In  Baden wird zurzeit rege gebaut. Nicht nur am Schulhausplatz, auch rund um die Altstadt entsteht viel Neues. In der ehemaligen Vorstadt zwischen Schlossbergplatz und Bahnhofplatz könnten in nächster Zeit zahlreiche Häuser abgerissen und neu aufgebaut werden.

Am Schlossbergplatz soll das Haus mit der Adresse Bahnhofstrasse 6 ersetzt werden. Im Erdgeschoss ist hier bisher das Einrichtungsgeschäft «Terra Ambiente» eingemietet. Das Haus befindet sich in der Ensembleschutzzone, die das Dreieck zwischen Badstrasse, Bahnhofstrasse und Hirschlistrasse umfasst. Dieses Quartier entstand in den Jahren nach 1847, als der Badener Bahnhof in Betrieb genommen wurde.

Ziel der Ensembleschutzzone ist es, den Charakter der historisch entstandenen Bausubstanz zu erhalten. Der von den Badener Architekten Meier Leder geplante Neubau an der Bahnhofstrasse 6 sieht deshalb wieder eine repräsentative Fassade aus Jurakalkbeton zur Bahnhofstrasse vor.

Im Erdgeschoss ist wieder ein Laden vorgesehen, mit einem zusätzlichen Untergeschoss, darüber vier Etagenwohnungen. Das Dachgeschoss soll mit Naturschiefer eingedeckt werden, zuoberst soll es wie bisher eine Dachterrasse geben. Ob im Erdgeschoss wieder das «Terra» einzieht, ist noch offen. Bauherr Felix Meier aus Wettingen ist es wichtig, dass ein guter Laden kommt. «Ich möchte einen Laden, der der Stadt etwas bietet. Mir ist es wichtig, dass die Stadt lebt», sagt Meier.

Ärger über die Stadtverwaltung

An der Badstrasse selbst, der wichtigsten Einkaufsstrasse der Stadt (und notabene der ältesten Fussgängerzone der Schweiz), plant der Unternehmer Dölf A. Köpfli eine neue Überbauung als Ersatz für die in die Jahre gekommenen Häuser Badstrasse 25/27/29 und Brenntweg 1. Die Häuser stammen aus der Zeit zwischen 1820 und 1910.

Im Erdgeschoss, im Unter- und im ersten Obergeschoss des Neubaus mit dem Projektnamen «Metropol» soll es wie bisher Ladengeschäfte und ein Café oder Bistro geben, darüber eine Gewerbeetage und Wohnungen auf zwei Etagen. Bei der Vorstellung des Projekts im Januar sagte Köpfli: «Mein Wunschtraum wäre ein Bistro, eine Trattoria, ein Konzertlokal für Jazzsessions – ein Treffpunkt für «tout Baden» im Herzen der Stadt.» Mittlerweile ist Köpfli konsterniert. Eigentlich wollte er im März 2018 mit dem Neubau beginnen.

Die Mieter und die Geschäfte (unter anderem Perosa und Kovats Optik) ziehen aus, doch die Stadt hat das Projekt noch nicht bewilligt. Die Stadtbildkommission wolle noch einmal darüber beraten, sei aber nicht sehr kooperativ, sagt Köpfli. Nun würden die Läden bald leer stehen und man wisse nicht, wann es weitergehe. Köpfli ärgert sich über die Verzögerung durch die Verwaltung: «Ich finde das unmöglich. Ich überlege mir, ob ich in Zukunft in Baden noch investieren soll.»

 «Ein Schandfleck»

An einem andern Ort wünschen sich viele einen Neubau, aber es passiert nichts. Als «Schandfleck» wurde das Ensemble schon bezeichnet, das am Brenntweg und am Eisenbahnweg steht, zwischen Ochsner Sport (ehemals Dosenbach) und Coop City.

Das gelbe Haus im Heimatstil am Brenntweg 2 wurde 1907 vom Badener Architekturbüro Dorer & Füchslin gebaut, als Magazinhaus mit Atelier und Pferdestallungen für das Schuhaus Dosenbach. Es gehört, genauso wie das Haus am Eisenbahnweg 3 (gegenüber der NAB) der Dosenbach-Erbin Elisabeth Dosenbach aus Zug. Das Haus am Eisenbahnweg entwarf Otto Dorer Junior 1929 als Anbau an das Schuhaus an der Badstrasse. Der Anbau ist eines der besten Beispiele des sogenannten Neuen Bauens in Baden. «Eine Fassadensanierung im Sinne von Dorers ursprünglichem Projekt wäre zu begrüssen», heisst es im Architekturinventar der Stadt.

Während das Schuhaus immer wieder renoviert wurde, verfallen der Anbau und das Magazinhaus zusehends. Ein Vorentscheidverfahren verlief vor einigen Jahren im Sande. Nachdem es Einsprachen gab, zog die Bauherrin das geplante Neubauprojekt zurück. Das Baugespann von damals ist immer noch auf den Dächern montiert. Am Brenntweg 2 wohnen derzeit aber nur ein paar Stadttauben.