Baden

Verein will Fusionsdebatte in Baden ins Rollen bringen – doch die Euphorie weicht der Ernüchterung

Marco Kaufmann ist Präsident des Verein Traktandum 1.

Marco Kaufmann ist Präsident des Verein Traktandum 1.

Der Verein «Traktandum 1» hält das Ziel einer Annäherung von Baden und Wettingen nicht mehr für realistisch. Nicht zuletzt, weil die Ammänner eine Einladung ausschlugen.

Brugg und Schinznach-Bad vollzogen am Wochenende den Zusammenschluss, Bad Zurzach prüft eine Fusion mit neun Rheintaler Gemeinden, und Aarau fusionierte vor einigen Jahren mit Rohr: Viele Bezirkshauptorte im Aargau beschäftigen sich mit Fusionen.

In Baden jedoch herrscht seit bald einem Jahrzehnt und der gescheiterten Fusion mit Neuenhof Funkstille. Nicht einmal mehr Ennetbaden zeigt Interesse, obschon vor drei Jahren ziemlich konkrete Fusionspläne aufgegleist waren.

Der Verein «Traktandum 1» will die Fusionsdebatte ins Rollen bringen, doch der anfängliche Enthusiasmus der 2015 gegründeten Gruppierung ist inzwischen einem nüchternen Realismus gewichen.

Fast schon sinnbildlich aus Sicht der Mitglieder: Der Verein lud für die Generalversammlung vom Mai auch Badens Stadtammann Markus Schneider und den Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster ein.

Die Idee: Ein öffentliches Gespräch über Zusammenarbeit, wobei es explizit nicht um Fusionen gegangen wäre.

Doch Wettingen liess die Anfrage gänzlich unbeantwortet; das Badener Stadthaus war immerhin so höflich, eine abschlägige Antwort zu erteilen, heisst es vonseiten Traktandum 1. Stadtammann Schneider: «Eine Teilnahme hätte für uns nur Sinn gemacht, wenn auch Wettingen dabei gewesen wäre.» Doch das sei nicht der Fall. Wettingens Ammann war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Einzige Ausnahme in der aktuellen Debatte ist der Gemeindeammann von Turgi. Adrian Schoop (FDP) sagte letzte Woche: «Ich hoffe, dass wir in Zukunft enger mit Baden zusammenarbeiten können. Aus meiner Sicht hätte das für Turgi nur Vorteile.» Er gehe davon aus, dass Turgi eines Tages mit Baden fusionieren werde.

Und er vertritt die Ansicht: «Wir müssen eine grössere Region bilden, um noch stärker auftreten zu können, nicht nur im Kanton, sondern auch gegenüber der Region Zürich.

Darauf angesprochen, erklärt Stadtammann Schneider: «Wir sind immer offen für Gespräche über Zusammenarbeit in geeigneten Formen bis hin zur Fusion mit anderen Gemeinden. Dies selbstverständlich auch mit Turgi.»

Das Thema der Gemeindezusammenarbeit stehe auf der Agenda des Stadtrates und habe hohe Priorität. Bei der Präsentation der Legislaturziele werde sich der Stadtrat erneut dazu äussern.

Marco Kaufmann, Präsident von «Traktandum 1», nimmt die Aussagen von Schoop und Schneider mit Freude zur Kenntnis. «Unser ursprüngliches Ziel war ein grosser Wurf, eine enge Zusammenarbeit vor allem von Baden und Wettingen, die einen gemeinsamen Siedlungsraum bilden.»

Eine Annäherung der beiden Gemeinden in absehbarer Zeit hält der Verein nun aber nicht mehr für realistisch. Darum könne es durchaus Sinn machen, den Prozess für eine geeinte Region mit einer engeren Zusammenarbeit von Turgi und Baden zu starten. «Unser Verein wäre gerne bereit, hierbei Unterstützung zu leisten.»

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