Baden
Vergewaltigung von Baden: Der 19-jährige mutmassliche Täter ist Kleinkind-Erzieher

Die Vergewaltigung ist vor den Weihnachten das Gesprächsthema Nummer eins in der Region. Am Freitag wurde der mutmassliche Täter freigelassen, obwohl er sexuelle Handlungen zugab. Noch mehr: Der Täter ist in Ausbildung zum Kleinkind-Erzieher.

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Die Nische beim Nordportal. M1

Die Nische beim Nordportal. M1

Die Psychologin und Psychotherapeutin Regula Schwager von der Beratungsstelle Castagna findet deutliche Worte: «Es ist für ein Opfer eine Katastrophe, wenn es damit rechnen muss, dem Täter zu begegnen. Das Erlebte kommt dann 1 zu 1 wieder hoch und führt zu einer erneuten psychischen Verletzung.»

Schwager hat in der Regel mit Vergewaltigungsopfern unter 20 Jahren zu tun. Doch die Auswirkungen sind bei allen Altersstufen dieselben: «Wenn ein Täter schnell wieder freikommt, deuten dies viele Opfer so, dass man sie nicht ernst nimmt.»

Die Freilassung des mutmasslichen Vergewaltigers ist in Baden Stadtgespräch. Der 19-jährige Schweizer soll beim Partyclublokal «Nordportal» in einer Nische eine 28-jährige Frau sexuell missbraucht haben. Er wurde bereits nach 48 Stunden aus der Haft entlassen. «Das ist sehr aussergewöhnlich», sagt der Zürcher Anwalt Valentin Landmann. Er spricht von einer «seltenen Ausnahme».

Auch andere befragte Juristen zeigen sich überrascht und berichten von ähnlich gelagerten Fällen, in denen der Beschuldigte teilweise wochenlang in Untersuchungshaft war.

Die Staatsanwaltschaft hat alle Befragungen des Täters durchgeführt, weshalb keine Verdunkelungsgefahr mehr besteht. Dasselbe gilt auch bei der Flucht- oder Wiederholungsgefahr. Nach Informationen des «Sonntags» wurde der Täter unter der Auflage freigelassen, keine Zeugen oder das Opfer zu kontaktieren. Das 28-jährige Opfer soll ausserdem im Genitalbereich verletzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft will aber dazu keine Stellung beziehen.

Ausbildung zum Kleinkinderzieher

Der junge Mann arbeitet in der Region Baden in einer Kindertagesstätte und ist in der Ausbildung zum Kleinkind-Erzieher. Seine Arbeitgeberin sagt: «Er steht unter Verdacht, diese Tat begangen zu haben. Noch ist aber nichts bewiesen. Man sollte ihn nicht vorverurteilen.»

Tatsache ist: In der Befragung gab der 19-Jährige den sexuellen Kontakt mit der 28-jährigen Frau zu. Die Umstände werden nun weiter abgeklärt. Laut Rechtsanwalt Landmann, der mit dem Fall nichts zu tun hat, erfolgt in der Regel eine Zeugenaussage in Konfrontation mit dem mutmasslichen Täter. Nur dann liege auch eine prozessual verwertbare Aussage vor.

Nach dem Schweizer war mit einem Phantombild gesucht worden. Er konnte vier Tage nach dem Vorfall vom letzten Sonntagmorgen an seinem Arbeitsplatz festgenommen werden. (sbr/sha)