Reusstal
Vier Gemeinden spannen bei Kinderbetreuung zusammen

Eltern aus Mellingen, Mägenwil, Wohlenschwil und Tägerig sollen künftig die gleichen Subventionen erhalten, wenn sie ihre Kinder in Tagesstrukturen betreuen lassen.

Sabina Galbiati
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Die Zusammenarbeit der vier Gemeinden in der Kinderbetreuung soll einkommensschwachen Familien zugutekommen. (Archivbild)

Die Zusammenarbeit der vier Gemeinden in der Kinderbetreuung soll einkommensschwachen Familien zugutekommen. (Archivbild)

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Ab dem kommenden Schuljahr wollen die Gemeinden Mellingen, Mägenwil, Wohlenschwil und Tägerig bei der familienergänzenden Kinderbetreuung zusammenspannen und für die Eltern einheitliche Voraussetzungen schaffen. Denn spätestens auf das Schuljahr 2018/19 müssen alle Aargauer Gemeinden berufstätige Eltern nach Bedarf finanziell unterstützen, wenn diese ihre Kinder in familienergänzenden Tagesstrukturen betreuen lassen möchten. Die Beiträge orientieren sich dabei am Arbeitspensum und Einkommen der Eltern und erfolgen unabhängig davon, ob ein Kind in der Wohngemeinde oder einer anderen Gemeinde betreut wird. Anspruch haben Eltern, die ihre Kinder im Alter zwischen null und zwölf Jahren, beziehungsweise bis zum Abschluss der Primarschule, betreuen lassen möchten. So verlangt es das neue kantonale Gesetz über familienergänzende Kinderbetreuung.

Zwar unterstützen heute schon die meisten Gemeinden familienergänzende Strukturen, indem sie etwa Kinderhorte oder Mittagstische subventionieren. Doch in Mellingen, Mägenwil, Wohlenschwil und Tägerig werden die Eltern bisher nicht direkt finanziell unterstützt. Die vier Gemeinden müssen nun ihre Praxis entsprechend ändern und wollen diese in einem gemeinsamen Kinderbetreuungs- und Elternbeitragsreglement umsetzen.

Mehr Flexibilität für die Eltern

Seit langem führen die genannten Gemeinden quasi eine durchlässige Schule, weil die Kinder je nach Schulstufe und Klassengrösse Schulstandorte in der Nachbarsgemeinde besuchen. Zudem haben Mellingen, Mägenwil und Wohlenschwil eine gemeinsame Jugend- und Familienberatung. «Daher bietet es sich an, auch bei den familienergänzenden Tagestrukturen zusammenzuarbeiten», sagt Wohlenschwils Vizeammann Nadia Diserens (parteilos). Sie war bei der Erarbeitung der gemeinsamen Reglemente federführend. «Durch die Zusammenarbeit und die Änderung der Subventionspraxis werden Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt», sagt Diserens.

Was Eltern und was Gemeinden zahlen

Das neue Elternbeitragsreglement richtet sich nach dem Arbeitspensum und dem Einkommen der erziehungsberechtigten Personen. Anspruchsberechtigt sind zwei Erziehungsberechtigte mit einem Arbeitspensum von zusammen mindestens 120 Prozent oder ein alleinerziehender Elternteil mit Partner/in im gleichen Haushalt mit mindestens 120 Prozent sowie Alleinerziehende mit einem Arbeitspensum von mindestens 20 Prozent. Das massgebende Einkommen, das als Berechnungsgrundlage für Elternbeiträge dient, wird anhand der jeweils neusten Steuerveranlagung aller zum Haushaltseinkommen beitragenden Personen festgelegt. 20 Prozent der Betreuungskosten zahlen die Eltern in jedem Fall selber. Die übrigen 80 Prozent teilen sich Eltern und Gemeinde auf. Wobei die Gemeinde je nach Einkommen der Eltern mehr oder weniger an die Betreuungskosten zahlt.

Für die verschiedenen Betreuungsangebote hält das Reglement Maximaltarife fest. Beispielsweise ist der maximale Tagestarif einer Kindertagesstätte auf 135 Franken (Baby von 0–18 Monate) festgesetzt. Bei den Tagesstrukturen für Schulkinder beträgt etwa der maximale Tagestarif für Ferienbetreuung 85 Franken. In der Praxis sieht ein Berechnungsbeispiel wie folgt aus: Eine Kindertagesstätte (Kita) kostet pro Tag 110 Franken. Die Eltern haben ein massgebendes Jahreseinkommen von 47'000 Franken. Für einen Tagesplatz in der Kita zahlen sie einen Basisbetrag von 22 Franken (obligatorische 20 Prozent). Den Restbetrag (80 Prozent) übernimmt die Gemeinde zu 56 Prozent (49.30 Franken) und die Eltern zu 44 Prozent (38.70 Franken). Liegt das Einkommen tiefer, übernimmt die Gemeinde mehr, liegt es höher, zahlt sie weniger. Bei einem Einkommen bis 30'000 Franken übernimmt die Gemeinde 80 Prozent, bei einem Einkommen zwischen 80'000 und 90'000 Franken übernimmt die Gemeinde lediglich noch 5 Prozent des Restbetrags. Bei einem massgebenden Einkommen von über 90'000 Franken zahlt die Gemeinde keine Subventionsbeiträge mehr. (gal)

«Für die Eltern bringt das neue Modell mehr Flexibilität, weil sie künftig mehr Angebote zur Auswahl haben», sagt Mägenwils Gemeinderat Marin Leuthard (CVP). Im Fall von Mägenwil würden die Eltern künftig auch besseren Zugang zu Krippenangeboten der Nachbarsgemeinden haben, zumal es in Mägenwil bisher keine Kinderkrippen gibt. Leuthard spricht von einer «markanten Verbesserung» für die Eltern.

Preise für Betreuung steigen

Doch der Wechsel vom bisherigen System mit Subventionsbeiträgen an die verschiedenen Institutionen hin zu Subventionsbeiträgen an die Eltern ist kaum ohne Abstriche möglich. Ein Beispiel ist der Mittagstisch des Elternvereins Mägenwil, der bisher einen Jahresbeitrag von rund 10 000 Franken erhält und damit unabhängig von der Anzahl Kinder dreimal wöchentlich einen Mittagstisch organisiert. Wenn der Beitrag der Gemeinde entfällt, wird der Preis für ein Mittagessen steigen. «Wir arbeiten derzeit noch an einer Lösung, die wir ab 2019 umsetzen können», sagt Leuthard. Dass Mittagstische, Kinderkrippen und andere Institutionen für die Eltern teurer werden, wenn sie keine Gemeindesubventionen mehr erhalten, liegt auf der Hand. «Doch mit dem neuen Elternbeitragsreglement und den direkten Beiträgen an die Eltern gleicht sich das unter dem Strich aus, und gerade einkommensschwache Familien werden stärker unterstützt», sagt Diserens. Die neue Regelung sei entsprechend sozialer und zudem verursachergerechter als heute.

An den kommenden Gemeindeversammlungen stimmt die Bevölkerung in Mellingen, Mägenwil, Wohlenschwil und Tägerig über die neuen Reglemente ab. Die Gemeinden sind aber nicht aneinander gebunden. Lehnt eine Gemeinde das neue Elternbeitragsreglement oder jenes über die Kinderbetreuung ab, können die anderen Gemeinden unabhängig davon die Reglemente einführen.

Infoveranstaltung für die Bevölkerung der vier Gemeinden Dienstag, 7. November, 19 Uhr, Pfarreiheim Wohlenschwil (hinter der kath. Pfarrkirche).

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