«Was ich gesehen, hat mich schockiert», «Ich fordere Konsequenzen für die zwei Brutalo-Polizisten» oder «Die Schweiz ein Polizeistaat»: So und noch viel heftiger kommentierten az-Leser das Video, auf dem zu sehen ist, wie ein bekannter Badener Beizer von zwei Polizisten ziemlich grob zu Boden gedrückt wird, ehe ihn die Beamten in Handschellen abführen.

Die Bilder der Polizeiaktion in Baden nach dem WM-Spiel Schweiz gegen Ecuador wühlen eine ganze Stadt auf. Doch halten wir - in Analogie zum Fussball - den Ball erst einmal flach. So übertrieben und aggressiv der Einsatz der Polizisten scheint - man sieht nur einen Ausschnitt: Deswegen gleich den «Polizeistaat» auszurufen, ist völlig übertrieben. Vielmehr trifft zu, dass Polizisten hierzulande meistens tatsächlich Freund und Helfer sind und wir anders als in einem Polizeistaat eben gerade keine Angst vor willkürlichen Polizeieinsätzen haben müssen. Weiter ist es ebenso falsch, aus einem zugegebenermassen übertriebenen Polizeieinsatz abzuleiten, alle Polizisten würden derart grob zu Werke gehen.

Bekannter Beizer wird unsanft von Velo gezogen und verhaftet

Bekannter Beizer wird unsanft von Velo gezogen und verhaftet

Dass dies aber in Baden der Fall war, ist unbestritten. Fast noch bedenklicher als das grobe Vorgehen der Polizisten ist die Tatsache, wie leicht sich einer von ihnen von Passanten provozieren liess. Klar, Polizisten müssen sich wohl so einiges anhören und einstecken. Trotzdem darf man von ihnen erwarten, dass sie in hitzigen Situationen Nerven bewahren und deeskalierend agieren. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn bei dieser Aktion statt ein paar normaler Fussballfans gewaltbereite Personen anwesend gewesen wären.

Was die beiden Polizisten veranlasste, derart aggressiv gegen den Beizer vorzugehen, wird wohl offen bleiben. Aber ganz offensichtlich waren sie dem Druck nicht gewachsen. Und sie versagten ebenso deutlich beim Versuch, einerseits für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, andererseits aber ausgelassenes Feiern zuzulassen.

Das nächste WM-Spiel der Schweiz findet schon am Freitag statt. Sollte die Schweiz gegen die Franzosen gewinnen, sind kollektive Feierlichkeiten und Autokorsos garantiert. Es ist zu hoffen, dass die Polizei nur dort durchgreift, wo es brenzlig wird, und allen Fussballfans den Siegesrausch gönnt. Solange keine Personen oder Gegenstände zu Schaden kommen, ist es zu verschmerzen, wenn der Verkehr für kurze Zeit zum Erliegen kommt.

Tumulte und Verhaftungen in Baden-Wettingen nach Schweiz-Sieg

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