Würenlos
Viel Hilfe und eine hängige Einsprache vom Vizeammann

Bald ziehen erste Asylsuchende in die Zivilschutzanlage. Die Bevölkerung hilft mit Taten und Ideen.Derweil wehrt sich der Gemeinderat mit seinen Verbundsgemeinden gegen den Entscheid des Kantons

Sabina Galbiati
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Der Gemeinderat informierte die Bevölkerung Mitte Oktober über die Zuweisung von 22 Asylsuchenden. Dabei konnten die Interessierten die Zivilschutzanlage Wiemel besichtigen, die als Asylunterkunft dienen wird. Archiv/Sandra Ardizzone

Der Gemeinderat informierte die Bevölkerung Mitte Oktober über die Zuweisung von 22 Asylsuchenden. Dabei konnten die Interessierten die Zivilschutzanlage Wiemel besichtigen, die als Asylunterkunft dienen wird. Archiv/Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Die Nachricht von Anfang Oktober, dass Würenlos zusätzlich 22 Asylsuchende aufnehmen muss, hat in der Bevölkerung eine kleine Solidaritätswelle ausgelöst. Kurz nach Erhalt der Zuweisungsverfügung des Kantons wurde die Zivilschutzanlage Wiemel in eine Asylunterkunft umgestaltet.

Dafür haben die Würenloser fleissig gespendet: Mehrere Sofas, Stühle und Tische kamen zusammen. Zahlreiche Privatpersonen und einzelne Vereine boten ihre Hilfe an. Sie wollen sich für Beschäftigungsmöglichkeiten, bei der Betreuung oder mit Deutschkursen engagieren. «Das freut mich und den Gemeinderat sehr und wir sind dankbar für die Unterstützung aus der Bevölkerung», sagt Vizeammann und Sozialvorsteher Anton Möckel (parteilos).

Überrascht von den Ideen

Bereits an der Infoveranstaltung für die Würenloser Bevölkerung Mitte Oktober war die Solidarität spürbar: «Wir waren überrascht, dass bereits dort viele Ideen und mehrfach Interesse an einem Engagement an uns herangetragen wurden», sagt Möckel.

Auch in der Verwaltung sei die Unterstützung gross, was enorm hilfreich sei, sagt er weiter. «Wir waren uns im Gemeinderat nicht sicher, wie die Botschaft einer Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage bei den Würenlosern ankommen würde», sagt Möckel. Natürlich seien auch Bedenken zur Sicherheit und Betreuung der Asylsuchenden geäussert worden. «Diesbezüglich stehen wir in Kontakt mit der Regionalpolizei WettingenLimmattal, die vermehrt patrouillieren wird.»

Inzwischen hat die Gemeinde der Firma ABS Betreuungsservice AG den Auftrag für die professionelle Betreuung der Asylsuchenden erteilt. «Uns ist es wichtig, dass wir uns bei der Betreuung auf erfahrene Partner verlassen können», so Möckel. Sobald sich die Asylsuchenden eingelebt haben – die Ersten sollen Ende Monat einziehen – und die Abläufe und Spielregeln klar sind, werde man auf die Angebote aus der Bevölkerung zurückkommen.

Entscheidend sei nun, dass die Containeranlage, in der sich die Asylsuchenden tagsüber aufhalten können, bald aufgestellt werden sollte, sagt Möckel. «Gerade in den Wintermonaten ist das sehr wichtig.» Die Containeranlage soll auf dem Parkplatz bei der Zivilschutzanlage aufgestellt werden. Das Baugesuch dafür liegt noch bis zum 21. November auf.

Mit der Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage hat die Gemeinde auf Plan B zurückgegriffen, weil der Kanton Plan A nicht akzeptiert hatte. Dieser hätte so ausgesehen: Würenlos hat bereits vier Asylsuchende aufgenommen und wollte sein übriges Aufnahmesoll von 22 Personen im Verbund mit Neuenhof, Ehrendingen, Killwangen, Nieder- und Oberrohrdorf sowie Stetten erfüllen.

Die Verbundsgemeinden sind davon ausgegangen, dass Neuenhof seine 41 gemeindeeigenen Plätze dem Verbund zur Verfügung stellen kann. Dies, weil in Neuenhof eine kantonale Asylunterkunft steht und das Gesetz sagt, Asylsuchende in kantonalen Unterkünfte werden der Standortgemeinde beim Erfüllen der Aufnahmepflicht angerechnet.

In Neuenhof decken die 57 Asylsuchenden in der kantonalen Unterkunft das Aufnahmesoll der Gemeinde (24 Asylsuchende) deutlich.

Nun sagt aber der Kanton, von den gemeindeeigenen Plätzen muss Neuenhof zuerst sein Aufnahmesoll von 24 abziehen. Es bleiben 17 Plätze, die Neuenhof den Verbundsgemeinden zur Verfügung stellen kann.

«Es geht um die Interpretation der Botschaft, die der Grosse Rat 2015 genehmigt hat und seit diesem Jahr in Kraft ist», sagt Neuenhofs Gemeindeammann Susanne Voser (CVP). «Im Moment kann der Verbund das Soll erfüllen, denn die Gemeinden haben sich in den letzten Wochen und Monaten entsprechend vorbereitet.»

Kurzum: Als Anfang Oktober in Würenlos die Zuweisungsverfügung mit allen Fakten vom Kanton auf dem Tisch lag, griff die Gemeinde zu jenem Plan B. Denn die Alternative wäre gewesen, monatlich rund 60 000 Franken als Ersatzabgabe zu zahlen, und zwar ab
1. November.

Einsprache ist hängig

Was den Verbund betrifft, so hat dieser beim Regierungsrat eine Einsprache gegen den Entscheid des Kantons eingereicht. Sie ist noch hängig. «Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der Kanton im Unrecht ist und wehren uns entsprechend», betont Möckel.

Susanne Voser sagt: «Wir hoffen, dass der Regierungsrat bald entscheidet. Damit wir wissen, wie wir weiter verfahren müssen.» Der Entscheid dürfte auch für andere Gemeinden wegweisend sein.

«Als Verbund hat man viel mehr Möglichkeiten. Es geht nicht darum, Asylsuchende abzuschieben», betont Voser. Aber gewisse Gemeinden stünden sehr stark unter Druck. «Alle Gemeinden müssen mittragen, aber wie bei der Zusammenarbeit bei der Regionalpolizei, Spitex oder der Sozialarbeit bringen Verbünde oft sinnvollere Lösungen mit sich», sagt Voser.

In Neuenhof haben wir die Möglichkeit, durch unsere Erfahrungen Asylsuchende zu betreuen und können das Know-how einsetzen.» Die Verbundsgemeinden würden sich damit gegenseitig unterstützen. «Das kommt auch den Asylsuchenden zugute», sagt Voser. Möckel betont: «Innerhalb des Verbundes ist der Zusammenhalt trotz des kantonalen Entscheids nach wie vor gross und wir suchen weiterhin nach einer Verbundslösung.»