Über diesen einen Gemeinderatssitz wurde schon gesagt, er sei wie verhext: Innerhalb von vier Jahren besetzten ihn vier verschiedene Gemeinderäte. Alle traten sie nach kaum einem Jahr zurück, die letzten drei aus gesundheitlichen Gründen. Jüngster Fall ist Marcel Ringger, der per Ende September von seinem Amt zurückgetreten ist. Nun konnte der Sitz bei den Wahlen am 24. September gar nicht mehr besetzt werden.

Und seit Mittwoch ist klar, dass auch ein möglicher zweiter Wahlgang beziehungsweise eine stille Wahl ins Wasser fällt, da sich bis zum Ablauf der Nachmeldefrist immer noch kein Kandidat gemeldet hat. Der Sitz mit den Ressorts Bildung, Jugend, Sport, Kultur und Vereine bleibt bis auf Weiteres leer.

Es ist nicht der einzige verwaiste Sitz. Auch in der Schulpflege ist einer leer geblieben und für das Wahlbüro fehlt ein Ersatzmitglied. Nun beginnt das Wahlprozedere von vorne und der Gemeinderat muss einen Termin für einen Wahlgang festlegen. Wann genau es zu einem neuerlichen Wahlgang kommt, entscheidet der Gemeinderat am Montag.

«Es wird sicher Anfang 2018 werden», sagt Gemeindeammann Daniel Pfyl (SVP). Was den Gemeinderatssitz anbelangt, so zeigt er sich wenig optimistisch: «Ich kann nicht sagen, dass ich zuversichtlich bin, dass wir einen, geschweige denn mehrere, Kandidaten finden, da sich bisher niemand gemeldet hat und es in der Bevölkerung auffallend ruhig geblieben ist.»

Bereits Ringger wurde vor einem Jahr in stiller Wahl gewählt, weil sich ausser ihm kein Kandidat gemeldet hatte. Bei vergangenen Wahlen habe sich im Vorfeld deutlich mehr getan, sagt Pfyl. Dennoch will sich der Gemeinderat bei der Suche nach geeigneten Kandidaten nicht einmischen. «Da ein Gemeinderat immer eine Interessengruppe, ein Quartier oder eine Partei vertritt, sollten die Kandidaten auch von diesen portiert werden und nicht etwa vom Gemeinderat oder gar mir als Gemeindeammann.»

Kritik wegen Unterstützung

Als bekannt wurde, dass Ringger zurücktritt, wurden auch kritische Stimmen laut, wonach die Gemeinderäte zu wenig Unterstützung von der Verwaltung erhalten. Ganz abstreiten will Pfyl diese Kritik nicht. «Ein Mägenwiler Gemeinderat muss sich sicher mehr in Eigenverantwortung erarbeiten als die Exekutivmitglieder einer grossen Gemeinde, wo es auch eine grössere Verwaltung und entsprechend mehr Ressourcen gibt.» Es brauche im Gemeinderat deshalb jemanden, der von sich aus Dinge anpacke und mitgestalten wolle.

Dass der fünfte Gemeinderatssitz mehr schlecht als recht besetzt war in den vergangenen Jahren, macht sich bemerkbar. So ist die Jugendkommission seit geraumer Zeit inexistent, ebenso der Jugendtreff. «Das ist sehr schade, zumal es durchaus interessierte Personen in der Bevölkerung gibt, die gerne etwas im Bereich Jugendarbeit machen würden.» Zwar wurden die Ressorts bereits auf die anderen vier Gemeinderäte verteilt, «doch wir haben derzeit andere Prioritäten, wie etwa den Schulhausanbau und die neue Doppelturnhalle», sagt Pfyl. Ähnlich ist es bei der Schulpflege. «Die Arbeit wird vorerst auf vier Mitglieder verteilt.»

Findet sich nach dem ersten und zweiten Wahlgang immer noch kein Geimenderat, wird der Kanton die Durchführung einer Informationsveranstaltung anregen, wie Martin Süess, Leiter des Rechtsdienstes der kantonalen Gemeindeabteilung, sagt. «Möglich wäre auch, dass der Exekutive auf Kosten der Gemeinde ein Coach beratend zur Seite gestellt würde, der dann auch Aufgaben des fünften Gemeinderats übernimmt.»