Baden

Vandalenakt im Kreuzlibergwald: Gipfelkreuz mutwillig zerstört

Im Badener Kreuzlibergwald wurde das umstrittene Holzkreuz in zwei Teile zersägt gefunden – es war vor zwei Jahren aufgestellt worden.

Ein Badener Ehepaar konnte am Samstagnachmittag seinen Augen kaum trauen: Beim Spaziergang im Kreuzlibergwald fanden die beiden das vor zwei Jahren aufgestellte Gipfelkreuz am Boden liegend – offenbar mit einer Motorsäge zersägt. «Anders wäre es gar nicht möglich gewesen, das massive Kreuz zu zerstören», sagt eine aufgelöste Ruth Sulzer, Präsidentin des Quartiervereins Chrüzliberg.

Ob die Zerstörung einen religiösen Hintergrund hat oder sich jemand von der atemberaubenden Aussicht auf Stadt und umliegende Gemeinden beraubt fühlte, ist nicht klar. Für den Verein, der in seiner Medienmitteilung kein Blatt vor den Mund nimmt, ist klar: «Es handelt sich um einen auch im Ansatz niemals nachvollziehbaren Anschlag auf die Grundsätze unserer offenen und freiheitlichen Gesellschaft, in der Menschen mit verschiedenen Auffassungen zusammenleben.»

Sulzer ist sicher: «Das Kreuz wurde bewusst zerstört». Jemand sei mit der Absicht, dieses «regelrecht zu exekutieren» und mit dem richtigen Werkzeug vom Sockel zu trennen, hierhergekommen.

Kreuz sorgte für Einsprache

Der «Anschlag» komme aus dem Nichts und treffe den Quartierverein zentral. Das fünf Meter hohe Kreuz aus Badener Eichenholz wiegt rund 200 Kilogramm und wurde am 13. Dezember 2017 feierlich eingeweiht – gemeinsam mit christlichen, jüdischen und muslimischen Vertretern. Es handle sich beim Gipfelkreuz um ein religionsübergreifendes Symbol, an dem sich alle erfreuen können, sagte Sulzer damals zur AZ. «Wir haben bewusst alle dazu eingeladen», erklärt sie heute.

Im Anschluss an die Aufrichtung hätte man gemeinsam Cervelats gebrätelt: «Das war ein wunderschönes Erlebnis, all diese unterschiedlichen Menschen zusammen. Das hat mich sehr berührt», erinnert sie sich. Und: «Seit wir das Kreuz aufgestellt haben, hatten wir keinerlei Klagen mehr», sagt Sulzer.

Die Mitarbeiter des Holzbaubetriebs Peterhans, Schibli & Co. stellen das Gipfelkreuz auf

13. Dezember 2017: Die Mitarbeiter des Holzbaubetriebs Peterhans, Schibli & Co. stellen das Gipfelkreuz auf.

Das Kreuz stiess, bevor es aufgestellt wurde, auf Gegenwehr. Nicht alle fanden es toll, dass dort – nach rund 200 Jahren – wieder ein Kreuz stehen würde, auch wenn ein solches dem Kreuzliberg seinen Namen gegeben hatte. «Dementsprechend müsste auf dem Galgenbuck in Dättwil ein Galgen aufgestellt werden», schrieb Ortsbürgerin Isabelle Wanner damals in ihrer Einsprache gegen das Baugesuch.

Sie fand, dass das Kreuz als religiöse Manifestation ein fundamentalistischer Akt sei und hatte Einsprache erhoben, weil es im Ortsbürgerwald stehen sollte – und dieser sei öffentlicher Grund: «Religiöse Wahrzeichen sind heute in Anbetracht der Trennung zwischen Kirche und Staat auf öffentlichem Grund unangebracht», schrieb Wanner weiter. Der Stadtrat wies die Einsprache ab: Sie wohne zu weit weg, um einspracheberechtigt zu sein.

«Baden ist doch eine friedliche Stadt»

Wanner enerviert sich darüber, dass das Kreuz zerstört wurde: «Das geht überhaupt nicht. Das ist eine Provokation und das brauchen wir hier nicht. Baden ist doch eine friedliche Stadt.» Ihr Ärger von damals sei schon lange verflogen: «Wäre das Kreuz mitten in der Stadt gestanden, hätte es mich mehr gestört, aber dort oben im Wald komme ich sowieso nie vorbei.»

Aufrichtung des Gipfelkreuzes auf dem Kreuzliberg am 13. Dezember 2017:

Nachdem das Kreuz aufgestellt worden war, habe sich die Ortsbürgergemeinde kurz darauf noch einmal darüber unterhalten: «Uns hat damals vor allem geärgert, dass wir nicht darüber abstimmen konnten, obwohl es auf Ortsbürgergrund aufgestellt wurde», so Wanner. Sie hätten darüber nur bestimmen können, wenn sich die Ortsbürger finanziell hätten beteiligen müssen.

Ein anonymer Geldgeber finanzierte das Kreuz damals. Der materielle Schaden bewegt sich laut Quartierverein im fünfstelligen Bereich. Dieser hat nun Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Er will das Gipfelkreuz reparieren lassen und sobald wie möglich wieder an seinem angestammten Platz aufstellen.

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