Baden
Vieles Neues von Simon Libsig: «Ohne Schreiben werde ich hibbelig»

Ein neues Buch, ein «Santa Slam» und eine neue CD – bei Autor Simon Libsig ist viel los in der Adventszeit.

Anja Zingg
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Zurzeit läuft viel im Leben von Simon Libsig. Der Badener Autor und Spoken-Word-Künstler hat eine neue CD herausgebracht, in einer Woche erscheint sein zweites Buch und, verrät er gleich zur Begrüssung, die Familie Libsig ist gerade am Zügeln.

Die Familie bleibt auch nach dem Wohnungswechsel in Baden. «Früher war Baden einfach meine Basis. Von hier aus reiste ich in die Welt und kam dann in meine Heimat zurück. Mittlerweile kann man sagen, dass ich sesshaft geworden bin», sagt der 41-Jährige, der in Ennetbaden aufwuchs.

Den Keller des Mehrfamilienhauses, in dem die Libsigs noch bis Ende November wohnen, gibt er nicht auf, auch wenn die Familie auf die Allmend zieht. Denn im Keller hat er sein eigenes Kleinsttheater und seine «Bibliothek», so nennt er das Kämmerchen, in dem sich bis unter die Decke Bücher stapeln.

Libsig passt gut in diese Umgebung. «Hier unten habe ich viel an meinem Buch gearbeitet. Umgeben von Büchern fällt mir das Schreiben einfacher.» Sein Krimi «Der Velodieb, der unters Auto kam» erscheint in einer Woche im Librium-Verlag. Die Badener Buchhandlung Librium hat den Verlag extra für die Zusammenarbeit mit Libsig ins Leben gerufen.

Eine Fortsetzung im Schaufenster

Die Idee für das Buch war zunächst eine andere. «Ich wollte eine Fortsetzungsgeschichte schreiben. Jede Woche sollte im Schaufenster des Libriums ein Kapitel aufgehängt werden.» Doch es kam anders: «Das Buch packte mich so sehr, dass es mehr wurde als ein Kurzroman. Laurin Jäggi vom Librium lektorierte das Buch. So kam die Idee mit dem Verlag auf.»

Doch Libsig schreibt nicht nur Geschichten, er liest sie auch vor: Auf seinem neuen Hörbuch «s’Grossmami und d’Helvetia — Generationegschichte» erzählt er in 13 Geschichten, was die Grossmutter und ihre Enkelin Helvetia zusammen erleben. Und am Samstag trifft man ihn auf der Holzbrücke in Baden, wo er den «Santa Slam» mitveranstaltet. Zusammen mit Theaterfrau Elisabeth Seiler, dem Slampoeten Remo Zumstein sowie dem Kabarettisten Jan Rutishauser läutet Libsig wortgewandt die Weihnachtszeit ein.

Woher nimmt er all die Inspiration für seine Geschichten? «Je nach dem für was man sich interessiert, ist man auf einen anderen Empfang eingestellt. Ich bin auf Geschichten eingestellt und finde diese überall im Alltag.» Dies sei bisweilen für seine Mitmenschen etwas anstrengend, erzählt er mit einem Lachen. «Wenn ich im Restaurant am Nebentisch eine spannende Geschichte höre, kann ich einfach nicht mehr weghören. Sehr zur Missgunst meines Gegenübers.»

Was macht er lieber, schreiben oder reden? Libsig überlegt kurz und betrachtet nachdenklich die Bücher in den Regalen. «Ich spreche gern, wenn ich weiss was. Eine vorbereitete Geschichte zu erzählen, fällt mir nicht schwer, aber ich bin niemand, der einfach drauflosredet.»

Und das Schreiben? «Schreiben ist immer ein Chrampf, aber ein guter Chrampf. Wenn ich länger nicht schreibe, werde ich hibbelig.» Es komme kaum vor, dass er einfach an den Computer sitzen und schreiben könne. «Dieser Schreibfluss ist bei mir eher selten. Doch auch wenn es anstrengend ist, macht mir das Schreiben Freude.» Während die CD bereits bei ihm zu Hause ist, wartet er noch auf sein Buch: «Es fühlt sich realer an, wenn ich mein Buch endlich in der Hand halten kann.» Und natürlich freue er sich darauf, wenn er seinen Kindern seine Arbeiten eines Tages zeigen und stolz sagen kann: «Schaut mal, das hat euer Papa gemacht.»