Wettingen
Vater und Sohn starten durch: Holzbaufirma zügelt von Wettingen nach Würenlos

Die Fleischmann Holzbau AG braucht mehr Platz. Sie zügelt deshalb von Wettingen nach Würenlos. «Es war immer mein Ziel, in Wettingen zu bleiben, aber das ist einfach nicht mehr möglich», so Otto Fleischmann.

Dieter Minder
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Vater Otto Fleischmann und Sohn Toni sind bereit, um nach Würenlos aufzubrechen.

Vater Otto Fleischmann und Sohn Toni sind bereit, um nach Würenlos aufzubrechen.

Dieter Minder

Das Wohnhaus an der Dorfstrasse 20 in Wettingen ist eines der geschichtsträchtigeren im Dorf. Es war einst der Weinkeller der Weinbaugenossenschaft, Gründungsort der Jägermusik Wettingen und das Flugzeug des Aviatikers Sepp Schmid wurde 1927 hier gebaut.

Der ehemalige Bauernhof wurde später zur Zimmerei Infanger umgebaut. 1952 kaufte Otto Fleischmann Senior die Liegenschaft. Unter seiner Leitung und seit 1992 geführt von Sohn Otto, ist daraus die Fleischmann Holzbau AG mit rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geworden.

Mit Toni Fleischmann wird bald die dritte Generation für unternehmerische Kontinuität Einzug halten. Toni Fleischmann, gelernter Zimmermann mit Ingenieurstudium in Bauprozessmanagement FH und Holzbautechniker HF Holzbau Biel, hatte die letzten Jahre im Immobilienbereich des Bundes gearbeitet. Jetzt ist er in den Familienbetrieb zurückgekehrt: «Ich bin bereit, das Geschäft weiter zu führen.»

Kein Platz in Wettingen

Dies war der Grund, sich nach einer neuen Betriebsstätte umzusehen. «Es war immer mein Ziel, in Wettingen zu bleiben, aber das ist einfach nicht möglich», sagt ein leicht enttäuschter Otto Fleischmann um gleich wieder in den für ihn typischen Optimismus zu wechseln: «In Würenlos haben wir eine ideale Halle gefunden, die wir nun für unsere Bedürfnisse umbauen.»

Auch Sohn Toni findet: «Es ist schade, dass wir nicht in Wettingen bleiben können, aber hier fehlt einfach das passende Areal für Gewerbebetriebe.» Eine Zukunft sah er in den alten, engen Räumen an der Dorfstrasse nicht mehr.

Arbeit hat sich stark verändert

Nachdem der familiäre Entscheid gefallen war, machten Vater und Sohn sich intensiv auf die Suche nach einem neuen Betriebsareal. «Das Gewerbe braucht günstiges Land, um wirtschaftlicher arbeiten zu können», sagt Otto Fleischmann.

Die Arbeit des Holzbauers habe sich stark verändert. Als er noch zur Lehre ging, wurde Rohware verarbeitet. «Heute kaufen wir das Material als Halbfabrikate, die wir veredeln.» Daraus entstehen Hauselemente, Dachstühle, Treppen, Zimmerwände, Holzböden oder ganze Gebäude. Bereits 2003 hat Fleischmann Holzbau das erste Minergie-Einfamilienhaus der Gemeinde Wettingen erstellt.

Die Bemühungen, in Wettingen etwas zu finden, verliefen im Sand. Weiter entfernte Gemeinden kamen für sie nicht infrage. Beim Bahnhof Würenlos wurden sie fündig.

Für den Ort haben sie sich entschieden, weil er nicht allzufern von Wettingen liegt und, so Otto Fleischmann: «Wir wurden von der Gemeinde sehr gut empfangen.»

Im nächsten Jahr wird die Halle ausgebaut und um einen Bürotrakt erweitert. Rund drei Millionen Franken investieren sie. «Am neuen Ort können wir effizienter werden und uns im modernen Holzbau weiterentwickeln», sagt Toni Fleischmann.

Im Endausbau wird die Halle rund 45 Meter lang, 16 Meter breit und 9 Meter hoch sein. Dazu kommt ein neuer Bürotrakt, eine reine Holzkonstruktion. Was mit den alten Gebäuden an der Dorfstrasse in Wettingen passiert, können sie noch nicht sagen. Letztlich dürften sie, wie viele andere ehemalige Bauernhöfe im Dorf, zu Wohnhäusern werden.