Nach der hitzigen Budgetdebatte überwies der Badener Einwohnerrat diese Woche unter anderem das Postulat von Beatrice Schilling (Grüne) zur Öffnung der Busrampe am Bahnhof für den Veloverkehr. Der Rat stimmte trotz deutlicher Kritik im Vorfeld (AZ vom 11. 10.) mit 23 Ja zu 19 Nein für die Öffnung. Das war nur möglich, weil sich am Mittwoch fünf bürgerliche Einwohnerräte von der Sitzung entschuldigt hatten.

Damit stimmte der Rat ganz im Sinne des Stadtrats. Stadtammann Geri Müller sagt: «Der Stadtrat ist jetzt dabei, das Projekt vorzubereiten. Der Einwohnerrat hat so entschieden, obwohl grosser Druck da war, die Rampe nicht für Velos zu öffnen.»

Konkret heisst das: Das Geländer muss erhöht und die Signalisation geändert werden. Die Aufträge müssen öffentlich ausgeschrieben werden, es kann Einspruch erhoben werden dagegen.

Beatrice Schilling, Präsidentin der Grünen Baden, freut sich über den Entscheid des Einwohnerrats. «Es ist ja noch nicht ganz ausgestanden, aber wir freuen uns über jedes kleine Puzzleteil für den Veloverkehr. Nachdem der Stadtrat befunden hat, die Öffnung der Rampe für Velos sei möglich, gibt es keinen Grund mehr für uns, das nicht zu tun», sagt Schilling.

In Baden gehe es velopolitisch leider nur im Schritttempo vorwärts. Dass eine Änderung Widerstand hervorrufen könne, sei nachvollziehbar, sagt Schilling. Der Platz in der Stadt sei knapp und müsse darum schlau genutzt werden. Schilling schlägt deshalb vor, dass man nach einer gewissen Zeit nach der Öffnung die Erfahrungen zusammentrage und nochmals alle Beteiligten zu Wort kommen lasse.

Einsprachen geplant

Die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) und auch Postauto werden Einsprache gegen die Änderungen erheben. RVBW-Direktor Stefan Kalt ärgert sich: «Wir sind immer noch ganz klar der Meinung, dass dies nicht geht. Das ist ein Schildbürgerstreich par excellence.»

«Der Zeitpunkt des Vorhabens ist sehr fragwürdig.»

Stefan Kalt Direktor der RVBW

«Der Zeitpunkt des Vorhabens ist sehr fragwürdig.»

Es könne nicht sein, dass man jahrelang gesagt habe, eine Öffnung der Rampe für den Veloverkehr sei nicht möglich, und jetzt solle es mit einer Verschiebung der Signalisation und Tempo 20 plötzlich doch gehen. Die Sicherheit spreche dagegen: «Beim Einbiegen der Velos auf die Rampe, vor den ausfahrenden Bussen an der Haltestelle Stein, könnten sehr gefährliche Situationen entstehen», sagt Kalt. Schuld wären dann bei einem Unfall die Buschauffeure. «Das kann ich meinen Mitarbeitern nicht zumuten.» Jeder Unfall sei einer zu viel, sagt Kalt.

An der Haltestelle Stein würden oft drei Busse hintereinanderstehen, Rechtsabbiegen sei hier für Velos fast nicht möglich. Die Busse und Postautos müssten zudem einen engen Taktfahrplan einhalten, oft komme es auf Sekunden an. Die Leidtragenden seien die Fahrgäste, die dann einen Anschluss verpassen. Ausserdem sei der Zeitpunkt des Vorhabens sehr fragwürdig, sagt Kalt. Wenn der Schulhausplatz nächstes Jahr fertig sei, kämen die Velofahrer wieder auf direktem Weg durch die Tunnelgarage zum Bahnhof. Über die Busrampe fahren heute fast doppelt so viele Busse wie noch 2001, als sie gebaut wurde. Für Kalt gäbe es deshalb nur eine Lösung: «Es müsste eine zusätzliche Velorampe gebaut werden. Aber das will kaum jemand, weil es zuviel kostet.»