Dass die Stadt Baden rund 2000 Privaten die «@baden»-Mailadresse wegnehmen will, gibt zu reden. Nicht nur am Stammtisch, sondern seit Mittwochabend auch in der Politik: Im Einwohnerrat wurde ein Postulat eingereicht, damit der Stadtrat noch einmal prüft, ob die Massnahme wirklich sinnvoll ist. Man müsse etwas machen, sagt auch Stadtammann Geri Müller.

Die 1950 Nutzer der Mailadressen stören sich daran, dass sie lediglich bis Ende März Zeit haben, um sich einen neuen Mailprovider samt neuer Mailadresse zu suchen und alle Daten zu transferieren. Ein Blick in die «Nutzungsbedingungen Freemail», die auf der Stadtwebsite zu finden sind, zeigt aber: Die Stadt ist grosszügig.

«Die Stadt Baden kann den Vertrag nach einer 10 Tage im Voraus via E-Mail gemachten Anzeige jederzeit kündigen», heisst es da. Wenn der Kunde gegen vertragliche Bedingungen verstösst «oder Dienstleistungen zu rechtswidrigen Zwecken missbraucht», ist gar eine fristlose Kündigung möglich.

Missbrauch der Adressen ist einer der Gründe, welche die Stadt Baden als Grund für die Account-Löschungen angibt: «Es ist leider vorgekommen, dass die «@baden.ch»-Adresse missbraucht wurde, um sich auf problematischen Websites zu registrieren», sagt Daniel Stoeri, Leiter Informatik. Um welche Webseiten es sich handelt, führt Stoeri nicht aus.

Wer glaubt, nach den immerhin rund zehn Jahren Nutzungsdauer einen gewissen Anspruch auf seine «@baden»-Adresse zu haben, irrt. In den Nutzungsbedingungen steht deutlich: «Alle Rechte im Zusammenhang mit den Freemail-Adressen stehen der Stadt Baden zu und werden durch die Einrichtung des Freemail-Accounts in keiner Weise auf den Kunden übertragen.» (nro)