Auf der alternativen Bühne Polygon am Tränenbrünneli feierte am Wochenende die «Wassermusik für Brunnen und Blasorchester» Uraufführung. Der Freiburger Komponist Benedikt Hayoz schuf das Werk extra zur Badenfahrt für das Blasorchester Baden Wettingen.

Unter der Leitung von Dirigent Christian Noth begeisterte das Orchester das Publikum. Die «Wassermusik» überzeugt in jeder Hinsicht. Sie erinnert nicht nur dem Namen nach an Händels Wassermusik; stellenweise denkt man auch an Smetanas «Moldau».

Die drei Sätze in Hayoz’ Werk sind angelehnt an die Bedeutung des Wassers für die Stadt Baden. Eine zentrale Bedeutung im Stück spielt das Tränenbrünneli selbst: In seiner Wasserschale ist ein Klangbecken angebracht, dessen Schwingungen von einem Mikrofon aufgenommen werden und in Echtzeit das Plätschern des Brunnenstrahls als elektronischen Klang der Orchestermusik beifügt. Brunnen und Orchester verbinden sich so zu einem Klangkörper.

Von Badens Blütezeit

Das Tränenbrünneli kommt aber auch thematisch in dem Stück voller Gegensätze vor. Der erste Satz («Einleitung & Fanfare») erzählt vom Industriezeitalter, von Badens Aufschwung und Blüte am Ende des 19. Jahrhunderts.

Ohne das Wasser der Limmat wäre die Industrialisierung nicht möglich gewesen.  Hier hört man deutlich die Stromschnellen der Limmat rauschen. Die echten neben der Bühne, die vertonten aus dem Orchester. Das Wasser rauscht und sprudelt. Der Stolz der aufstrebenden Stadt ist in der Musik deutlich zu hören.

Der düstere zweite Satz («Meditation») thematisiert den Weltschmerz, der in Hans Trudels Brunnen dargestellt ist. Das Tränenbrünneli mit den weinenden Kindern schuf der Badener Bildhauer 1919 nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs.

Die Inschrift rund um das Brünneli lautet: «Jed’ Menschleins Weh, in Tränen zerronnen, die Erde schluckt’s und weint’s in Bronnen.» Zeitweise macht im zweiten Satz das Tränenbrünneli allein die Musik.

Lebensfreude während der Badenfahrt

Der dritte Satz («Tanz am Fluss») soll schliesslich mit seinen Funk-Klängen die Lebensfreude der modernen Stadt während der Badenfahrt widerspiegeln. Das harmonische Froschquaken, das hier erklingt, kommt nicht etwa aus dem Goldfischteich, in dem die Polygon-Tribüne steht: Auch das ist das elektronisch veränderte Plätschern des Brünnelis.

Noth und Hayoz hatten die Idee für eine «Wassermusik» vor gut zwei Jahren. Sie sind beide im Kanton Freiburg aufgewachsen und kennen sich von früheren Engagements. Hayoz ist Musiker, Komponist, Dirigent und Dozent an der Hochschule für Musik in Lausanne. Noth leitet seit 2005 die Stadtmusik Baden.

Das Blasorchester Baden Wettingen, das 2014 aus der Fusion der Stadtmusik und der Jägermusik Wettingen entstand, spielt heute mit 50 Musizierenden in erstklassiger Harmoniebesetzung. Das Orchester führt das Konzert noch achtmal auf: Zuhören lohnt sich.

Weitere Aufführungsdaten:

«Wassermusik für Brunnen und Blasorchester»: Am Samstag, 26. August, und Sonntag, 27. August, jeweils um 11.30 Uhr, 12.15 Uhr, 13 Uhr und 13.45 Uhr auf der alternativen Bühne Polygon am Tränenbrünneli.