Baden
«Velofrüehlig Baden» – Zur Velostadt fehlt noch einiges

Der «Velofrühling Baden» soll an diesem Wochenende die Menschen über das Zweirad aufklären. Experten zeigen dann, wie Velofahrer am sichersten unterwegs sind.

Nicola Imfeld
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Baden könnte eine Velostadt sein, ist es aber noch nicht.

Baden könnte eine Velostadt sein, ist es aber noch nicht.

Walter Schwager

«Dieser Velofrühling versetzt eine ganze Stadt ins Staunen.» So lautet der Werbe-Slogan des Badener Velofrühlings. Am Wochenende steht die Innenstadt ganz im Zeichen des Velos. Doch ist die Stadt Baden wirklich so velofreundlich, wie sie sich am Samstag und Sonntag präsentieren wird?

Wenn es nach Pro Velo Schweiz geht, die sich für die Interessen der Velofahrenden in der Schweiz einsetzt, muss die Frage klar mit «Nein» beantwortet werden. In der letzten Umfrage landete Baden mit der ungenügenden Note 3,6 auf dem zweitletzten Platz der Schweizer Kleinstädte. Bemängelt wurden Sicherheit, Komfort und Stellenwert.

«Der Alltags- und Freizeitverkehr in der Region soll stark gefördert werden», war das Ziel des Velokonzepts im Jahr 2013. Ein Hohn, wie Hubert Kirrmann, Präsident von Pro Velo Region Baden, heute feststellt: «Ausser der Velostation und der Verbindung nach Wettingen ist nichts passiert», sagt er. Auf den Flussrouten entlang der Limmat, die laut Konzept für den Veloverkehr ein sehr grosses Potenzial haben, ist nichts passiert. «Wir hören immer die gleichen Ausreden», klagt Kirrmann. Baden könne momentan wegen des Ausbaus des Schulhauses kein Geld zur Verfügung stellen, heisse es. Der rot-grünen Mehrheit im Stadthaus fehle der Mut: «Wenn sie Geld bewilligen würden, kämen sie politisch unter Beschuss», meint Kirrmann.

Am meisten beschäftigt die Velofahrer das Thema Sicherheit. Es gebe zu viele Gefahrenorte. Eine Badenerin verglich das Velofahren im städtischen Autoverkehr sogar mit russischem Roulette. Kirrmann simmt zu: «Der Zustand ist auf der unteren Mellingerstrasse unhaltbar. Wir versuchen schon lange, die Sicherheit zu verbessern, finden aber kein Gehör.» Diese Strecke liege in der Verantwortung des Kantons, sagt Kirrmann.

Die Sicherheit alleine auf die Stadt und Kanton abzuschieben, will Marco Wieser, Veranstalter des Velofrühlings Baden und Betreiber der neuen Velostation, nicht gelten lassen: «Ich fühle mich sicher auf den Strassen. Viele Menschen fahren unsicher Velo, so kann es vorkommen, dass sie von einem Auto abgedrängt werden», sagt er. Er will während des Wochenendes Abhilfe schaffen. Im Rahmen der Ausstellung bietet der Velofrühling Kurse an, um das Fahrverhalten zu verbessern.

Die Experten zeigen den Teilnehmern, wie sie Baden am sichersten durchqueren können. Um das Fahrverhalten langfristig zu verbessern, müsse man bei den ganz Jungen ansetzen. Wieser fordert: «Die Veloprüfung muss schon in der ersten Klasse absolviert werden, mit zehn Jahren kann es bereits zu spät sein.» Der «Velofrühling Baden» soll also nicht über die Gesamtsituation hinwegtäuschen. Baden hat noch einen langen Weg bis zur Velostadt vor sich.

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