Ein Fahrschulvergleich in der Region Baden zeigte, wie stark die Preise in der Umgebung teilweise variieren. Die Fahrschule Florin fiel dabei mit einem sehr günstigen Angebot auf, was viele negative Reaktionen von anderen Fahrlehrern provozierte: «Preisdumping», «niedrige Qualität» und gar «ungenügend ausgebildete Fahrlehrer», hiess es seitens der Kritiker. Doch der Leiter des Strassenverkehrsamtes des Kantons Aargau (StVA), Johannes Michael Baer, liess verlauten, dass das Problem von nachlässig ausbildenden Fahrlehrern bekämpft werde und die Kantone die Fahrschulen kontrollieren würden. «Bei nicht erfüllten Anforderungen werden Massnahmen von Verwarnung bis hin zu Entzug der Fahrlehrerbewilligung ergriffen», so Baer.

Nun schaltet sich ein empörter Leser und Branchenkenner ein. Thomas Riesen aus Staufen ist ehemaliger diplomierter Verkehrsexperte für Führerprüfungen beim StVA. Er sagt: «Ernsthafte Konsequenzen wegen mangelnder Qualität sind mir nicht bekannt.» Über die Aussagen im Artikel habe er sich sehr gewundert. «Gespräche mit Fahrlehrern, die eine schlechte Erfolgsquote haben, finden zwar statt», sagt er. Aber ihm sei nicht bekannt, dass bei sogenannten Problemfahrlehrern wirkliche Sanktionen durchgesetzt werden. Die Konsequenzen würden dann vor allem die Fahrschüler tragen: «Bei einer negativen Prüfung hat man als Experte auch schon mal Mitleid mit den Kandidaten. Sie haben nie die Chance bekommen, das Autofahren richtig zu lernen.»

Hier solle sich das StVA ein Vorbild am Kanton Zürich nehmen: «Dieser verzeichnet im Kampf gegen schwarze Schafe unter den Fahrlehrern deutliche Erfolge», so Riesen. Wenn dort ein Schüler die Prüfung zweimal nicht bestehe, müsse der Fahrlehrer ein persönliches Gespräch mit dem Leiter der Führerprüfungen führen und beweisen, dass er die Fahrausbildung erfolgreich abschloss.

Doch nicht nur über die fehlende Strenge bei der Fahrlehrer-Kontrolle wundert sich der ehemalige Experte – sondern auch über die Quoten, welche die Fahrschulen angegeben haben bei der Frage, wie viele der Schüler die Prüfung beim ersten Versuch bestehen. «Ich musste lachen, einige Zahlen sind aus meiner Erfahrung meilenweit daneben.»

Sind Zahlen erfunden?

Es kann sein, dass einige Anbieter bei der genannten Erfolgsquote nicht ehrlich waren. Das StVA zertifiziere nämlich nur diejenigen Fahrschulen jährlich von sich aus, die eine Erfolgsquote von über 80 Prozent hätten. Die Zahlen der verglichenen Fahrschulen könnten deshalb falsch sein, weil der Durchschnittswert der Erfolgsquote 2015 67 Prozent betrug – weit tiefer als die angegebenen Zahlen der hiesigen Fahrschulen. Damit die Schüler ihre Auswahl aufgrund von reellen Zahlen treffen können, schlägt Riesen vor, dass die Fahrschulen ihre Zahlen vom StVA belegen lassen: «Die Fahrschulen sollten ihre amtlich bestätigten Erfolgsquoten auf ihrer Homepage offenlegen.»

Fahrschüler-Unfall: Kritik am Fahrlehrer

Fahrschüler-Unfall: Kritik am Fahrlehrer

Der Unfall vom letzten Dienstag erregt die Gemüter des Aargauer Fahrlehrer-Verbands. Der höchste Fahrlehrer kritisiert die Wahl des Lehrfahrzeuges. Die rund 400 PS und 2 Tonnen Gewicht des verunglückten BMWs seien zu viel für einen Schüler.