Ennetbaden
Unverwechselbare Beiz, unverwechselbarer Wirt

Ennetbaden Ein neues Buch erinnert ans Ennetbadener Restaurant «Schief» und an die Zeit von Wirt Hans «Hausi» Rüfenacht.

Urs Tremp
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Restaurant «Schief»

Restaurant «Schief»

Hans «Hausi» Rüfenacht präsentiert das neue Buch. Urs Tremp

Hans «Hausi» Rüfenacht präsentiert das neue Buch. Urs Tremp

Der damalige Ennetbadener Gemeindeammann Anton Bucher hatte 1980 eine einfache, aber einleuchtende Begründung, warum der Gemeinderat aus einem guten Dutzend Bewerbungen ausgerechnet Hans «Hausi» Rüfenacht zum «Schief»-Wirt wählte: «Rein vom Äusserlichen passt er ins ‹Schief›.» Tatsächlich: Rustikal traf auf rustikal. Dass Hausi schliesslich «Schief»-Wirt blieb, bis das Haus 2010 abgerissen wurde, darauf hätte allerdings vor bald vierzig Jahren kaum jemand gewettet. Mehr als 30 Jahre lang führte Hausi (kaum jemand nannte ihn «Hans» oder gar «Herr Rüfenacht») die gemeindeeigene Beiz. Jetzt hat er über diese Zeit ein Buch geschrieben. Oder besser: hat ein Buch schreiben lassen. Hausi hat erzählt, Friedrich A. Rufer hat aufgeschrieben. «Das Gasthaus ‹Schief›» heisst das 190 Seiten dicke Werk. Es ist mit zahlreiche Fotos aus Hausis «Schief»-Zeit, aber auch aus den Jahren davor illustriert.

Letzte Woche hat im Beisein etlicher Freunde und früherer «Schief»-Gäste in den Räumen der Badener Brauerei Müller die Buchvernissage stattgefunden. Ein sichtlich gerührter Hausi Rüfenacht freute sich. «Es ist schön, noch einmal quasi im ‹Schief› zu sein. Ich danke allen, die beigetragen haben, dass dieses Buch jetzt erschienen ist.» Natürlich hing über der Buchvernissage ein Dunst von Nostalgie. Hausi war ein über die Region hinaus bekannter Wirt. Dass zuweilen auch internationale Grössen das Lokal aufsuchten, davon machte Hausi nie ein Aufhebens. Wohl gerade darum war es Ottmar Hitzfeld und den Grasshoppers, Friedensreich Hundertwasser oder Jane Birkin wohl bei Hausi. Hausi hat niemanden gekannt, als er in Ennetbaden anfing. In Zürich war er aufgewachsen, Hochbauzeichner und Maurer hatte er gelernt und als Bauführer gearbeitet. Und eigentlich hatte er definitiv nach Australien auswandern und dort leben wollen. Als Koch und Wirt war er ein Autodidakt und Quereinsteiger: «Weil ich gerne kochte.»

Boden mit 22 Zentimeter Gefälle

Fürs Ennetbadener «Schief» bewarb er sich seinerzeit, weil es eine Beiz war, «in die ich selbst auch gerne gegangen wäre». Das Wirtshaus hiess noch «Café Brunner», als Hausi nach Ennetbaden kam. Doch mit ihm bekam das Lokal den Namen (und ein Wirtshausschild), den die Beiz im Volksmund längst hatte. Einerseits wegen der Nähe zur Schiefen Brücke. Andererseits aber auch, weil der Fussboden der Gaststube ein Gefälle von 22 Zentimetern aufwies. «Der Ausdruck hat einen abwertenden Klang», heisst es im Prolog des Buchs. «Aber er steht vor allem für Originalität. Hausi Rüfenacht verdient den abwertenden Beiklang nicht, jedoch denjenigen eines unkonventionellen Bürgers sehr wohl. Das ‹Schief› war für Hausi Heimat, für viele andere auch.» Das Buch lässt die 30 «Schief»-Jahre mit Hausi Rüfenacht noch einmal vorbeiziehen. Aber nicht nur: Es erzählt auch von Hausis Herkunft und von den Kurven, die das Leben nahm – wortwörtlich: Fast wäre Hausi nämlich Bob-Sportler geworden. Das Buch bietet zudem allerlei Heimatkundliches und reflektiert anhand von Hausis Geschichte ganz grundsätzlich das Leben, den Zufall und das Schicksal.

Obgleich Hausi sagt, er habe «Glück gehabt im Leben». Von Schicksalsschlägen verschont blieb er nicht. Eine erste Ehe endete mit der Scheidung. Seine zweite Frau Myriam, mit der er von Anfang an im «Schief» gewirtet hatte, starb nach langer Krankheit im Jahr 2000. «Hausi hat die Fähigkeit, Unabänderliches zu akzeptieren», heisst es dazu. «Das tat er und das musste er. Aber er zieht heute in seinem Bericht über sein Leben und die Geschichte des ‹Schief› eine Linie. Es gab eine Zeit mit Myriam. Und es gab eine Zeit ohne Myriam. Und die war anders.» Noch zehn Jahre dauerte es nach Myriams Tod, bis das «Schief» endgültig die Türen schloss und das Haus abgerissen wurde. Das Buch «Das Gasthaus ‹Schief›» lässt einen noch einmal die Zeit erleben, als es in Ennetbaden eine unverwechselbare Beiz mit einem unverwechselbaren Wirt gab.

Das Gasthaus «Schief», 190 Seiten, 20 Franken. Das Buch ist erhältlich bei der Gemeindeverwaltung Ennetbaden, Grendelstrasse 9, Ennetbaden, Tel. 056 200 06 01.