Baden
Vandalen wüteten am Bahnhof – abgesehen hatten sie es auf das Modell der Spanischbrötlibahn

Glück im Unglück: Das Modell der Spanischbrötlibahn kam beim Vandalenakt nicht gross zu Schaden. Die Schenkung soll in den Bahnhof Baden zurückkehren – auch die Strassenversion der Bahn könnte gerettet werden.

Andreas Fahrländer und Frederic Härri
Merken
Drucken
Teilen
Die historische Spanischbrötlibahn tuckert auch in Zukunft durch die Stadt, wie an der Badenfahrt 2017. Sandra Ardizzone

Die historische Spanischbrötlibahn tuckert auch in Zukunft durch die Stadt, wie an der Badenfahrt 2017. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Es war eine kurze Freude über ein sehr grosszügiges Geschenk: Die Ortsbürgergemeinde Baden hat von einem Schenker, der nicht namentlich genannt werden möchte, ein kostbares Modell der Spanischbrötlibahn von 1847 erhalten. Die Stadt liess es vor zwei Wochen in einem Glaskasten in der Wartehalle im Bahnhof aufstellen. Doch nur vier Tage später wurde die Vitrine in der Nacht von Vandalen von der Wand gerissen.

Patrick Nöthiger, Leiter Kultur der Stadt Baden und zuständig für die Präsentation des Modells, sagt: «Es ist traurig und äusserst bedauerlich, dass das passiert ist.» Aber die Ortsbürgergemeinde habe Glück im Unglück gehabt. Einerseits ist das Modell selbst auf den ersten Blick nicht gross zu Schaden gekommen, es befindet sich zurzeit bei Felix Spring von der Apparatefabrik Spring in Wettingen zur genaueren Überprüfung. Andererseits war die Vitrine schon bei der Lieferung leicht beschädigt, und es wurde ohnehin schon eine zweite Vitrine angefertigt. Diese sollte jetzt bald geliefert werden.

Das Modell im Bahnhof Baden bei der Einweihung vor zwei Wochen. zvg

Das Modell im Bahnhof Baden bei der Einweihung vor zwei Wochen. zvg

zVg

Die Kosten für die Modellpräsentation übernimmt der Schenker. Eine erste Idee war ursprünglich, das Modell je nach thematischem Kontext im Historischen Museum in Baden auszustellen. Um das Abbild der ersten Schweizer Eisenbahn aber einer breiten Öffentlichkeit sozusagen am Ort des Geschehens zu zeigen, entschied man sich für den Standort in der Wartehalle des Badener Bahnhofs. Das Modell zeigt die Lokomotive «Limmat», einen Kohlewagen und insgesamt sieben Waggons der ersten, zweiten und dritten Klasse.

2000 Arbeitsstunden nötig

Es ist ein äusserst kostbares Geschenk. Patrick Nöthiger erklärt: «Von dieser Zugkomposition gibt es insgesamt 107 Modelle, die von der Apparatefabrik Spring zwischen 1978 und 1985 angefertigt wurden.» Die Initiative entstand aus der Badenfahrt 1977 und fiel just in die Zeit, als die Firma Spring sich nebst der Fertigung von Eisenbahnapparaten auch auf den Modellbau spezialisierte. Ein einzelnes Modell der Spanischbrötlibahn besteht aus rund 10 000 Teilen. «Um das zusammenzubauen, waren damals etwa 2000 Stunden Arbeit nötig», sagt Nöthiger. Wenn die neue Vitrine mit dem Modell wieder an ihrem Platz hängt, ist sie mit einer zusätzlichen Sicherung versehen, damit nicht noch einmal etwas Ähnliches passiert.

Die Stadt Baden hat nach dem Gewaltakt, wie in solchen Fällen üblich, Strafantrag gegen unbekannt gestellt. Die Kantonspolizei ermittelt nun gegen zwei mutmassliche Täter wegen Sachbeschädigung, wie Kapo-Mediensprecherin Barbara Breitschmid sagt. Ob sich der Verdacht gegen die beiden beschuldigten Personen erhärtet, müsse sich jetzt aber im Verlauf der Ermittlungen noch zeigen.

Hoffnung für «grosse Schwester»

Auch in Sachen «Strassen-Spanischbrötlibahn» bewegt sich etwas: Ende des vergangenen Jahres hatte die Stadt Baden noch erklärt, den beliebten Nachbau der Bahn für die Strasse bis Ende 2018 verschrotten lassen zu wollen.

Diesen Nachbau konstruierte die Technische Gesellschaft Baden aus einem Traktor für die Grosse Badenfahrt 1937. Das Fest fand damals anlässlich des 90-Jahr-Jubiläums der ersten Fahrt der ältesten Schweizer Eisenbahn 1847 statt. Seither finden die Badenfahrten in den «Siebnerjahren» statt. Weil aber weder das Badenfahrtkomitee noch die Stadt Baden genügend Platz (und Geld) für die Bahn hatten, entschied die Stadt im vergangenen Dezember, die Nachbildung zu verschrotten, sofern sich keine private Lösung abzeichne.

