Die Elternbildung in der Region soll ausgebaut und besser koordiniert werden, darin waren sich Baden und Wettingen bereits 2013 einig, und so genehmigten die Einwohnerräte beider Gemeinden einen Kredit von insgesamt 25'000 Franken.

Ein Konzept sollte erarbeitet werden, das Ziele, Massnahmen und mögliche Kosten für die Stärkung der Elternbildung aufzeigt. Das Konzept sollte den Einwohnerräten dies- und jenseits der Limmat im Frühling 2014 zum Entscheid unterbreitet und ab 2015 umgesetzt werden. Doch sie warten bis heute auf das Konzept namens «Förderung der Elternbildung in der Region Baden-Wettingen».

Inzwischen hat es in Wettingen gar einen Vorstoss gegeben, der nach dem Verbleib fragt. Eingereicht hat ihn Christian Wassmer (CVP). Er schreibt: «Unterdessen sind drei Jahre verstrichen, an der Situation hat sich nichts geändert und der Handlungsbedarf wird zunehmend akut.»

Immerhin: Das Konzept existiert. Erarbeitet hat es Kathie Wiederkehr, Leiterin des Familienzentrums Karussell. Weil sie als Arbeitnehmerin von der Stadt beauftragt wurde, darf sie sich zum Projekt selber nicht äussern. Doch Wassmers Aussage kann sie bestätigen: «Leute zu finden, die ehrenamtlich Angebote wie den Elternbildungstag oder die Elternrunde organisieren, wird immer schwieriger.» Zum einen seien viele Frauen berufstätig und hätten weniger Zeit. «Zum anderen fehlt oft das nötige Know-how für die Organisation von Kursen mit Referaten und Workshops», sagt Wiederkehr, die bereits im Kanton Zürich die Elternbildung koordiniert hat. «Immer wieder geben ehrenamtlich Tätige auf, weil sie wenig Wertschätzung erhalten oder entmutigt sind.»

Mit einer Koordinations- und Anlaufstelle sollte einerseits den ehrenamtlichen Organisatoren geholfen werden, andererseits sollten Eltern leichter Zugang zu hilfreichen Kursen und Vorträgen erhalten. Vorgesehen ist zudem, dass sich möglichst viele Gemeinden am Projekt beteiligen.

Ressourcen fehlten

Wiederkehr hatte das Konzept bereits 2014 abgeliefert, doch wie ging es danach weiter? Dazu muss man wissen, das Projekt wurde von einer Steuergruppe aufgegleist und bei der Abteilung Kinder, Jugend, Familie (KJF) angesiedelt. Um das Projekt in der Region möglichst breit abzustützen, sitzen Ennetbaden und Obersiggenthal als Meinungsvertreter der kleineren Gemeinden mit im Boot. Brigitte Häberli von der Fachstelle Familie leitet das Projekt seitens Verwaltung. Ein erster Konzeptentwurf wurde bereits im Herbst 2014 von der Steuergruppe besprochen. Doch bei der KJF fehlten wegen anderer Projekte die personellen Ressourcen. So blieb der Entwurf liegen und wurde erst im Sommer 2015 ergänzt und überarbeitet.

Aus dem Kreis der Beteiligten ist auch zu vernehmen, dass man wegen der Sparrunden in Wettingen und Baden befürchtete, keine Gelder für eine Koordinationsstelle zu erhalten. Deshalb wollte man zuwarten, statt zu riskieren, dass die Einwohnerräte während des Sparfiebers einen Kreditantrag bachab schicken.

Als neuer Stadtrat und Vorsteher des Ressorts Kinder, Jugend, Familie irritiert es Erich Obrist (parteilos), dass das Konzept noch nicht umgesetzt ist. Auch er stimmte 2013 noch als Einwohnerrat dem Antrag für die Ausarbeitung des Konzepts zu. «Eigentlich wäre es ja seit letztem Sommer erarbeitet», sagt Obrist. «Ich habe das Konzept gelesen und finde es sehr gut», sagt Obrist. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass das Projekt auf politischer Ebene «nicht zuoberst auf der Pendenzenliste war» und es wohl auch wegen mehrerer Wechsel in der Steuergruppe zu Verzögerungen gekommen sei. So gaben Beni Pauli (Ennetbaden), Therese Schneider (Obersiggenthal) und Daniela Berger (Baden) im vergangenen Jahr ihren Rücktritt aus den Gemeinderäten und damit auch aus der Steuergruppe. Obrist vermutet, dass dadurch «in der Steuergruppe eine treibende Kraft fehlte, die das Konzept auf politischer Ebene zum Abschluss bringt».

Projekt soll wieder Fahrt aufnehmen

Nach langer Pause soll es nun weitergehen: Brigitte Häberli sagt, «die Steuergruppe wird Anfang Mai das weitere Vorgehen besprechen». Auch Obrist will das Projekt vorantreiben. «Ich hoffe, dass wir noch diesen Herbst den Bericht für die Umsetzung des Konzepts den beteiligten Gemeinderäten vorlegen können». Bis es effektiv zur Umsetzung gelangt, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern, denn ein möglicher Kreditantrag müsste zuerst den Einwohnerräten und der Gemeindeversammlung der beteiligten Gemeinden vorgelegt werden. «Das schaffen wir vermutlich nicht mehr auf die Wintergemeindeversammlung», schätzt Obrist, und setzt eher auf die Gemeindeversammlung im Juni 2017.