Schulhausplatz
Verschärfte Stausituation – Entgeht Baden so dem Verkehrs-Kollaps?

Die Stadt Baden wird während der Neugestaltung des Schulhausplatzes durch Sperrungen entlastet. Leidtragende sind die Wettinger und Obersiggenthaler.

Roman Huber
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Die Stausituation in der Badener Limmatklus hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. In der Region stellt man sich je länger je mehr die bange Frage, wie während der Neugestaltung des Schulhausplatzes der Verkehrskollaps verhindert werden soll. Der Kanton glaubt, die Lösung zu haben: Die Hochbrücke wird für den Individualverkehr von Baden nach Wettingen ganz gesperrt – so soll der Schulhausplatz entlastet werden. Doch diese Massnahme hat zahlreiche Nebenwirkungen.

Nur eine Spur offen

Während der gesamten Bauzeit von Sommer 2015 bis Ende 2017 gilt ein- und dasselbe Verkehrsregime (az vom 21. 8.). Der beim Projekt federführende Kanton will damit weitere Unsicherheiten vermeiden, wie sie entstünden, wenn die Verkehrsflüsse mehrfach verändert würden.

Mit Spannung wird erwartet, wie sich die Sperrung der Hochbrücke von Baden nach Wettingen auswirken wird. Niemand weiss genau, wohin sich der Verkehr verlagert. Und auch die Gegenrichtung ist auf der Hochbrücke eingeschränkt: Von Wettingen her ist einzig der Rechtsabbieger in Richtung Bruggerstrasse offen. Geradeaus Richtung Dättwil fahren kann man also nicht mehr. Nur Busse, Fussgänger und Velofahrer können in beiden Richtungen verkehren.

Damit ist nicht nur die Erreichbarkeit per Auto zwischen Baden und Wettingen stark eingeschränkt, sondern es verlagert sich auch der Auto- und Lastwagenverkehr im Umfang von täglich 20 000 Fahrten in andere Gemeinden und Quartiere.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Abbieger von der Neuenhoferstrasse (sie führt von der Autobahnausfahrt Baden-Ost ins Stadtzentrum) in die Mellingerstrasse (Richtung Dättwil) gesperrt wird. Alle andern ins Zentrum führenden Achsen werden während der Bauzeit mindestens zweispurig geführt.

Auswirkungen auf den Achsen

H Hochbrücke/Schulhausplatz: Mit der Teilsperrung der Hochbrücke und dem gesperrten Abbieger von Neuenhof in Richtung Mellingen kann der Schulhausplatz beim Bau von 20 000 Fahrten entlastet werden.

1 Surbtal-Achse: Der Verkehr vom Surbtal in den Westen wird über die Siggenthalerbrücke oder über den Hertenstein durch Nussbaumen ausweichen.

2 Siggenthaler-Achse: Weil es in Nussbaumen und bei der Siggenthalerbrücke vermehrt zu Stausituationen kommen wird, dürfte der Verkehr aus dem unteren Aaretal in Richtung Westen ab Untersiggenthal auf die andere Limmatseite oder Richtung Autobahn über Turgi, Gebenstorf und Birmenstorf ausweichen und dort zu einer Mehrbelastung führen.

3 Wettinger-Achse: Der Verkehr Richtung Westen wird vermehrt über Bahnhofstrasse und Schwimmbadstrasse durch den Bareggtunnel oder über die Neuenhoferstrasse fliessen und damit die Gemeinde Wettingen zusätzlich belasten.

4 Neuenhofer-Achse: Die Neuenhoferstrasse wird den zusätzlichen Verkehr Richtung Zürich schlucken müssen, der vom unteren Aaretal her bei Turgi auf die linke Limmatseite wechselt.

5 Achse Mellingerstrasse: Die mit über 25 000 Fahrten täglich belastete Mellingerstrasse befindet sich bereits jetzt am Anschlag. Weil der Verkehr von Westen nach Osten und umgekehrt nicht über den Schulhausplatz fahren kann, wird auf dieser Achse das Verkehrsausmass während der Bauzeit womöglich sogar geringer ausfallen.

Der Wettinger Gemeindeammann Markus Dieth forderte an einer Informationsveranstaltung des Kantons im vergangenen August, dass man die Verkehrsfrequenzen auf den Ausweichrouten überwache und bei Bedarf zum Schutze der Bevölkerung in den Nachbarsgemeinden Massnahmen treffe. Die Regionsgemeinden sind vom Kanton orientiert worden. Wie sich die umgelagerten Verkehrsströme auf die Gemeinde Wettingen auswirken werden, lasse sich schlecht voraussagen, erklärt Urs Heimgartner, Leiter Bau und Planung. «Wir können zurzeit nicht agieren, würden aber gegebenenfalls reagieren, wenn sich der Verkehr seine Wege ausserhalb der Hauptverkehrsachsen durch Wohnquartiere bahnen würde.»

Dieter Martin, Gemeindeammann von Obersiggenthal, ist überzeugt, dass sich die Verkehrsflüsse erst einspielen müssen. Ob es dann Staubildungen oder andere Konsequenzen für seine Gemeinde absetzen werde, müsse man erst abwarten, bevor man etwas unternehmen wolle.

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