Film

Verhaltener Applaus bei der Premiere des «bösen Onkels»

Interview mit dem Regisseur Urs Odermatt zu seinem Film "Der böse Onkel"

Interview mit dem Regisseur Urs Odermatt zu seinem Film "Der böse Onkel"

Vor zwei Jahren verursachte der Film «Der böse Onkel» bei Drehbeginn Wirbel im Kanton Aargau. Zu mehr als Briefen von Anwälten sei es damals nicht gekommen, sagt Regisseur Urs Odermatt und fügt gleich an, dass ihm nichts weniger Eindruck mache.

Knapp 15 Kilometer vom damaligen Wirkensort des Köbi F. entfernt kommt der umstrittene Film erstmals ins reguläre Kino. «Köbi F. ist omnipräsent», sagt Odermatt über den Möriker Turnlehrer, der in den 1990er-Jahren Mädchen sexuell missbraucht hatte, und wehrt sich gegen den Vorwurf, diesen Fall als Grundlage verwendet zu haben.

«Ich nenne es nicht Überspitzung, vielmehr Abstrahierung und Distanzierung, die es mir erlaubt, fiktiv auf eine solche Geschichte Zugriff zu verschaffen», erklärt Odermatt. Der Film erzähle die Geschichte nicht journalistisch, sondern erlaube ihm, auszuloten und Fragen zu stellen. Damit habe er eine Verbindung zwischen Fiktion und Wirklichkeit gefunden.

«Bis ins letzte Detail zufrieden»

«Es ist mein erster Film, mit dem ich bis ins letzte Detail zufrieden bin», sagt Odermatt selber. Darum könne der Film Erfolg haben. Es würden keine elitären Ansprüche an den Geschmack des Publikums gestellt. Die satte Mischung des Griffs in die untere Schublade kombiniert mit raffiniertem Rätsel in diesem Rhythmus werde gefallen, so Odermatt.

Beteiligte, Sponsoren und Freunde der Filmemacher applaudierten nach der Vorstellung - wenn auch verhalten. Wer die Präsenz der Geschichte um Köbi F. oder der Thematik allgemein nicht verhindern konnte, dem war das nicht möglich. Vielmehr fragte er sich, wie man so sorglos parodierend mit Themen wie Zivilcourage, Ausgrenzung, sexueller Ausbeutung und Pädophilie umgehen konnte. Daran vermögen weder Gags, schauspielerische Leistungen noch gekonnte Filmkunstgriffe etwas zu ändern.

Zwanghaft vulgäres Vokabular

Das zwanghaft verwendete vulgäre Vokabular wirkt in der Dichte irreal. Spätestens als Turnlehrer Armin den dritten pimmelschwingenden Auftritt in der Dusche erhält, driftet das Absurde ins Lächerliche ab. So wirkt auch das Abbild des Dorf-Turnlehrers Armin, während Teenager Saskia Selbstmitleid bekommt, weil sie glaubt, wegen Mutter Trix nicht von Armin vernascht worden zu sein.

Auflockernd mögen die eingestreuten lockeren Sprüche über den Aargau sein, die man mit Gelassenheit und Humor hinnehmen wird. Zu lachen gibt es sonst nichts, da es einem ohnehin im Halse stecken bliebe. Unter dem Strich sind es dann die zahlreich gezeigten landschaftlichen Schönheiten rund um das Wasserschloss, die immerhin etwas im Film positiv rüberkommen lassen.

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