Mit fünf Jahren hielt Tim Schaerer seinen ersten Segelmodellflieger in der Hand, geschenkt von Vater und modellflugbegeisterten Andi Schaerer. Rund 20 Jahre später können sich beide mehrfache Schweizer Meister im Segelmodellfliegen nennen — Tim Schaerer holte sogar dreimal den Europameistertitel.

Heute tritt das Vater-Sohn-Gespann nicht mehr nur gegeneinander, sondern auch miteinander an. An Flugshows im In- und Ausland und lassen ihre Segelmodellflieger in Formationen fliegen. Im neusten Projekt von Team Schaerer haben die beiden nun ihr Modellflieger-Duo auf ein Flieger-Quartett erweitert.

Red Bull Team Schaerer

Red Bull Team Schaerer

Die Modellsegelflugpiloten Andi und Tim Schaerer arbeiteten in ihrem neuen Projekt mit zwei Österreicher Segelflugzeugpiloten zusammen.

Gemeinsam mit zwei Österreicher Segelflugzeugpiloten erarbeiteten sie während über einem Jahr ein Konzept für ein gemeinsames Flug-Projekt. Ihre Idee: Die zwei 20-kg-Modellflieger der Schaerers in verschiedenen Formationen mit zwei echten Segelflugzeugen der Österreicher fliegen zu lassen. «Der Gedanke entstand bei einer Flugshow in Birrfeld im Sommer 2016, wo wir das Segelflugteam Blanix aus Österreich trafen», sagt Andi Schaerer. «Bei einem Gespräch entstand der Plan, mit vier Flugzeugen gleichzeitig zu fliegen, wobei unsere Modellflieger die Formation anführen würden.»

Dabei sollten alle mithilfe des gleichen Schleppflugzeugs in die Luft gezogen werden. Ein weiterer neuer Aspekt stellte der Steuerplatz der Modellfliegerpiloten dar: «Um die Modellflugzeuge möglichst nah und präzise beieinander fliegen zu lassen, wollten wir sie vom Cockpit der beiden echten Segelflugzeuge aus steuern.» Der 50-Jährige und sein 23-jähriger Sohn würden so je einen Sitzplatz vor den österreichischen Piloten einnehmen.

Zusammenarbeit mit Red Bull

Nach dem Gespräch in Birr widmeten sich die vier Piloten der Ausarbeitung der Idee, um im Oktober 2016 das Ganze erstmals auf einem Flugplatz in Österreich zu testen. «Eine solche Kombination aus Modell- und bemannten Fliegern hat es zuvor noch nie gegeben», sagt Andi Schaerer. «Deshalb mussten wir zuerst überprüfen, ob unsere Idee tatsächlich umsetzbar war.»

Ein anderer Grund für das Testwochenende war die Zusammenarbeit mit Red Bull. Der Leiter einer Badener Werbeagentur ist Teil des Redbull-Athletenteams und hoffte auf deren Unterstützung des Projekts, um dieses mit möglichst gutem Equipment durchführen zu können. Darum bewarben sich die Teams Schaerer und Blanix — das einen Athletenvertrag mit Red Bull Österreich besitzt — und erhielten nach einem erfolgreichen Testwochenende den Zuspruch für deren Unterstützung.

So kam es, dass Andi und Tim Schaerer Mitte Oktober dieses Jahres ein zweites Mal mit ihren Modellfliegern nach Österreich reisten und zum grossen Coup ansetzten: Die vier Piloten flogen mit ihren Segel- und Modellflugzeugen in verschiedenen Formationen und wurden von einem Kamerateam mit Helikopter gefilmt. «Das Gefühl war unglaublich», erinnert sich Tim Schaerer, der ein Master in Online-Marketing und Management hat. «Natürlich war die Anspannung gross, das war auch schon beim Testwochenende so.»

Ein Modellflugzeug aus einem Segelflugzeug heraus zu steuern, stellte für Vater und Sohn eine komplett neue Herausforderung dar. «Wir stehen nicht wie gewohnt am Boden und steuern unsere Modelle, sondern sitzen in einem Flugzeug, das andauernd seine Fluglage verändert», sagt Andi Schaerer. «Die Koordination ist da auf einer ganz anderen Ebene gefordert.» Die Flugeigenschaften eines bemannten Segelflugzeugs mit rund 450 kg Gewicht seien anders als die eines 20 kg schweren Modells. «Vor allem Fluggeschwindigkeiten und Gleitwinkel sind unterschiedlich, deshalb war die Kommunikation zwischen uns und den österreichischen Piloten wichtig.»

Das Projekt ist für Vater und Sohn ein grosser Schritt in ihrer Laufbahn als Modellflugzeugpiloten. Ob sie an Flugshows mit der Vierer-Formation auftreten werden, sei noch nicht klar. «Das Ziel war in erster Linie, die Idee zu realisieren.» Der nächste Schritt sei der Gang an die Öffentlichkeit. In den letzten Tagen haben die vier Piloten und Red Bull das Projekt über soziale Medien wie Instagram und Facebook schrittweise bekanntgemacht. Am Montag wird das Ganze dann mit einem Beitrag beim österreichischen Fernsehsender Servus TV gekrönt.