Untersiggenthal
Untersiggenthaler Knatsch um eine marode Garage

Die Gemeinde Untersiggenthal befürchtet, das Dach der Garage könnte bei zu viel Schnee einstürzen. Doch der Verantwortliche winkt ab und hat keine Bedenken.

Michael Hugentobler
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Die marode Garage in Untersiggenthal

Die marode Garage in Untersiggenthal

AZ

In Untersiggenthal gibt es eine Tiefgarage aus den 70er-Jahren, die saniert werden sollte. Der Gemeindeschreiber sagt: «Dieser Bau muss geschlossen werden, er ist ein Sicherheitsrisiko.»

Der Rechtsanwalt, der für die Tiefgarage verantwortlich ist, sagt: «Woher die Gemeinde diese Erkenntnis nimmt, entzieht sich meiner Kenntnis.» Und die Ingenieure, die den Bau untersuchten, sagen: «Wir äussern uns nicht dazu.»

Gemeinde befürchtet Einsturz

Alles begann im Juni 2009, nachdem die Eigentümer das Ingenieurbüro RZG Baudienstleistungen aus Rheinfelden engagiert hatten, um die Tiefgarage zu prüfen. «Der Ingenieur kam zum Schluss, dass die Statik des Baus nicht mehr gewährleistet ist», sagt Gemeindeschreiber Stephan Abegg.

Auf der Tiefgarage stand ein Kindergarten. Die Gemeinde ordnete an, den Kindergarten sofort zu schliessen. «Die Sicherheit der Kinder und der Lehrer hat oberste Priorität», sagte der Gemeinderat damals. Nun müsse die Garage in der Bauhalde saniert werden.

Das geschah aber nie. Letztes Jahr liess die Gemeinde die Tiefgarage im November schliessen, nachdem Schnee gefallen war und die Gemeinde befürchtete, das Gebäude könnte einstürzen. Im Frühling durften die Autos wieder in der Garage parken.

Vor drei Wochen hatte die Gemeinde aber genug: Sie verfügte eine Schliessung der Garage per 1. Dezember. Gegen diese Verfügung reichte Herbert Krall, Anwalt der Garagenbesitzerin, Beschwerde ein. Jetzt ist es am Kanton, zu entscheiden.

Verantwortlicher ohne Bedenken

Besitzerin der Tiefgarage ist die Wohnbau Süd AG mit Sitz in Binningen. Anwalt Herbert Krall sagt auf Anfrage: «Es bestand zu keiner Zeit die Gefahr, dass die Decke der Garage einstürzt.»

Er stützt sich dabei auf die Gutachten der Ingenieurbüros Grob & Partner AG und Gruner AG, die beide die Garage ebenfalls untersuchten. Die Verantwortlichen beider Büros sagen auf Anfrage: «Wir äussern uns nicht zu diesem Fall.» Dasselbe sagt heute jener Ingenieur, der 2009 in der Garage ein Problem mit der Statik festgestellt haben soll.

Allerdings widerspricht sich Krall, indem er einräumt, dass die Garage nach den Untersuchungen mit dicken Baumstämmen abgestützt werden musste. Diese Baumstämme würden die Last der Decke tragen können.

«Tatsache ist, dass die Ingenieure keine Angaben darüber gemacht haben, ab welcher Schneehöhe die Garage zu schliessen sei», sagt Krall. Auf die Frage, warum während zweieinhalb Jahren keine Sanierungsarbeiten ausgeführt wurden, sagt Krall: «Die Untersuchungen waren und sind umfangreich und brauchen ihre Zeit.»

Sanierung seit 13 Jahren fällig

Da ist der Vertreter der Stockwerkeigentürmer anderer Ansicht. «Herbert Krall hat alle unsere Lösungsvorschläge boykottiert», sagt Christian Zürcher von Zürcher Immobilien Treuhand in Villmergen.

Zürcher habe schon vor 13 Jahren vorgeschlagen, dass die Tiefgarage saniert werden müsse. «2004 machten wir dann einen Sanierungsvorschlag, der für alle Parteien akzeptabel war, aber Herbert Krall wollte einfach nicht.» Zu diesen erneuten Vorwürfen und zu widersprüchlichen Aussagen nimmt Herbert Krall keine Stellung. Er lässt ausrichten, er sei krank.