Rund 50 Millionen Franken will der Kanton Aargau bis im Jahr 2040 alleine in der Region Baden in bessere Velowege investieren. Erstellt werden soll unter anderem eine Velovorzugsroute von Neuenhof via Wettingen, Baden und das Siggenthalerfeld nach Turgi und schliesslich bis nach Brugg (siehe Karte).

Gemäss einem Dokument des Departements Bau, Verkehr und Umwelt zur Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase) von vergangenem September wird diese Velovorzugsroute einen hohen Standard bezüglich Sicherheit und Komfort aufweisen, wobei sie so gestaltet werden soll, dass die Velofahrer weitgehend vortrittsberechtigt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern sind. Viele Abschnitte der Route sollen auf dem bestehenden Netz zu stehen kommen, wobei es allerdings notwendig sein wird, dass kurze Eigentrassierungen erstellt werden.

Bei der Velolobby in Baden hält sich die Begeisterung trotz grosser Investitionen in Grenzen. Hubert Kirrmann, Präsident von Pro Velo Region Baden, sagt: «Wir befürworten Velovorzugsrouten beziehungsweise Velobahnen und sind erfreut, dass der Kanton diesbezüglich offenbar Pläne hat.» Dass man mit dem Velo schneller und vor allem sicherer als bisher in die Nachbargemeinden gelangen kann, sei sehr wichtig. «Doch wir haben einige Fragezeichen: Ohne Details zu kennen, gehen wir aufgrund der geografischen Gegebenheiten davon aus, dass die Route über die Bruggerstrasse führen wird. Keine Strasse im Kanton wird mehr von Autos befahren, und wir fragen uns, wie die Route für Velos hier sicherer gemacht werden kann.» Dasselbe Problem stelle sich auf der Mellingerstrasse vor dem Schulhausplatz – und wie schon oft erklärt, sei die Situation für Velofahrer beim Schulhausplatz selber alles andere als komfortabel.»

Dringendere Probleme vorhanden

Weiterer Kritikpunkt: «Eigentlich gäbe es aus Sicht der Velofahrerinnen und Velofahrer in und um Baden dringendere Probleme als die Velovorzugsroute», so Hubert Kirrmann. «Wichtig ist uns in erster Linie, dass die Pendler, Schüler und Einkäufer schnell und sicher zum Bahnhof, zur Schule, zum Stadtzentrum gelangen.» Die Stadt sei nicht gerade velofreundlich, es bräuchte beispielsweise dringend mehr Abstellplätze beim Bahnhof. «Das grundsätzliche Problem bei der Velopolitik ist aus unserer Sicht, dass wir in der Planung wenig zu sagen haben, so bei der Neugestaltung beim Schulhausplatz.» Beim Verkehrsprojekt Oase gehe es dem Kanton Aargau primär um den Ausbau der Strassen für den motorisierten Individualverkehr, kritisiert Hubert Kirrmann. «Wir befürchten, dass der Bau der Velovorzugsrouten bloss eine Art Zückerchen sein könnte, um die Velolobby ruhigzustellen. Doch uns ist es wichtig, dass das Geld dort eingesetzt ist, wo es die Velofahrer auch wirklich brauchen.»

Der Kanton widerspricht dieser Darstellung: «Kern der Oase ist die Stärkung von Veloverkehr und öffentlichem Verkehr vor allem in den städtischen Räumen, mit dem ein Grossteil des Verkehrswachstums aufgenommen werden soll», sagt Giovanni Leardini, Sprecher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. «Mit den geplanten Entlastungsstrassen wird in den Zentren Platz für den Ausbau eines attraktiven öV- und Velo-Angebots geschaffen.» Bei der Oase handle es sich – gemäss der neuen kantonalen Mobilitätsstrategie – im Gegenteil zu Kirrmanns Aussage um ein regionales Gesamtverkehrskonzept mit einer Kombination von aufeinander abgestimmten Massnahmen für den motorisierten Individualverkehr, den öffentlichen Verkehr sowie den Fuss- und Veloverkehr.

Brugg und Baden besser verbunden

Etwas mehr Zufriedenheit als in der Region Baden lösen die Pläne für eine Velovorzugsroute in Brugg aus. Hörby Künzi, Präsident von Pro Velo der Region Brugg-Windisch, erklärt: «Brugg ist bereits recht gut in Richtung Aarau verbunden, mit Baden hingegen nicht. Zwischen Turgi und Baden fehlt heute eine attraktive, sichere und vor allem schnelle Veloverbindung.» Insbesondere für die Alltagsradfahrer wäre eine direkte Routenwahl ohne die zusätzlichen Höhenmeter über Nussbaumen wichtig. «Ich hoffe, dass der Kanton sein Ziel ernst nimmt, den Veloanteil am Gesamtverkehr zu steigern, und dass er die dazu benötigte Infrastruktur bereitstellt», sagt Pro-Velo-Präsident Hörby Künzi.