Um die Bahn zu retten, hat der Stadtturnverein als Betreiber der Bahn beim Stadtrat ein Wiedererwägungsgesuch gestellt. Anfang dieser Woche sind nun verschiedene Badener Vereinigungen zusammengesessen, um über die Zukunft der Spanischbrötlibahn zu diskutieren. Zu den konkreten Ergebnissen des Treffens kann Hansruedi Hagen, Präsident des Stadtturnvereins, noch nichts sagen. Nur so viel: Er sei optimistisch, dass es eine gute Lösung gebe. Jetzt gehe es vor allem darum, offene Fragen zur Finanzierung und zur künftigen Lagerung zu klären. Ein definitiver Entscheid, ob die Spanischbrötlibahn für die Strasse weiterrollen wird, steht also noch aus. Er sollte aber bald erfolgen.

Die «echte» Spanischbrötlibahn wurde im Volksmund nach dem Badener Blätterteiggebäck benannt, das der Legende nach den reichen Zürchern mit der Bahn noch warm auf den Tisch gebracht wurde. Die Schweizerische Nordbahn, wie sie offiziell hiess, war die erste ganz auf Schweizer Boden befindliche Eisenbahnstrecke. Nach sechzehn Monaten Bauzeit wurde die Strecke mit Zwischenhalten in Altstetten, Dietikon und Schlieren am 7. August 1847 feierlich eröffnet. Täglich gab es vier Fahrten in beide Richtungen. Die Züge brauchten für die 23 Kilometer von Baden nach Zürich 30 Minuten – genauso lange, wie heute die S-Bahn auf derselben Strecke braucht.

Vandalismus im Aargau:

