Wettingen
Verfärbtes Wasser: Wird in der Limmat illegal Industrie-Abfall entsorgt?

Hobby-Ruderin Sarah Marti beobachtet seit Monaten Verschmutzungen beim Stausee und auf der Limmat. Sie vermutete, dass es sich um Öl oder Lack handelt. Doch es gibt eine andere Erklärung.

Carla Stampfli
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Sarah Marti, die regelmässig auf der Limmat rudert, beobachtet seit Wochen, dass es an verschiedenen Stellen beim Stausee Wettingen und limmataufwärts Verschmutzungen hat. Sarah Marti, die regelmässig auf der Limmat rudert, beobachtet seit Wochen, dass es an verschiedenen Stellen beim Stausee Wettingen und limmataufwärts Verschmutzungen hat.
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Bis vor kurzem waren die Verfärbungen auch flussaufwärts an verschiedenen Buchten zu sehen. Nun sind sie noch beim Kraftwerk Wettingen beobachtbar. Bis vor kurzem waren die Verfärbungen auch flussaufwärts an verschiedenen Buchten zu sehen. Nun sind sie noch beim Kraftwerk Wettingen beobachtbar.
Verschmutzung auf dem Stausee Wettingen und auf der Limmat
Bis vor kurzem waren die Verfärbungen auch flussaufwärts an verschiedenen Buchten zu sehen. Nun sind sie noch beim Kraftwerk Wettingen beobachtbar. Bis vor kurzem waren die Verfärbungen auch flussaufwärts an verschiedenen Buchten zu sehen. Nun sind sie noch beim Kraftwerk Wettingen beobachtbar.
Beim Stausee Wettingen sind die Verschmutzungen noch sichtbar. Beim Stausee Wettingen sind die Verschmutzungen noch sichtbar.
Die Verschmutzungen blieben nach dem Bootsäubern wie Öl oder Lack am Putzlappen kleben, sagt Hobby-Ruderin, Sarah Marti. Die Verschmutzungen blieben nach dem Bootsäubern wie Öl oder Lack am Putzlappen kleben, sagt Hobby-Ruderin, Sarah Marti.
Sarah Marti meldete die Verfärbungen an verschiedenen Behörden, doch diese griffen nicht sofort ein: Bei der Substanz handelt es sich um eine Burgunderblutalge. Sarah Marti meldete die Verfärbungen an verschiedenen Behörden, doch diese griffen nicht sofort ein: Bei der Substanz handelt es sich um eine Burgunderblutalge.
Gemäss BVU stammen die Algen vom Zürichsee - als Folge des warmen Winters 2015/2016 Gemäss BVU stammen die Algen vom Zürichsee - als Folge des warmen Winters 2015/2016
Gegen die Burgunderblutalge kann der Kanton Aargau nichts tun. Es ist auf einen kalten Winter zu hoffen - die Wassertemperatur sinkt und es kommt zu einer guten Durchmischung. Dies hilft, die Population der Alge zu dezimieren. Gegen die Burgunderblutalge kann der Kanton Aargau nichts tun. Es ist auf einen kalten Winter zu hoffen - die Wassertemperatur sinkt und es kommt zu einer guten Durchmischung. Dies hilft, die Population der Alge zu dezimieren.

Sarah Marti, die regelmässig auf der Limmat rudert, beobachtet seit Wochen, dass es an verschiedenen Stellen beim Stausee Wettingen und limmataufwärts Verschmutzungen hat. Sarah Marti, die regelmässig auf der Limmat rudert, beobachtet seit Wochen, dass es an verschiedenen Stellen beim Stausee Wettingen und limmataufwärts Verschmutzungen hat.

«Hier», sagt Sarah Marti und läuft auf dem Kraftwerk Wettingen auf das rechte Limmatufer zu. Hier könne man die Verschmutzung noch gut beobachten. Tatsächlich: Am Ufer ist eine weinrote Substanz sichtbar.

