Baden
Vereinsmitgliedschaft ist Streitpunkt bei Wohnungsvergabe

Die Vergabe der neuen Wohnungen im Alterszentrum Kehl wird zum Politikum. Einwohnerrätin Sarah Wiederkehr ist gegen die Bevorzugung von Vereinmitglieder beim Förderverein «das Kehl».

Daniel Vizentini
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Für Eduardo Forgas (l.), Geschäftsführer des Alterszentrums Kehl, muss eine Mitgliedschaft im Förderverein «Das Kehl» einen Vorteil bringen bei der Vergabe der Alterswohnungen. Einwohnerrätin Sarah Wiederkehr (CVP) findet das nicht in Ordnung.

Für Eduardo Forgas (l.), Geschäftsführer des Alterszentrums Kehl, muss eine Mitgliedschaft im Förderverein «Das Kehl» einen Vorteil bringen bei der Vergabe der Alterswohnungen. Einwohnerrätin Sarah Wiederkehr (CVP) findet das nicht in Ordnung.

Zur Verfügung gestellt

Nächsten Monat ist Baubeginn beim Badener Alterszentrum Kehl (AZK): 56 moderne Alterswohnungen werden gebaut als Ersatz für das ehemalige Hochhaus des Alterszentrums.

Die 22 Bewohner, die zuletzt noch im Hochhaus gewohnt haben, haben ihren Platz im neuen Wohnhaus bereits auf sicher. Nun geht es um die Vergabe der 34 restlichen Wohnungen - und vor allem um die Kriterien, die über die Aufnahme der künftigen Bewohner entscheiden sollen.

Vereinsmitgliedschaft «von Vorteil»

Und hier liegt bereits Zündstoff. Auf die schriftliche Anfrage eines Badener Ehepaars nach einer der Wohnungen antwortete der Geschäftsführer des AZK, Eduardo Forgas: «Selbstverständlich ist die Mitgliedschaft im Förderverein ‹Das Kehl› von Vorteil.»

Das Ehepaar zeigte den Antwortbrief ihrer bekannten Einwohnerrätin Sarah Wiederkehr (CVP). Erstaunt darüber schrieb sie eine Anfrage an den Stadtrat: «Erhebliche öffentliche Mittel ermöglichen den Bau. Es ist unhaltbar, dass man sich mit einer Vereinsmitgliedschaft einen Vorteil bei der Wohnungsvergabe erkaufen kann.» Dies, zumal der Förderverein keine Verantwortung im AZK mehr habe. Früher war der Verein noch Träger des Alterszentrums.

Alterszentrum Kehl: 56 neue Wohnungen

2016 soll der Bau der 56 neuen Alterswohnungen im Alterszentrum Kehl (AZK) fertig sein. Kostenfaktor: Rund 38 Millionen Franken. Eine Hälfte davon zahlt die Stadt Baden direkt, die andere Hälfte will sich die AZK Immobilien AG - die der Einwohnergemeine Baden gehört - über Hypotheken erwirtschaften. Entstehen sollen - in zwei Wohnblöcken - 52 Alterswohnungen und 4 Gästezimmer. Vorgesehen sind 1,5-, 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen;; die Monatsmieten werden sich zwischen 1100 und 1700 Franken bewegen. Neben dem Bau neuer Wohnungen ist weiter eine Tiefgarage mit rund 60 Parkplätzen geplant. Im Februar 2012 erkor eine Jury das Projekt «rendez-vous» des Zürcher Büros Bob Gysin und Partner zum Siegerprojekt, welches das heutige Hochhaus ersetzen soll. Mit 90 Prozent Ja-Stimmen stimmte das Badener Stimmvolk am 9. Juni 2013 der Finanzierung des Neubaus zu. (mru)

Sarah Wiederkehr fordert deshalb klare Kriterien für die Wohnungsvergabe. «Ich finde, die Mitgliedschaft darf nicht ausschlaggebend sein. Der Stadtrat soll die Kriterien klar festlegen und offen kommunizieren.» Für AZK-Geschäftsführer Eduardo Forgas ist eine Vereinsmitgliedschaft kein primäres Kriterium. «Aber sie ist sicher von Vorteil.»

Badener haben Vorrang

Die Reihenfolge der Prioritäten sei gemäss Forgas folgende: Zuerst werden die Badener berücksichtigt, danach schaue man die Dringlichkeit des Falles an und erst anschliessend kämen Nicht-Badener für die Alterswohnungen infrage. «Diesen Fall wird aber kaum je eintreten», sagt er. Bereits jetzt habe das AZK dreimal mehr ernsthafte Anfragen von Badenern erhalten, als es Wohnungen gebe.

Doch im Fall dass zwei ebenbürtige Badener Bewerber vor der Vergabe einer Wohnung stehen und nur einer Mitglied ist im Verein, wird dieser bevorzugt. «Mit ihrem Jahresbeitrag setzen sich die Mitglieder für das AZK ein. Dies muss auch irgendwo einen Vorteil bringen», sagt Forgas.

Sarah Wiederkehr überzeugt diese Argumentation nicht. Selbst das Kriterium «Badener» sei für sie schwierig zu definieren. «Was ist, wenn jemand während Jahrzehnten in Baden gewohnt und Steuern bezahlt hat und erst kürzlich in eine Nachbargemeinde gezogen ist? Und gilt im Gegenzug jemand als Badener, der erst gerade zugezogen ist?»

Der Badener Stadtrat wird sich gemäss Stadträtin Regula Dell’Anno-Doppler (SP) am 10. März mit der Anfrage von Sarah Wiederkehr befassen und eine Antwort schreiben.

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