640 Franken kostet die Tagesmiete des Sitzungszimmers «Lulu» im Restaurant Au Premiere am Zürcher Hauptbahnhof. Dort hätte sich am Montag die Spar-Führung mit Unia-Gewerkschaftern und jenen Spar-Angestellten treffen sollen, die seit acht Tagen beim Spar-Tankstellenshop in Dättwil für bessere Arbeitsbedingungen streiken und diesen blockieren.

Doch die Delegation wartete vergebens, Spar meldete sich ab. «Spar-Manager lassen Verhandlung platzen», kritisierte Unia in einer Medienmitteilung, und sprach von «Wortbruch» und «Verzögerungstaktik».

Vorwürfe von Spar an Unia

Eine Pressemitteilung erhielten die Medien am Montag auch von Spar: Unia habe am Vorabend das Angebot von Spar abgelehnt, in der Dättwiler Filiale den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für Tankstellenshops einzuführen, der in den Kantonen St. Gallen und Luzern gilt. «Es ist unverständlich, dass Unia den eigenen GAV nicht will», kritisiert Spar-Sprecher Roland Haug.

Die Unia bezeichnet diesen Vorschlag als «unakzeptabel»: «Der Dättwiler Tankstellenshop ist kein Shop, sondern ein grosser Laden, weshalb der GAV für Tankstellenshops nicht angewendet werden kann», sagt Mediensprecherin Monica Hächler.

Kritik an umstrittener Blockade

Keine Annäherung brachte das informelle Treffen vom Sonntagabend auch bezüglich der umstrittenen Blockade des Tankstellenshops. «Solange die illegale Blockade besteht, werden wir nicht verhandeln», stellt Roland Haug klar und verweist auf eine entsprechende Anordnung des Bezirksgerichts Baden.

Das wiederum ist für die Unia kein Thema. «Die Blockade wird erst aufgehoben, wenn Ergebnisse aus den Verhandlungen mit Spar vorliegen», so Monica Hächler.

Kurzfristige Gespräche angesetzt

Dass die streikenden Angestellten und die Gewerkschafter den Tankstellenshop weiterhin blockieren wollen, war dem Vernehmen nach auch der Hauptgrund, warum die Spar-Verantwortlichen am Montag die Verhandlungen platzen liessen. Die Unia ging darauf in die Offensive und zog am frühen Nachmittag vor den Spar-Hauptsitz in St. Gallen. Dort wurden sie jedoch nicht empfangen.

Am späten Montagnachmittag kündigte Spar dann überraschend an, die Streikenden und Gewerkschafter heute um 10 Uhr in Zürich treffen zu wollen - dies «trotz Blockade», wie es hiess, und um «unerlässliche Grundlagen für Verhandlungen zu schaffen.» Die Unia nimmt das Angebot an: «Wir wollen jetzt Gespräche führen», sagt Monica Hächler

Doch bereits gibt es Nebengeräusche: Spar will im Vorgespräch nicht über den Mindestlohn von 3600 Franken für Ungelernte diskutieren. Das ist aber ein Kern-Anliegen der Unia. «Der Mindestlohn muss verhandelt werden», fordert Monica Hächler.