Baden
Velostation beim Bahnhof: Auslastung liegt unter den Erwartungen

Im ersten Jahr waren die 177 kostenpflichtigen Abstellplätze nur zu rund einem Drittel besetzt.

Pirmin Kramer
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Die Stahlkonstruktion für Veloparkplätze beim Bahnhof kostete 830000 Franken. PKR

Die Stahlkonstruktion für Veloparkplätze beim Bahnhof kostete 830000 Franken. PKR

Pirmin Kramer

Heute vor einem Jahr ist die provisorische Velostation beim Badener Bahnhof eingeweiht worden. Am Stahlgebäude, das 177 Fahrrädern Platz und Schutz bietet, scheiden sich die politischen Geister wie an kaum einem zweiten Bauwerk in der Stadt.

Es wurde in der laufenden Legislatur zum Spielball der linken und rechten Einwohnerratshälfte. Das zeigte sich ein erstes Mal im März 2014 bei der Abstimmung im Stadtparlament zum 830 000-Franken-Kredit, bei der sich die Befürworter mit knapper Mehrheit durchsetzten.

Die in erster Linie bürgerlichen Gegner im Rat schafften es wenige Monate später – ebenfalls mit knapper Mehrheit –, das Projekt zu stutzen: Das Betreuungspersonal für die Velostation wurde aus dem Budget gestrichen.

Es handle sich um die teuersten Veloständer der Schweiz, das Bauwerk sei ein Sinnbild für den wenig sparsamen Umgang der Stadt mit Steuergeldern. Ihre Kritik wurde nicht leiser, als in den ersten Wochen nach der Eröffnung die meisten Abstellplätze leer blieben.

Wie sehen nun die Zahlen für die ersten zwölf Monate aus? Nicht so gut, wie sich die Befürworter erhofften, aber auch nicht so schlecht, wie von vielen Gegnern prophezeit.

Beatrice Meyer, als Leiterin von Badenmobil mit der strategischen Führung der Velostation betreut: «Bis heute haben wir einen Drittel der Abstellplätze als Jahresabos verkaufen können. Das liegt etwas unter unseren Erwartungen.» Bei schönem Wetter kämen noch rund 20 Velos pro Tag zusätzlich dazu, für die eine Tageskarte gelöst werde.

«Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass es einige Zeit dauert, bis eine volle Auslastung erreicht wird.» Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass unbewachte Velostationen eine längere Anlaufzeit benötigen als bewachte, erklärt Beatrice Meyer.

Mit besseren Zahlen rechnete auch Hubert Kirrmann, Präsident von Pro Velo Baden. Er wagte die Prognose, dass die Velostation 2016 zu rund zwei Dritteln besetzt sein würde. «Ich bin zwar überzeugt, dass sich die Velostation in den kommenden Monaten weiter füllen wird, aber das erste Betriebsjahr hat Schwächen des Projekts aufgezeigt: Die Station steht auf der falschen Seite des Bahnhofs, weit weg von Gleis 1, wo der Zug nach Zürich abfährt.»

Die Mehrheit der Pendler treffe so knapp wie möglich vor Ankunft des Zuges beim Bahnhof ein, ihnen fehle die Zeit, das Fahrrad in der Station abzustellen und danach zum Gleis zu laufen.

In den vergangenen Jahren hätten sich die Behörden in der Stadt Baden und Umgebung zwar sichtbar für die Velofahrer eingesetzt, sagt Hubert Kirrmann. Doch bei den Projekten werde oftmals zu sehr mit der grossen Kelle angerührt, anstatt simple Lösungen zu finden.

«Es wird Perfektion angestrebt, es gibt diverse Vorschriften, alle wollen an den Veloprojekten verdienen. Das treibt die Kosten in die Höhe und führt zu fragwürdigen Lösungen.»

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