«Vor nicht allzulanger Zeit waren diese Schlieren auch beim Bootssteg des Ruderklubs Baden, vor dem Ufer der Fischerhütte von Würenlos und in weiteren kleinen Buchten flussaufwärts zu sehen», sagt die Neuenhoferin, die regelmässig mit dem Ruderboot auf der Limmat unterwegs ist und die az auf die Verfärbungen aufmerksam gemacht hat. «Beim Säubern des Bootes bringe ich die Verschmutzung kaum mehr vom Putzlappen weg. Wie Öl oder Lack bleibt sie kleben», sagt die Bezirksschullehrerin. Wie sich das erst im Gefieder von Vögeln und in den Tiermägen auswirken würde?

Kein Öl, sondern Algen

Die Ansammlungen waren Sarah Marti erstmals im Oktober 2016 aufgefallen. Weil sich die Situation einen Monat später nicht geändert hatte, wandte sie sich an die Behörden. Doch die Verschmutzung ist auch heute noch sichtbar – wenn auch nur beim Kraftwerk.

Eine Anfrage beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt erklärt, weshalb. Der Schadendienst der Abteilung Umwelt des BVU habe nach der Meldung durch die Feuerwehr Wettingen Mitte November umgehend vor Ort Proben entnommen, sagt Sprecher Giovanni Leardini. «Es hat sich herausgestellt, dass es sich bei den Verfärbungen des Wassers um Burgunderblutalgen handelt.» So, wie sie auch auf dem Hallwilersee auftreten und zeitweise sichtbar sein würden. «Da diese Alge nicht schädlich ist, mussten keine Sofortmassnahmen ergriffen werden», sagt Leardini

Doch woher stammt die Burgunderblutalge? Nach Rückfragen beim Zürcher Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft Awel sei es sehr wahrscheinlich, dass diese aus dem Zürichsee stammt und durch den Abfluss limmatabwärts gelangt sei, sagt der BVU-Sprecher. «Aufgrund des ausserordentlich warmen Winters 2015/2016 war der Zürichsee nur etwa 50 bis 60 Zentimeter tief durchmischt.» Auf diese Weise seien die Burgunderblutalgen nicht so stark dezimiert worden, wie es bei grösseren Mischtiefen der Fall gewesen wäre. «Daher hatte es im Jahr 2016 eine überdurchschnittliche Menge dieser Algen im Zürichsee», sagt Leardini.

«Kein Fischsterben bekannt»

Gefährlich sind die Burgunderblutalgen nicht, sagt er: Die Algen könnten zwar Toxine bilden, diese seien aber in den Zellen gebunden. «Daher werden sie im Gegensatz zu anderen Algen als Nahrung gemieden.» Ein geringerer Teil werde freigesetzt, die Konzentration im Wasser dürfte jedoch sehr klein sein, wodurch Fische und andere Wirbeltiere keine Schäden davontragen würden. «Im Zürichsee wie auch im Hallwilersee ist kein Fischsterben bekannt, das auf die Toxine der Burgunderblutalge zurückzuführen ist.»

Sarah Marti ist erleichtert, handelt es sich um keine schädliche Substanz. Denn: Sie ging davon aus, dass die Verfärbungen von Industrie-Abfällen stammten. «Bei einer missbräuchlichen Entsorgung würden wir sofort handeln», sagt der Polizeichef der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal, Roland Jenni. Doch seien keine Meldungen über eine starke Verschmutzung eingegangen. Ein Algenbefall im Wasser sei nicht mit chemischen Substanzen zu verwechseln.

Wie Giovanni Leardini mitteilt, kann der Kanton Aargau «gegen das Aufkommen der Burgunderblutalgen in der Limmat nichts tun». Zu hoffen ist nun auf einen kalten Winter, denn dadurch wird das Wasser gut durchmischt. Dies würden helfen, «die Population der Burgunderblutalge im Zürichsee wieder stärker zu dezimieren.»

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