«Lebenslänglich heisst lebenslänglich», sagt Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch gegenüber az. Es ist die Höchststrafe, die ein Gericht für Mord aussprechen kann.
Doch bedeutet lebenslänglich in jedem Fall auch wirklich lebenslänglich? Nein, sagt Jositsch. Nach 15 Jahren Haft müssen die Behörden eine vorzeitige bedingte Haftentlassung prüfen, so sieht es das Strafgesetz-Buch vor. Entlassen wird dann aber nur, wer eine günstige Prognose hat. «Das kommt sehr selten vor», sagt Jositsch.

Ferrari sitzt seit über 20 Jahren

Selten ist allerdings auch der umgekehrte Fall, also Häftlinge, die ein Leben lang wegen Gemeingefährlichkeit hinter Gitter bleiben. Im Kanton Aargau dürfte dies für den mehrfachen Mörder Werner Ferrari gelten. Er sitzt seit 17 Jahren in Haft und hat kaum Chancen, jemals frei zu kommen.

Das dürfte laut Jositsch auch auf Daniel H. zutreffen. Denn H. wurde auch zu einer Verwahrung auf unbestimmte Zeit verurteilt. Diese Strafe greift erst, nachdem ein Täter aus der normalen Haft entlassen werden kann.

Für Daniel H. heisst lebenslänglich wohl lebenslänglich

Um aus einer Verwahrung entlassen zu werden, braucht es wiederum eine günstige Prognose. Und viele Unterschriften, etwa von einem Psychiater und von Justizdirektor höchstpersönlich. Und auch eine Fachommission muss noch ihren Segen dazu geben.

Im Falle von Daniel H. dürfte das alles Theorie sein. «Wenn nichts Revolutionäres passiert, wird ein Täter von dieser Gefährlichkeit nie mehr freikommen», sagt Jositsch. Auch wenn die Gutachter vor Gericht nicht ausschlossen, dass der Täter nicht doch therapiert werden könnte. Laut Jositsch sind Entlassungen aus der Verwahrung generell äusserst selten.