Baden
Unvermeidbare «Mitternachtsmesser» in Baden

Wer in der Unvermeidbar in Baden mit Stella Heiligabend feierte, konnte sich auf einen unkonventionellen Festakt gefasst machen. Wie in einem Stummfilm kamen sich die Zuschauer vor, die das Treiben durchs Fenster auf der Gasse beobachteten.

Ursula Burgherr
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Waghalsiger Balanceakt von Nadine Tobler

Waghalsiger Balanceakt von Nadine Tobler

Reto Lanzendörfer

«Mitternachtsmesser» hiess das Spektakel, dass Stella mit ihrem Team spontan initiierte. Während das Publikum in der stockdunklen Unvermeidbar sass und Christoph Baumann (Klavier), Hämi Hämmerli (Bass) und Tony Renold (Drums) auf ihren Instrumenten improvisierten, tummelten sich draussen auf der Rathausgasse kurrlige Gestalten herum.

Eine vermummte Gestalt (Doris Brunner) holperte mit ihrem Schlitten über die nackten Pflastersteine. Plötzlich erschien der Weihnachtsengel (Stella) mit gigantischen weissen Flügeln aus Schwanenfedern und liess Schnee aus seinen Händen rieseln. Dann tauchte ein zigarettenrauchender Mönch auf (Florian Toberer) und pisselte ohne Hemmungen an die gegenüberliegende Wand. Eine Joggerin rannte vorbei, eine Frau schleppte sich an Krücken durch die Szenerie und ein Mann (Thomas Gröbly) balancierte seine Geschenke nach Hause.

Nicht immer war klar, welche Figuren zum Spiel gehörten und welches Passanten waren, die zufällig durch die Altstadt spazierten. Der Metzger mit der blutverschmierten Schürze entpuppte sich als Nadine Tobler, die daraufhin im roten Kleid grazil auf dem Seil balancierte. Ferner auszumachen waren eine Prostituierte und zwei Clochards, die ein Feuerchen anzündeten, um ihr Huhn zu braten.

Einen Handlungsablauf hatte die Posse nicht. «Wir wollen den Leuten einfach verschiedene poetische Bilder präsentieren», meinte Stella. Viel Slapstick-Humor trug zum Amüsement der Gäste bei. Auch eine tiefe Symbolik war auszumachen zu Themen, welche an Weihnachten besonders beschäftigen: Einsamkeit, Konsumrausch und die Suche nach Liebe.