Neuenhof
Vereinsmitglied erhält anonymen Brief: Jugendtheater wird abgesagt

Thierry Engel, Präsident der Jugendbühne, greift zu einer besonderen Massnahme, nachdem ein Mitglied einen Hassbrief erhalten hat.

Martin Rupf
Drucken
Teilen
Nicht nur auf der Bühne fliegen die Fetzen: Szene aus der Produktion Anfang Jahr.

Nicht nur auf der Bühne fliegen die Fetzen: Szene aus der Produktion Anfang Jahr.

Gaby Kost

«Aufgrund eines anonymen Briefes an ein Mitglied der Jugendbühne Neuenhof sagt der Verein seine Aufführungen für nächstes Jahr ab.» Mit diesen Zeilen beginnt ein Artikel, der letzte Woche in der «Limmatwelle» zu lesen war. Laut besagtem Artikel habe der Präsident der Jugendbühne Neuenhof, Thierry Engel, Mitglieder, Gönner und Theaterfreunde am Mittwoch letzter Woche darüber informiert, dass die Vorbereitungen für die Theateraufführungen für das nächste Jahr unterbrochen worden seien. Dies, nachdem vorletzte Woche ein Vereinsmitglied einen anonymen Brief erhalten habe, in dem «in schrecklichen Worten» die Abneigung gegen das Mitglied kundgetan worden sei.

«Wir wissen nicht, von wem der Brief stammt, aufgrund vertraulicher Informationen gehen wir aber davon aus, dass es sich um ein anderes Vereinsmitglied handelt», lässt sich Engel in der «Limmatwelle» zitieren. Er habe deshalb reagiert und die Planungen für nächste Aufführung Anfang 2019 per sofort gestoppt.

Droht gar Vereinsauflösung?

Auf die Frage der AZ, ob diese Massnahme, respektive die Absage der Vorbereitungen nicht eine etwas übertriebene Reaktion darstelle, antworte Engel. «Nein, wir als Vorstand wollen damit ein klares Statement setzen, dass wir ein solches Verhalten in keiner Art und Weise tolerieren.» Man werde die Vorbereitungsarbeiten erst wieder aufnehmen, wenn sich der Absender entschuldigt habe – und zwar persönlich und innerhalb einer Woche.

Die Jugendbühne Neuenhof zählt 50 Mitglieder. «Nach so einem Vorfall ist das gegenseitige Vertrauen empfindlich verletzt und nicht mehr intakt. An eine Realisierung eines Theaterprojekts ist so nicht mehr zu denken», sagt Engel. Mit der Absage habe man die Affäre ganz bewusst öffentlich gemacht. «Die Öffentlichkeit soll Bescheid wissen, was passiert ist, und dass wir so etwas nicht akzeptieren.» Auch wenn man den Absender im Umfeld des Vereins vermute, habe man keine konkrete Person in Verdacht.

Weitere Schritte seien hingegen nicht geplant. Zwar habe der Empfänger des Schreibens der Polizei den Brief vorgelegt. Doch weil der Brief nur «Wünsche» und keine Drohungen enthalte, reiche es nicht für eine Strafanzeige.

Und was passiert, wenn sich der Absender nicht entschuldigt? «Dann finden die Aufführungen definitiv nicht statt.» Thierry Engel zeichnet sogar ein noch düsteres Zukunftsbild: «Es wäre dann sogar denkbar, dass der Fortbestand der Jugendbühne Neuenhof gefährdet wäre.»

Aktuelle Nachrichten