Gut und Böse, Tag und Nacht, Klein und Gross: Diese Gegensatzpaare sind ein fundamentaler Bestandteil unseres Weltbildes. Das Kindermuseum Baden hat am vergangenen Samstag mit einer Vernissage die Sonderausstellung «Kleine und Grosse Welten» eröffnet. Damit wird einer dieser Gegensätze, der für Kinder und deren Entwicklung eine grosse Bedeutung hat, aufgegriffen.

«Die Grösse ist abhängig vom Blickwinkel und womit wir etwas vergleichen», sagt Daniel Kaysel. Zusammen mit seinem Bruder Marcel Kaysel leitet er das Kindermuseum Baden. So gelange jeder zu einer individuellen Einschätzung seiner Umwelt, fügt er an.

In der Ausstellung können Kinder ihre Körpergrösse messen und sie mit anderen vergleichen, durch Mikroskope kleine Welten erforschen und eine Ameisenkolonie mithilfe einer Lupe beobachten. Daniel Kaysel schwärmt vom fleissigen Ameisenvolk: «Es ist faszinierend, wie gut ihre Arbeitsteilung funktioniert. Vom Wächter bis zur Königin ist jedes Tier für seine Aufgabe geboren.»

Banal und doch philosophisch

In der reichen Miniatursammlung wirkt die grosse Welt plötzlich klein und überschaubar, zudem wird das Auge für Details geschärft. Die Vielseitigkeit der Ausstellung lässt nicht nur die kleinen Besucher neue Perspektiven entdecken, sie spricht auch das erwachsene Publikum an und rückt die persönliche Vorstellung von Gross und Klein in einen weitaus grösseren Zusammenhang.

Ein Video mit dem kleinwüchsigen Clown vom Zirkus Knie soll aufzeigen: Wer zu stark von der Norm abweicht, fällt auf. Das gilt auch für die Riesen unter uns. Beide werden mit neugierigen oder mitleidigen Blicken beäugt, und das tagtäglich.

Kaysel meint dazu: «Ein Treffen mit einem grossen Menschen ist eindrücklich, man würde sich in seiner Haut bestimmt nicht wohlfühlen. Deshalb ist es wichtig, unseren Mitmenschen immer respektvoll zu begegnen, egal wie gross sie sind.»

Die Ausstellung will beibringen, dass die gemessene Grösse nichts mit der wahren Grösse eines Menschen zu tun hat. Obwohl uns grosse Menschen stark und furchteinflössend vorkommen mögen, kann sich hinter ihrem Erscheinungsbild ein ganz feinfühliges Wesen verbergen. Genauso wenig sollten kleine Menschen körperlich unterschätzt werden.

Überraschend, wie ein banaler Gegensatz so viele neue Welten eröffnet und uns sogar bis in philosophische Tiefen führen kann. Wie stark man sich mit dem Thema jedoch auseinandersetzt, ist jedem Besucher selbst überlassen. Wichtig ist es, zu erkennen, dass alles eine Sache des Standpunktes ist. Das gilt auch für die anderen Gegensätze – allen voran: Gut und Böse.