Baden
Verein Ludothek Baden wird von der Stadtbibliothek geschluckt

Nach 24 Jahren hat die ehrenamtlich geführte Ludothek am Samstag ihre Türen geschlossen. Sie wird nun aber in die Badener Stadtbibliothek integriert, die dafür bis April umgebaut wird und auf Selbstbedienungsautomaten umstellt.

Elia Diehl
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Bald gibt es in der Stadtbibliothek Selbstbedienungsautomaten, an der auch Spielwaren aus der integrierten Ludothek ausgeliehen werden können.

Bald gibt es in der Stadtbibliothek Selbstbedienungsautomaten, an der auch Spielwaren aus der integrierten Ludothek ausgeliehen werden können.

Elia Diehl

Anfang Mai 1991 hatte eine Gruppe engagierter Badener Frauen in Eigenregie im Kornhaus eine Ludothek eröffnet. Nach dem Umzug 1998 ins «Klösterli» an der Mellingerstrasse stellte die Stadt 2009 dem Verein «Ludothek Baden» einen Raum in der Stadtbibliothek zur Verfügung. Man zügelte mit rund 2000 Spielen und Spielsachen in den ehemaligen Lesesaal. Vergangenen Samstag – nach fast 24 Jahren – hat diese ehrenamtlich geführte Ludothek für immer ihre Türen geschlossen; der Verein wird aufgelöst.

Das Ende bedeutet dies aber nicht: Das Leihmaterial wird grösstenteils in die Stadtbibliothek Baden integriert, die dafür bis Anfang April umgebaut wird.

Ein Kind muss lesen und spielen

«Unser Kinderbereich nimmt dann doppelt so viel Platz ein», sagt Bibliothekarin Charlotte Frauchiger, «denn die Kinder sind eine unserer wichtigsten Kundengruppen.» Die Integration der Ludothek war letztlich nur eine Frage der Zeit. «Wir haben in der Stadtbibliothek bereits einen gleitenden Übergang zwischen Buch und Spiel», erklärt Frauchiger. «Uns ist vor allem wichtig, dass bei den Kleinsten eine Interaktion stattfindet, in welcher Form auch immer.» Für eine facettenreiche Entwicklung der Kinder seien sowohl Bücher als auch Spiele zentrale Bestandteile.

Dabei hält man es mit der bedeutsamen Aussage des deutschen Sozialpädagogen Armin Krenz: Das Spiel ist der Beruf jedes Kindes. «Wir sind dann vermutlich die erste Bibliothek in der Schweiz, die auch Spielwaren für draussen, wie beispielsweise einen Traktor oder diverse Ballspiele, anbietet», sagt Frauchiger.

Umstellung auf Selbstbedienung

Der neue Kinderbereich nimmt den Raum der bisherigen Sachbuch-Abteilung ein, da diese seit Jahren wegen des Internets und anderen Fach-Bibliotheken stetig kleiner wird. «Der Bestand ist zunehmend ineffizient», sagt die Bibliothekarin. Neu konzentriere man sich hier vor allem auf Lifestyle-Themen wie Kochen oder Reisen. Der frei werdende Lesesaal wird zum Jugendraum, der von einer 10.-Schuljahr-Klasse der Kantonalen Schule für Berufsbildung selbst gestaltet und eingerichtet wird.

Per April führt die Stadtbibliothek zudem eine automatisierte Medienausleihe und -Rückgabe ein. «Wie bei Migros und Coop gibt es bei uns Selbstbedienungsautomaten», sagt Frauchiger. Als Folge habe man einerseits mehr Zeit für Beratungen, andererseits biete es den Kunden mehr Diskretion. «Nicht jeder will beispielsweise zeigen, dass er ‹Fifty Shades of Grey› ausleiht», fügt sie lachend an. Die Kosten für die Umstellung belaufen sich auf rund 200 000 Franken, die sich aber relativ schnell amortisieren würden, versichert Frauchiger.

Dass die Ludothek von der Stadtbibliothek geschluckt wurde, hat also auch praktische Gründe. «Die Unterschiede – wie bei den Öffnungszeiten, der Anmeldung oder den Fristen – zwischen der städtischen Bibliothek und der ehrenamtlichen Ludothek werden allmählich zu gross», sagt Frauchiger. Das würde ein kundenfreundliches gemeinsames Angebot verhindern. Das bedeute aber nicht, dass der Verein mit seiner Ludothek keine hervorragende Arbeit geleistet habe, betont Frauchiger. Schliessen wird die Stadtbibliothek während Reorganisation und Umbau nicht. «Es wird dann wohl einfach ein bisschen chaotischer», sagt Charlotte Frauchiger, die jedoch auf das Verständnis ihrer Kunden hofft. Offiziell werden Kinderabteilung, Jugendraum und die Selbstbedienungsautomaten am Karsamstag, 4. April, eingeweiht. Dann wird auch Ursula Müller, die den Verein «Ludothek Baden» während der letzten sieben Jahre präsidierte, mit einem kleinen Pensum ihr Wissen mit einbringen.

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