Ehrendingen
Vergeblich einen Käufer gesucht: Currybeiz steht vor dem Aus

Susi Careem muss ihr Restaurant wohl der Bank überlassen. Nach dem Tod ihres Mannes hat die Wirtin ein Jahr lang vergeblich versucht, einen Käufer für das Haus am Kirchweg zu finden.

Pirmin Kramer
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Susi Careem räumt im Restaurant Teller und Dessertschalen weg.Pkr

Susi Careem räumt im Restaurant Teller und Dessertschalen weg.Pkr

11 Grad zeigt das Thermometer beim Stammtisch in der «Currybeiz Schlüssel». Geheizt wird hier nicht mehr – und gegessen auch nicht: Vor etwas mehr als einem Jahr starb überraschend Koch und Besitzer Riz Careem. «Ich habe nach dem Tod meines Mannes nur noch ein paar Wochen weitergemacht», sagt Susi Careem. «Die Beiz alleine zu führen, das kann ich mir nicht leisten.» Sie müsste einen Koch und einen Mitarbeiter für die Büroarbeiten anstellen, um den Betrieb am Leben zu erhalten, erzählt sie.

Keinen Käufer gefunden

Ein Jahr lang hat Susi Careem vergeblich versucht, einen Käufer für das Haus am Kirchweg zu finden. «Aber das Restaurant kostet zu viel. 1994 haben wir einen Glaspavillon als Wintergarten gebaut.» Sie habe hohe Schulden. «Es sieht jetzt ganz danach aus, dass das Restaurant von der Bank übernommen wird.»

Susi Careem läuft zum Tresen. Darauf stehen Teller, Gläser, leere Weinflaschen. Aus dem Restaurant ist im letzten Jahr ein Flohmarkt geworden. «Ich habe viel Material verkaufen müssen», sagt sie mit wehmütiger Stimme. «Mein Mann und ich, wir hatten hier eine wunderbare Zeit.»

Kunden kamen von weit her

Vor 31 Jahren kaufte das Ehepaar den «Schlüssel» und eröffnete eines der ersten indischen Restaurants in der Schweiz. «Damals gab es so eine Beiz in der Deutschschweiz nur in Zürich und Basel.» Die Leute hätten sich erst an das fremde Essen gewöhnen müssen. Am Anfang wünschten viele währschaftes Essen, Rösti zum Beispiel. Bald aber hatten wir viele Kunden, die wegen des indischen Essens von weit her kamen.»

Das Wohnhaus wurde vor 150 Jahren gebaut. Seit mehr als 100 Jahren sei im «Schlüssel» gewirtet worden, sagt Careem. Ein ganz kleiner Funken Hoffnung, dass sich noch jemand finden lässt, der Hunderttausende Franken auf den Tisch legt für die Beiz, ist geblieben. «Das Gebäude würde sich auch für einen Künstler eignen, der hier seine Bilder ausstellen möchte. Ich hoffe aber», sagt sie und blickt durch die leeren Räume, «ich hoffe, dass es hier irgendwann mal wieder ein Restaurant geben wird.»