Baden

Vier Haltestellen für eine Viertelmillion: Quartier-Bewohner wehren sich gegen Kürzung der Buslinie

Ein Kleinbus der RVBW-Linie 9 wartet an der Haltestelle Kraftwerk im Kappelerhof.

Ein Kleinbus der RVBW-Linie 9 wartet an der Haltestelle Kraftwerk im Kappelerhof.

Wenn das Thermalbad eröffnet ist, wird die Buslinie 9 gekürzt. Die betroffenen Anwohner sollen auf andere Verbindungen ausweichen. Die wehren sich nun aber gegen die Sparmassnahmen.

Es geht um vier Bushaltestellen: Kraftwerk, Roggebode, Pavillon und Langmatt. Sie sollen ab nächstem Jahr nicht mehr bedient werden. So will es der Kanton Aargau – aus Kostengründen. Mit der Eröffnung der Wellness-Therme «Fortyseven» wird die Linienführung der RVBW-Linie 9 angepasst. Der Bus soll vom Alterszentrum Kehl nur noch bis zum Bahnhof Baden verkehren.

Die Linie 3 wird mit einer Schlaufenfahrt vom Bahnhof im Viertelstundentakt das Thermalbad erschliessen. Bewohner des Gebiets Roggebode können über einen Fussweg die Bushaltestelle Schellenacker auf der Bruggerstrasse erreichen.

Gegen diesen Entscheid wehren sich nun die betroffenen Quartierbewohner. Der Römerquartierverein hat 250 Unterschriften gesammelt und beim Stadtrat deponiert. Baden solle alles unternehmen, damit der Kanton die geplante Kürzung wieder rückgängig mache. Der Aufforderung beigelegt wurde ein Schreiben des Quartiervereins Kappelerhof und der Villa Langmatt. Zudem reichten die Einwohnerräte Georg Gindely (SP) und Steven van Petegem (Grüne) am Mittwoch ein entsprechendes Postulat beim Einwohnerrat ein.

Schlaufenfahrt mit elf Minuten Aufenthalt

Dabei handelt es sich im Grunde um zwei «Problemzonen». Einerseits sind das die Haltestellen Langmatt und Pavillon. Sowohl für das Museum Langmatt als auch für die künftigen Bewohner der Wohnungen auf dem ehemaligen Ansaldo-Areal sei eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr von grosser Bedeutung. Das geht aus den Schreiben, die dem BT vorliegen, hervor. Die Haltestelle Parkstrasse liegt zwar nur wenige Gehminuten von der Haltestelle Langmatt entfernt, doch der 3-er Bus wird eben in einer Schlaufenfahrt verkehren. Die Fahrt vom Bahnhof führt also via Bäderstrasse hinab zum Thermalbad und kehrt dann – nach elf Minuten Aufenthalt – über die Parkstrasse zum Bahnhof zurück.

Andererseits ist da das Gebiet Roggebode im Quartier Kappelerhof. Die Busstation Schellenacker ist stadtauswärts durch die kürzlich renovierte Rampe mehr oder weniger barrierefrei zu erreichen. Stadteinwärts muss die Bruggerstrasse über- oder unterquert werden. Letzteres ist zwar dank einer Unterführung möglich, die Rampe zur Haltestelle ist für Rollstuhlfahrer eher herausfordernd. Im Roggebode gebe es mindestens zwei Rollstuhlfahrer, wie Giuseppe Domeniconi vom Römerquartierverein gegenüber dieser Zeitung bestätigt. «Etwa 30 der 250 eingereichten Unterschriften stammen sogar aus Nussbaumen» so Domeniconi. Für Anwohner am anderen Limmatufer sei die Haltestelle Kraftwerk deutlich schneller zu erreichen.

Die Aufgänge zur Haltestelle Schellenacker (links Richtung Turgi, rechts Richtung Baden) können mit Kinderwagen oder Rollstuhl herausfordernd sein.

Die Aufgänge zur Haltestelle Schellenacker (links Richtung Turgi, rechts Richtung Baden) können mit Kinderwagen oder Rollstuhl herausfordernd sein.

Bis 2005 endete die Linie 9 an der Haltestelle Langmatt. Da es dort zu Stillstandszeiten kam, wurde eine Verlängerung mit relativ geringen Mehrkosten entschieden. Nun kostet die gesamte Linie jährlich rund 750'000 Franken. Nach Abzug der Erträge bleibt eine Abgeltung von 570'000 Franken. Die Kostendeckung sei mit 24 Prozent ungenügend, wie die Stadt Baden in einem Schreiben an den Quartierverein Kappelerhof mitteilte. Zudem sei die Auslastung mit durchschnittlich zwei bis drei Personen pro Bus sehr gering.

Künftig nur noch ein Bus und ein Chauffeur

Diese Zahlen müssten laut Quartierverein jedoch im Kontext gelesen werden. Da die Linie 9 mit Kleinbussen (25 Plätze, davon 12 Stehplätze) bedient wird, bedeuteten schon drei Personen eine 25-prozentige Auslastung der Sitzplätze. Weiterhin läge eine Kostendeckung von 24 Prozent immer noch über den Vorgaben des Bundesamts für Verkehr (20 Prozent).

«Wenn die Buslinie 9 nur noch bis zum Bahnhof fährt», erklärt Reto Kobi, Projektleiter der Sektion öffentlicher Verkehr vom Kanton Aargau, «dann werden rund 250'000 Franken eingespart.» Durch die Verkürzung der Route könne die Linie in beiden Richtungen mit einem Fahrzeug und einem Chauffeur bedient werden. Bislang sind es je zwei.

Nun muss sich Stadt- und Einwohnerrat erneut mit dem Thema befassen. Sollte sich die Stadt noch einmal anders entscheiden, so Kobi, sei ein Versuchsbetrieb der Linie 3 denkbar, an der sich Baden beteiligt. Dies wurde jedoch ursprünglich abgelehnt. Letztlich stehe es der Stadt aber auch frei, die Kosten für eine Weiterführung selbst zu tragen.

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