Baden/Wettingen

Veloweg: Zwischen Bürgerlichen tut sich ein Limmat-Graben auf

Der jetzige Weg über die Limmat bei der unteren SBB-Brücke soll von 1,7 auf 2,5 Meter verbreitert werden. (Archiv)

Der jetzige Weg über die Limmat bei der unteren SBB-Brücke soll von 1,7 auf 2,5 Meter verbreitert werden. (Archiv)

Der Veloweg über die untere Limmatbrücke wird eine Million teurer als geplant. Badens Bürgerliche spielen beim Zusatzkredit das Zünglein an der Waage. Es zeichnet sich Widerstand für die Abstimmung vom 24. März ab.

In wenigen Tagen entscheiden die beiden Einwohnerräte in Baden und Wettingen über die Zusatzkredite für den geplanten Veloweg über die untere SBB-Limmatbrücke. Rund eine Million Franken zusätzlich kostet die Sanierung und Verbreiterung. Statt 3,07 Millionen kostet das Gemeinschaftsprojekt neu 4,02 Millionen Franken. Lehnt eine der beiden Gemeinden den Zusatzkredit ab, fällt der Veloweg buchstäblich in die Limmat. Eine Umfrage unter den bürgerlichen Parteien zeigt, dass sich zwischen den beiden Gemeinden ein Graben öffnet.

Die Wettinger Einwohnerräte müssen am 12. März zusätzliche 540'000 Franken zu den bereits gesprochenen 1,12 Millionen Franken genehmigen. Die Parteien haben sich intern bereits abgesprochen. Alle drei Parteien werden sich hinter den Veloweg stellen. CVP-Fraktionspräsident Thomas Benz sagt: «Die Brücke ist eine wichtige Achse für den Langsamverkehr.» Unschön sei natürlich, dass die Brücke plötzlich so viel mehr koste.

«Deswegen sollen aber nicht die Velofahrer bestraft werden. Benz hofft, dass auch Baden Ja sagen wird, wenn Wettingen Ja sagt. «Der Weg ist prädestiniert als Veloweg und die Region wächst. Heute schon benutzen viele Wettinger und Badener den Weg.» Auch bei der SVP herrscht Einigkeit. SVP-Fraktionspräsident Daniel Frautschi sagt, beim Fussweg über die Brücke handle es sich auch um einen Wander- und Industriekulturweg.

Zudem sei der Weg ein grosser Mehrwert für das künftige Bahnhofsareal von Wettingen, das dereinst auch für Familien eine attraktive Wohnsiedlung sein soll. «Nicht nur Velos, auch Familien mit Kinderwagen sollten sich kreuzen können.» Frautschi wirft ein weiteres Argument in die Waagschale: «Wenn wir den Weg nur sanieren, sparen wir lediglich 125'000 Franken, ohne einen wirklichen Mehrwert zu haben.» Denn bei einer Sanierung ohne Verbreiterung auf 2,5 Meter gäbe es keine Gelder vom Bund.»

Martin Egloff, FDP-Fraktionspräsident, bestätigt ein «Go» der FDP. Trotzdem sei es ärgerlich, dass der Veloweg jetzt teurer werde und sich zeitlich mit der Sanierung des Schulhausplatzes überschneide. Egloff rechnet vor: «Eine halbe Million Franken ist für Wettingen viel Geld. Das entspricht gut einem Steuerprozent unserer Gemeinde. Zudem sei die finanzielle Lage der Gemeinde suboptimal. Egloff hofft dennoch, dass Wettingen nach der Einwohnerratssitzung ein positives Zeichen nach Baden schicken wird. «Ein Nein sowohl von Wettingen als auch von Baden wäre eine verpasste Chance.»

Kritische Badener Stimmen

Ganz anders klingen die Bürgerlichen in Baden. Hier stimmt der Einwohnerrat am 24. März über einen Zusatzkredit von 420'000 Franken ab. Die internen Besprechungen des Kredits haben zwar noch nicht stattgefunden. Dennoch ist eine deutlich kritische Haltung zu spüren. Conrad Munz, FDP-Fraktionspräsident, benutzt den Weg selber mehrmals pro Woche. «Es ist wirklich ein sehr effizienter Weg für Fussgänger und Velofahrer, und mein Herz schlägt für den Weg.»

Munz relativiert, «aber nicht um jeden Preis». Man werde in der Fraktionssitzung das Projekt mit den Mehrkosten genau prüfen. Für uns stellt sich die Frage, ob angesichts der finanziellen Brocken, die Baden zu stemmen hat, der Veloweg wirklich nötig ist.» Die Velofahrer könnten schliesslich auch auf die Zürcherstrasse oder die Hochbrücke ausweichen, sagt Munz. Er rechnet mit Stimmen gegen den Kredit. Deutliche Worte findet Einwohnerrats-Vizepräsidentin und SVP-Mitglied Stefanie Heimgartner: «Für mich ist das Projekt ein Verhältnisblödsinn.»

Sie werde den Zusatzkredit ablehnen. «Ich habe mit Leuten gesprochen, die die Brücke oft benutzen. «Sie haben mir bestätigt, dass höchst selten zwei Velos gleichzeitig auf der Brücke fahren, und die Velofahrer können auch absteigen und das Velo stossen.» Heimgartner ist sicher, dass die SVP sich kritisch äussern werde, «so wie wir es bei der ersten Vorlage getan haben».

CVP-Fraktionspräsident Reto Huber: «Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich den Zusatzkredit annehmen werde.» Für ihn stellt sich die Kosten-Nutzen-Frage: «Wir haben jetzt ein Vier-Millionen-Projekt für ein paar Velofahrer. Mit diesem Geld könnte man sehr viel mehr Velofahrer auf dem Schulhausplatz glücklicher machen. Auch er verweist auf die angespannte Finanzlage der Stadt.

«Beides sind für mich potenzielle Killer-Faktoren für das Projekt.» Dass nur eine Offerte eintraf, findet Huber bedenklich, «denn es spiegelt die momentane Marktsituation wider, in welcher der Markt nicht spielt. Wenn wir das Projekt jetzt realisieren, kostet es eine Million Franken mehr, für diese Kosten muss die öffentliche Hand zahlen, also der Bund und die Stadt Baden.»

Huber hält fest: «Wir haben den Zusatzkredit in der Fraktion noch nicht besprochen, es wird aber sicher sehr kritische Stimmen geben.»

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