Baden

«Velo-Schnellstrasse»: SVP-Einwohnerrat will Fahrverbot für die Weite Gasse prüfen

Nicht alle fahren Schritttempo: Die Weite Gasse hat als Begegnungszone ein Tempolimit von 20 km/h.

Diesen Sommer habe sich gezeigt, dass in der Badener Weiten Gasse eine erhöhte Gefahr durch Velofahrer bestehe. Einwohnerrat Daniel Glanzmann sieht die Sicherheit von Fussgängern gefährdet.

In zwei Monaten ist es so weit: Mit der Umstellung auf den öV-Fahrplan 2020 wird die Weite Gasse in Baden am 15. Dezember vom Busverkehr befreit. Danach soll sie wieder zu dem werden, was sie seit Jahrhunderten war: zur Badener Haupt- und Marktgasse, die zum Flanieren, zum Einkehren und Einkaufen einlädt.

Daniel Glanzmann, Fraktionspräsident der SVP im Einwohnerrat, hat allerdings grosse Bedenken, ob die Weite Gasse tatsächlich so fussgängerfreundlich wird, wie sie sein soll. Er hat Ende September ein dringliches Postulat an den Stadtrat eingereicht. Es trägt den Titel «Verlangsamung des Fahrradverkehrs in der Weiten Gasse».

Glanzmann schreibt in seinem Postulat: «Diesen Sommer wurde von verschiedener Seite beobachtet, dass die Weite Gasse von vielen Radfahrer/-innen als Schnellstrasse benutzt wird und durch diese Situation eine erhöhte Gefahr für die Verkehrsteilnehmer besteht.»

Gerade in den frühen Morgenstunden führe dies zu gefährlichen Situationen zwischen Radfahrern und Anlieferern der Läden und Restaurants. Tagsüber seien vor allem Kinder und ältere Fussgängerinnen und Fussgänger durch die (zu) schnell fahrenden Velos bedroht. Am Abend seien die Gäste und die Mitarbeitenden der Gastrobetriebe gefährdet.

Gibt es bald einen Veloblitzer in der Innenstadt?

Glanzmann fordert vom Stadtrat, dass dieser abkläre, wie die Begegnungszone in der Weiten Gasse besser zu markieren sei. Ergänzend sei eine Höchstgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern zu prüfen. «Es ist aufzuzeigen, wie Tempoüberschreitungen von Velofahrenden von der Stadtpolizei geahndet werden können», schreibt Glanzmann. Und er stellt die Frage nach möglichen Disziplinierungen.

«Da solche Massnahmen auch für den ‹Blinddarm› Sinn machen könnten – auf dieser Strecke sind Radfahrende oft mit Geschwindigkeiten über 20 km/h unterwegs –, soll zusätzlich zur Weiten Gasse geprüft werden, ob die verkehrsberuhigenden Massnahmen von der Cordulapassage bis zur Velostation umgesetzt werden könnten», heisst es im Postulat.

Glanzmann geht noch weiter: Es sei zu prüfen, «welche Vor- und Nachteile ein Fahrradverbot für das Gewerbe, die Anwohner und die Passanten der Weiten Gasse hätte».
Und was sagt der Stadtrat dazu? Laut Stadtammann Markus Schneider (CVP) wird der Rat Glanzmanns dringliches Postulat in seiner Sitzung am kommenden Montag behandeln. Er könne deshalb noch nichts zur Haltung des Stadtrats sagen, sagt Schneider. «Ich persönlich habe Verständnis für das Anliegen. Gerade in den Morgenstunden fahren viele Velofahrer zügig durch die Weite Gasse.»

Tagsüber und abends erlebe er aber meistens viel Rücksichtnahme. Er glaube deshalb auch nicht, dass man eine Temporeduktion einführen sollte. «Ich könnte mir gut vorstellen, auf dem Boden blaue Punkte mit dem Hinweis auf gegenseitige Rücksicht wie schon in der Cordulapassage anzubringen.»

Auch das müsse aber noch geprüft werden. Wenn die Weite Gasse im Dezember busfrei wird, könne man zudem noch besser beurteilen, wie sich die Lage einspielt. Der Stadtrat wird seine offizielle Antwort auf Glanzmanns Postulat an der Einwohnerratssitzung Ende Oktober vorlegen.

Die Dringlichkeit seines Postulats begründet Glanzmann mit der akuten Unfallgefahr für die Passanten in der Weiten Gasse. Er schreibt auch, eine Nachfrage bei Anwohnern und Ladenbesitzern habe die Beobachtungen von zu schnell fahrenden Velofahrern «unisono bestätigt»

Des Weiteren fühle sich das Gewerbe in der Weiten Gasse gegenüber der Badstrasse benachteiligt. In der anderen Badener Einkaufsmeile besteht nämlich – ausserhalb der Anlieferungszeiten – ein generelles Fahrverbot, das auch für Velos gilt.

«Blinddarm» als Engpass für Fussgänger

Glanzmann spricht mit seinem Postulat auch einen Punkt an, der ab Mitte Dezember für neue Reibungsfläche sorgen könnte: Zurzeit fährt als letzter Bus die Linie 5 der RVBW durch die Weite Gasse. Alle anderen Busse und Postautos, die bis zum Mai noch durch die Gasse verkehrten, fahren mittlerweile durch den Bustunnel.

Die Linie 5 wird aber ab Dezember vom Bahnhof Ost über den Schlossbergplatz und durch den «Blinddarm» ins Gstühl geführt. Dann wird es in der oft dunklen Unterführung (sie erhält derzeit eine neue Beleuchtung) noch etwas enger.  

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