Neue Ära
Verkehrsrevolution: Die RVBW wollen eine Ladestation für Elektrobusse realisieren

Auf den ersten Blick erscheint es wie alle anderen Baugesuche, die wöchentlich publiziert werden. Doch in diesem Fall handelt es sich um eines mit nachhaltiger Wirkung: In Wettingen liegt ein Baugesuch der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) für eine Ladestation für Elektrobusse auf.

Claudia Laube
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Seit Herbst 2018 sind in Bern Elektrobusse im Pilotbetrieb unterwegs. Auch die RVBW wird an der Endstation beim Depot eine solche Vorrichtung erstellen, an der der Bus innert Minuten von oben aufgeladen wird.

Seit Herbst 2018 sind in Bern Elektrobusse im Pilotbetrieb unterwegs. Auch die RVBW wird an der Endstation beim Depot eine solche Vorrichtung erstellen, an der der Bus innert Minuten von oben aufgeladen wird.

HO

Ist das etwa der Startschuss in eine neue Ära? «Wir tasten uns nach und nach an die Elektrifizierung unserer Flotte heran», bestätigt RVBW-Direktor Stefan Kalt auf Anfrage.

All zu viel wollte er erst nicht preisgeben, weil einiges noch unklar sei. Dass trotz diverser noch bestehender Unklarheiten bereits ein Baugesuch aufliegt, hat einen einfachen Grund: Zeitdruck. «Bis das Baugesuch bearbeitet ist, dauert es zirka drei Monate», so Kalt. «Geplant ist, dass der Elektrobus im August oder September kommt. Und der kann ja nur fahren, wenn die Infrastruktur bereits besteht.»

Als Erstes soll beim Busdepot der RVBW in Wettingen eine Ladestation entstehen, an der Busse innert weniger Minuten ihre Batterien aufladen können. Der im Spätsommer erwartete Elektrobus soll nach einer zweimonatigen Testphase, mit dem Fahrplanwechsel im Dezember, regelmässig die Linie 8 (Wettingen–Neuenhof) bedienen.

Europapremiere für die RVBW

Das geplante System nennt sich «Opportunity Charging» (auf Deutsch: «Gelegenheitsaufladung»): Dabei wird nur an Endstationen aufgeladen. Ein solches Modell wird seit Herbst 2018 im Pilotbetrieb in Bern getestet. Ein anderes System hat Genf. Hier wurden auf der Buslinie zwischen dem Flughafen Genf-Cointrin und Carouge die einzelnen Bushaltestellen mit Ladestationen aufgerüstet. «Das passt gut in solche Städte, weil hier die Reichweite kürzer ist. Dieses System kam für uns aber nie infrage. Das wäre viel zu teuer», erklärt Kalt. Es müsste viel Geld in die Infrastruktur investiert werden, um die Bushaltestellen aufzurüsten.

Für den Schritt in Richtung Elektrobusse spannte die RVBW mit einem Unternehmen zusammen, das Kalt noch nicht namentlich nennen möchte. Zur Vorgeschichte: Die RVBW müssen schon bald ihre Flotte ersetzen. «Dazu haben wir im Verwaltungsrat den Entschluss gefasst, dass keine reinen Dieselbusse mehr beschafft werden sollen», erklärt Kalt. «Deshalb mussten wir uns, was die Technologien betraf, weiterführende Gedanken machen. Was gibt es auf dem Markt, was passt zu uns?» Und so kam es, dass an der internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) für Nutzfahrzeuge im letzten Jahr ein Lieferant auf der Suche nach Testbetrieben für sein neues System auf ihn zugekommen und so eine Zusammenarbeit entstanden sei.

Wie dieses System detailliert aussieht, will Kalt noch nicht sagen. Klar ist: Der Bus dazu ist noch in Arbeit. Der Lieferant ist in der Fertigstellung eines Busses, der mit einer einzigen Ladung mehr Reichweite hat als bisherige: «Es gibt weltweit noch keinen Bus, der ohne Zwischenladung genug Kilometer machen kann», weiss Kalt. Die Elektrobusse, die auf dem Markt sind, haben eine maximale Reichweite von 200 Kilometern. Die Dieselbusse der RVBW hingegen machen täglich durchschnittlich 330 Kilometer. Die RVBW werden im Herbst die ersten sein, die den neuen Bus testen dürfen: «Bei uns findet sozusagen die Europapremiere statt», freut sich Kalt.

Dass die RVBW in Richtung Elektrifizierung aufrüstet, ist auch in der Politik ein Thema. 2017 hatte FDP-Einwohnerrat Philippe Ramseier eine Anfrage gestellt, dass Baden als zweite Stadt in der Schweiz reine Elektrobusse einführen solle. Der Stadtrat antwortete darauf, dass der Lead für weitere Abklärungen bei den Busbetreibern läge. Die RVBW sind dem Aufruf gefolgt.

Nach der Realisierung der Ladestation beim Depot, sollen in einem nächsten Schritt weitere Endhaltestellen mit Ladeinfrastruktur ausgerüstet werden. Sobald dies geschehen ist, würden auch im Busdepot drin Ladestationen errichtet, damit die Busse über Nacht aufgeladen werden können.

Verhandlungen mit dem Kanton

Und wie löst die RVBW das finanziell? «Da der Hersteller auch ein Interesse daran hat, mit Testbetrieben wie uns zu arbeiten, ist das Ganze für uns finanziell tragbar», so Kalt. Das Ersetzen der Flotte sei sowieso Sache des Unternehmens und der geplante Elektrobus nur unwesentlich teurer als ein Dieselbus.

Zudem sei er in Verhandlungen mit dem Kanton. Dieser unterstützt die Elektromobilität grundsätzlich und ist bereit, den Einsatz von Elektrobussen zu fördern, schrieb der Regierungsrat in seiner Antwort an den Aargauer CVP-Grossrat Andreas Meier. Dieser hatte letzten November in einer Motion verlangt, dass der Kanton «eine richtungsweisende Verordnung» erlasse, damit ab 2028 nur noch Elektrobusse verkehren (die AZ berichtete). Das war dem Kanton aber zu restriktiv, wollte er die Transportunternehmen doch bei der Fahrzeugbeschaffung nicht zu stark einschränken. Die Verkehrsbetriebe wüssten besser Bescheid über die für ihre Einsatzgebiete am besten geeigneten Fahrzeuge. Die RVBW haben die Antwort für sich offenbar gefunden.

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