Stadtammannwahlen Baden
Verzichtet Geri Müller für eine linksgrüne Mehrheit im Stadtrat?

FDP und CVP wollen im zweiten Wahlgang gemeinsame Sache machen, wenn der Grüne Geri Müller antritt. Müllers Chancen aufs Amt des Stadtammann schwinden. Verzichtet er auf die Kandidatur, damit wenigstens der Stadtrat neu in linksgrüne Hände kommt?

Roman Huber
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Würde Geri Müller verzichten, könnten die Chancen für CVP-Mann Markus Schneider steigen.

Würde Geri Müller verzichten, könnten die Chancen für CVP-Mann Markus Schneider steigen.

Emanuel Freudiger

Wird das gemeinsame Ziel der Bürgerlichen, nämlich Geri Müller zu verhindern, vorzeitig und kampflos erreicht? Das Szenario, dass Müller verzichtet, weil er im Direktduell mit einem bürgerlichen Kandidaten ohnehin keine Chance habe und aus linker Perspektive Markus Schneider (CVP) das «kleinere Übel» sei als Roger Huber (FDP), ist plötzlich nicht mehr unwahrscheinlich. Auch bei der im ersten Wahlgang erfolgreichen Koalition ist das ein Thema. Nicht zuletzt spielt bei linksgrün der Hintergedanke mit, sich damit die CVP als Steigbügelhalter für Stadtratskandidatin Ruth Müri zu angeln.

Geri Müller bestätigt Gespräche

«Es laufen bei uns Gespräche, und zwar innerhalb der Parteien, die mich unterstützt haben», erklärt Geri Müller. Es seien gute Gespräche und «wir haben völlige Transparenz», fügt Müller an. So werde es mit ihm auch keine Deals hinten herum geben. «Wir werden alle Szenarien mit allen Wahrscheinlichkeiten prüfen», sagt der Vizeammann. «Der Match ist also noch lange nicht entschieden», sagt Müller. Das Amt des Stadtammanns würde ihn weiterhin reizen.

«Die Situation ist spannend», sagt Peter Kamm, langjähriger Einwohnerrat und Fraktionssprecher des team baden. Der Politfuchs meint, dass es tatsächlich so sei, dass Geri Müller keine Chance habe, wenn er gegen einen bürgerlichen Kandidaten antreten müsste. «Darum vertrete ich die Meinung, dass Geri Müller zugunsten von Markus Schneider verzichten sollte.» Die Freisinnigen würden mit ihrem forschen Vorgehen Gefahr laufen, den Ammannsitz und den zweiten Stadtratssitz zu verlieren. «Denn ich bin überzeugt, dass Ruth Müri den Einzug in den Stadtrat schaffen wird», so Kamm.

Wo sind die besten Wahlchancen

«Wenn man eine Meinung wechselt, ist es, weil man gescheiter geworden ist oder neue Aspekte da sind,» sagt Roland Guntern, langjähriger Einwohnerrat der Grünen. «Geri Müller hat für uns klar Priorität», fügt er jedoch unmittelbar ein. «Wir setzen uns diese Woche zusammen und werden sehen», so Guntern. Man werde die möglichen Varianten prüfen. «Es geht auch darum auszuloten, wie die Wahlchancen am besten sind.» Auf eine mögliche Kooperation mit der CVP angesprochen meint Guntern: «Das wird bei uns intern eine harte Diskussion absetzen.»

Man müsse alle Varianten innerhalb der Koalition diskutieren, auch neue Kandidaturen prüfen und mit der CVP Gespräche führen, ist die Meinung von Karin Bächli, langjährige Fraktionspräsidentin der SP. Die FDP hat mit ihrem Auftreten direkt nach den Wahlen und vor allem mit der Bekanntgabe der vertraulichen Abmachung zwischen Huber und Schneider die CVP nicht als bürgerlicher Partner behandelt, sagt Bächli. Und die SP-Frau doppelt gleich nach: Mit dieser Ausgangslage einen solchen Deal vor einer Wahl einzugehen sei politisch schlicht dumm, so Bächli.

«Müllers Wahlchancen sind intakt»

Falls ein Verzicht von Müller zugunsten Schneider zum Thema werde, müsse man schon noch klären, welches die Positionen von Schneider in gewissen Fragen seien. «Wir dürfen zudem nicht vergessen, dass die CVP davon gesprochen hat, Geri Müller zu verhindern». Bächli weist auch darauf hin, dass auf einem Courvoisier-Flyer der FDP-Kandidat von Schneider Support erhalte. Karin Bächli hält es für möglich, dass Geri Müller sich im zweiten Wahlgang durchsetzen könnte. Und der Stadtratskandidatin Ruth Müri räumt sie sehr grosse Wahlchancen ein.

Der grüne Nationalrat und Kandidat des team Baden, Geri Müller, versteht die Ängste aus bürgerlichen Kreisen nicht, die angesichts der Möglichkeit geschürt würden, dass der Stadtrat eine linksgrüne Mehrheit bekommen könnte. «Es sind nicht nur die Gemeinden mit einer linken Mehrheit in der Exekutive, die am stärksten verschuldet sind, sondern Gemeinden mit Zentrumsfunktionen, dazu gehört auch das bisher ‹bürgerliche› Baden», so Müller. «Jedoch ist klar, dass dies unter anderem Folgen der Bundes- und Kantonspolitik sind», die Aufgaben immer mehr nach «unten» delegieren würden. Deshalb sei die Vernetzung über die Stadt Baden hinaus von zentraler Bedeutung.

Baden stehe vor grossen Herausforderungen. Wenn die Stadt weiter vorwärtskommen wolle, dann müsse sich die Politik zusammenraufen und dürfe nicht in Links- und Rechtsdenken auseinanderdividiert werden. Ziel muss weiter sein, die besten Ideen aller Couleurs ins Boot zu holen, um vorwärts zu kommen. Laut Geri Müller spricht dies für die Wahl von Ruth Müri in den Stadtrat.