Rent a Rentner
Unverschämt teuer: Rentner will 95 Franken pro Stunde

Früh-Rentner Edwin Bain vermietet seine Fähigkeiten auf der Online-Jobbörse «Rent a Rentner». Pro Stunde verlangt er unschlagbare 95 Franken. Wieso Rentner Bain so viel verlangt, was er anbietet und was er eigentlich sucht.

Fabian Dali
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Nichts ist mit Ruhestand: Edwin Bain will wieder arbeiten (Symbolbild)

Nichts ist mit Ruhestand: Edwin Bain will wieder arbeiten (Symbolbild)

Keystone

Wer auf dem Online-Arbeitsmarkt «Rent a Rentner» nach Arbeitswilligen aus der Umgebung Aarau sucht, dem springt unweigerlich der Eintrag des frühpensionierten Edwin Bain aus Lengnau AG in die Augen. Der Grund: Mit einem gewünschten Stundensatz von 95 Franken sticht er im Vergleich zu anderen Jobsuchenden aus der Masse heraus.

Dieser Rentner kann mit Computern umgehen

Auf die Frage, was für eine Tätigkeit er denn genau anbiete, antwortete der Senior am Telefon: «Meine Spezialität ist die COBOL 3G Sprache... oder auch Natural.» Das kam unerwartet. Neben Inseraten für Arbeiten wie Dogsitting oder Nachhilfeunterricht reihte sich mit Bain auf «Rent a Rentner» ein Spezialist in dem Bereich Applikationsentwicklung für die besagten Programmiersprachen ein.

Genauer gesagt war Edwin Bain, nachdem er 20 Jahre lang ein eigenes Unternehmen geführt hatte, Senior Applikationsentwickler und Projektleiter für Softwarefragen bei der Swiss Life AG, einem der führenden Anbieter von Lebensversicherungen und Vorsorgelösungen. Umso ironischer, dass gerade die Swiss Life als Spezialistin im Bereich der Altersvorsorge den langjährigen Angestellten aufgrund struktureller Veränderungen zur vorzeitigen Rente zwang. «Ich musste eine Frühpensionierung annehmen, eigentlich wollte ich weiterarbeiten», kommentiert Bain.

So sieht die Situation im Klartext aus

Anders als die meisten Benutzer von «Rent a Rentner» sucht der knapp 60-jährige Bain nicht nur nach einem Teilzeitjob für ein kleines Taschengeld neben der eigentlichen Rente. Er möchte wieder in die Arbeitswelt einsteigen und eine feste Anstellung finden.

Um dies zu erreichen, hatte sich der unfreiwillige Früh-Rentner bereits vor der Anmeldung auf der Online-Jobbörse bei verschiedenen Unternehmen beworben und tut das auch weiterhin, bisher hat er allerdings noch keine Zusage erhalten. Der Anstoss, sich auf «Rent a Rentner» zu registrieren, kam von Edwins Ehefrau und bildet nicht das Zentrum seiner Bemühungen um eine neue Tätigkeit.