Dättwil AG, Oktober 2019: Vandalen haben die Fassadenverglasung des Schulzentrums Höchi massiv beschädigt. Es entstand ein Sachschaden von 35'000 Franken.
45 Bilder
Schinznach, Juli 2019: Vandalen haben in Schinznach in der Aula gewütet: Sie schlugen Fenster ein, versprayten Wände und zerstörten ein Keyboard und weitere Gegenstände. Die Täter sind dem Gemeinderat bekannt.
Arni, 7. Juni 2019: Rund 2500 Franken beträgt der Schaden, den Unbekannte am Freitag des Pfingstwochenendes am Kindergartenpavillon in Arni verursacht haben.
Oberrüti, Ostern 2019: Die Baumsitzgruppe beim Kindergartenspielplatz wurde ins Wasser geworfen. Vier Knaben im Alter von 12 bis 14 Jahren sind für die Schäden verantwortlich.
Unbekannte fällten beim Vordemwalder Waldhaus Felli, an der Verbindungsstrasse von Riken und Glashütten, drei Tannen. Vordemwald, 7. Juni 2019
Unbekannte haben beim Klubhaus der Sportanlage «Kreuzzelg» einen Cricket-Teppich in Brand gesetzt. Dank des beherzten Eingreifens des Platzwartes konnte ein grösserer Brand verhindert werden. Wettingen, 17. Mai 2019
Das Gemeindehaus in Oberentfelden wurde Ziel eines Vandalen-Akts. Unbekannte schossen auf die Eingangstür. Oberentfelden, 7. März 2019
Tisch bei der Villa Hecht wurde abgefackelt. Rothrist, 4. März 2019
Zerstörerischer Abstimmungskampf: Ein Plakat wurde ausgerissen und über die Leitplanke ins Tobel geworfen. Arni, 25./26. Januar 2019
Kein Lausbubenstreich: Übermaltes Plakat 50 statt 30. Arni, 24./25. Januar 2019
Alles angeschleppt, was brennt: Eine Palette, der dazugehörige Rahmen und ein Strohballen wurden verbrannt. Lenzburg, 12./13. Januar 2019
Keine Unachtsamkeit: Bei dieser Zerstörung einer Bank in Lenzburg war Mutwilligkeit im Spiel. Lenzburg, Anfangs Januar 2019
Vandalen schlugen die Fensterscheiben der WC-Anlage in Möhlin ein. Möhlin, Dezember 2018/Januar 2019
Vandalen waren auf dem stillen Örtchen in Möhlin. Möhlin, Dezember 2018
Vandalen zerschlugen vier Lampen bei der Unterführung Richtung Berikon. Oberwil-Lieli, 8./9. Dezember 2018
Vandalen waren in Baden in einer Schule am Werk. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalen in Badener Schule. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalen in Badener Schule. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalen in Badener Schule. Baden, Mitte Oktober 2018
Vandalenakte im Bally-Park Schönenwerd. 26. Juni 2018 Bally-Park Schönenwerd
Eine unbekannte Gruppe brach in neu errichtete, noch leere Wohnungen in Baden-Dättwil ein und richtete erheblichen Schaden von mehreren zehntausend Franken an. Baden-Dättwil, 1. Juni 2018
Unbekannte haben in der Nacht auf Sonntag mehrere Container in einem Schulareal in Brand gesetzt.
Unbekannte dringen bei der Schiessanlage Dintikon gewaltsam in den Scheibenstand ein und legen Feuer. Bereits zwei Woche zuvor war das Schützenhaus wiederholt beschädigt worden. Dintikon, 15. Mai 2018
Vandalen schlagen in der Nacht sämtliche Scheiben eines Bauernladens ein. Eingedrungen ist aber niemand. Auch geklaut wurde nicht. Der Sachschaden beträt 10'000 Franken. Spreitenbach, 28. April 2018
Mitten in einem Wohnquartier in Würenlos haben Chaoten nachts ein Auto komplett demoliert: Mit Steinen traktierten sie die Scheiben des Kleinwagens, mit Messern oder ähnlichen Werkzeugen schlitzten sie gar die Carosserie auf. Der Citroën ist schrottreif. Würenlos, Ende April 2018
In Schneisingen wüteten in der Nacht auf Ostersonntag unbekannte Täter und begingen mehrere Sachbeschädigungen. Es wurden bei der Feuerstelle auch ein Feuer entfacht und Materialien verbrannt. Schneisingen, 1. April 2018
Der Platz der Waldspielgruppe Müsli in Aarau Rohr wird immer wieder zum Ziel von Vandalen. Im Mai haben nicht nur die dicken, stützenden Pfähle aus der Umrandung getreten und zum Teil angezündet, sondern auch ein tiefes Loch in die Mitte gegraben. Aarau Rohr
Ein Vandale beschädigt in der Nacht auf Sonntag auf dem ehemaligen Kunath-Areal 13 Fahrzeuge sowie drei Gebäude. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere zehntausend Franken. (Fortsetzung nächstes Bild) Aarau, 11. März 2018
(Fortsetzung) Die umfangreichen Ermittlungen nach den Taten in der Telli (über ein Dutzend Fahrzeuge und drei Gebäude beschädigt) führen zu einem 17-Jährigen Schweizer aus dem Bezirk Aarau. Aarau, 11. März 2018
Unbekannte richten im Neubau eines Kindergartens sowie im angrenzenden Schulhaus beträchtlichen Schaden an. Neuenhof, 11. Juli 2017
Bei der Kreisschule, beim Tennisclub sowie beim Regenklärbecken werden Lampen und Fenster beschädigt. Ein Auto brennt aus. Buchs, 29. November 2017
Vandalen beschädigen mehrere Autos und schlagen Scheiben ein. Die Täter konnten ermittelt werden. Es handelt es sich um zwei Schweizer aus der Region im Alter vom 20 und 28 Jahren. Aarburg, 28. November 2017
Unbekannte Täter verschmieren zahlreiche Hausfassaden und Verkehrsschilder. Birrwil, 19. November 2017
Bei der Kantonspolizei gehen mehr als ein halbes Dutzend Meldungen über Sachbeschädigungen ein. Lenzburg, 5. November 2017
Unbekannte schlagen an mehreren Fahrzeugen Scheiben ein, beschädigen Wohncontainer und verwüsteten einen Wohnanhänger. Staufen, 2. Oktober 2017
Unbekannte setzten bei einer Baustelle zwei Bagger in Gang und richten damit Sachschaden an. Auw, 29. August 2017
Unbekannte Täter versprayen diverse Örtlichkeiten und reisst Beleuchtungseinrichtungen herunter. Möriken, 5. August 2017
Unbekannte sprayen in einem Parkhaus. Polizeihund "Lord" spürt einen der Tatverdächtigen in einem Gebüsch auf. Baden, 19. Juli 2017
Unbekannte Täter verwüsten die Kapelle. Im Gebäude entstehen durch ein Feuer massive Russschäden. Full-Reuenthal, 25. Juni 2017
Unbekannte besteigen einen Baukran und reissen dessen Kabel aus. Auf der Baustelle zerstören sie eine frisch gemauerte Wand und begehen weitere Sachbeschädigungen. Schöftland, 8. Mai 2017
Jugendliche werfen grosse Steine gegen das Glasdach des Hallenbad-Veloständers und zerstören so die Scheiben. Baden, 21. April 2017
Unbekannte beschädigen am Bahnhof abgestellte Velos. Othmarsingen, 10. April 2017
Unbekannte Vandalen dringen in eine Turnhalle ein und sprayen "Fuck The Police" oder "Fuck School" an eine Wand. Aarburg, 10. April 2017
Dank eines Hinweises von Anwohnern ertappt die Polizei zwei jugendliche Sprayer auf frischer Tat. Wohlen, 17. März 2017
Unbekannte versprayen im Umfeld einer Schulanlage diverse Objekte. Oftringen, 28. Februar 2017

Dättwil AG, Oktober 2019: Vandalen haben die Fassadenverglasung des Schulzentrums Höchi massiv beschädigt. Es entstand ein Sachschaden von 35'000 Franken.

Kapo AG