat ist meine Beziehung zu unserem Dorf. Seit Kindsbeinen an lebe ich mit wenigen Unterbrüchen hier, kenne Äcker, Wiesen und Wälder sehr gut - meine Heimat - da möchte ich mitmachen, wenn es darum geht die Zukunft zu gestalten.

Christian Gamma

Ich eifere eigentlich keinem Vorbild nach. Geprägt wurde ich insbesondere von meinem familiären Umfeld, wo viele Themen oft politisch debattiert wurden. Von meiner Herkunft her und natürlich wegen dem "urchigen" Dialekt, war für mich Franz Steinegger ein vorbildlicher Politiker, welcher lösungsorientiert über die Parteigrenzen hinweg wirkte.

Norbert Stichert

Thomas Pfisterer; er war Bundesrichter, Aargauer Regierungsrat und Ständerat für die FDP, kannte also alle drei Staatsgewalten. Dabei ist er immer ganz bodenständig geblieben und setzte sich für freiheitliche und pragmatische Lösungen ein. Er feierte am 7. Mai seinen 80. Geburtstag.

Kim Schweri

Eine einzelne Person als Vorbild habe ich nicht. Mich inspirieren aber Persönlichkeiten, die eine Vision haben und diese hartnäckig verfolgen wie beispielsweise Henry Dunant bei der Gründung des Roten Kreuzes.

Pirmin Umbricht

Bisher habe ich mich nicht an politischen Vorbildern orientiert. Aber die Art und Weise, wie Susanne Hochuli die Herausforderung als Regierungsrätin angenommen und ausgefüllt hat, hat mich sehr beeindruckt.

Christian Keller

Eines meiner Vorbilder in der Politik ist Adolf «Dölf» Ogi. Geradlinig, erfolgreich, bodenständig und vor allem volksnah und sympathisch.