Baden
Vier Häuser mit einzigem Quartierladen sollen Neubauten weichen

Vier Häuser sollen im Badener Kappelerhof abgerissen werden - darunter auch das einzige Lebensmittelgeschäft im Quartier. Geplant sind Neubauten mit Wohnungen und Raum für Gewerbe.

Erna Lang-Jonsdottir
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Bruggerstrasse: An diesem Haus, dem Mehrfamilienhaus rechts davon und im Denner sollen neue Gebäude gebaut werden, in denen Gewerbe und Wohnungen untergebracht sind.

Bruggerstrasse: An diesem Haus, dem Mehrfamilienhaus rechts davon und im Denner sollen neue Gebäude gebaut werden, in denen Gewerbe und Wohnungen untergebracht sind.

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Im Badener Quartier Kappelerhof wurde in den letzten Tagen gemunkelt, dass die Tage des einzigen Quartierladens gezählt seien. Das Gebäude, in dem der Denner untergebracht ist, werde abgerissen. Tatsächlich: «Das ist richtig», sagt André Keller, Vertreter der Baugesellschaft Kappi sowie Geschäftsleiter der Firma UTA Immobilien AG, Baden. «Der Denner soll aber in einem neuen Gebäude weitermachen können. Wir bieten Hand. Die Verhandlungen mit dem Unternehmen laufen», betont er.

Geplant ist, vier Häuser zwischen der Brugger- und der Stockmattstrasse zugunsten von drei Neubauten abzureissen, in denen Wohnungen, aber auch Gewerbe untergebracht werden sollen.

Wem gehört was

Das Areal an der Bruggerstrasse (rot markiert, Foto oben) besteht aus vier Parzellen. Die Brugger-strasse 155 (4) ist gemäss Grundbuchamt in Privatbesitz. Das Haus auf der Parzelle wurde bereits abgerissen. Die Bruggerstrasse 157 (3) gehört der Baugemeinschaft Arinvest AG, Böttstein, und Cityland Cla, Baden. An der Bruggerstrasse 161 befindet sich der Denner. Diese Parzelle (2) ist ebenso in Privatbesitz. Die Gebäude an der Bruggerstrasse 161a und 161b (1) gehören der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern. (elj)

Zwei ziehen an einem Strick

Ziel ist es, noch diese Woche einen Gestaltungsplan für das Areal an der Brugger- und Stockmattstrasse dem Stadtrat zu übergeben. Das Gestaltungsplan-Gesuch wird von folgenden Parteien eingereicht: Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern (Lägern Wohnen) und der Investor Baugesellschaft Kappi – bestehend aus den Firmen Aarinvest AG, Böttstein, und Cityland CLA, Baden.

«Mit dem Gestaltungsplan werden die Baufelder definiert. Es wird festgelegt, wie gross diese sind und wie hoch man dort bauen darf», erklärt Christoph Bernet, Geschäftsleiter von «Lägern Wohnen». Er ist froh über die Zusammenarbeit mit der Baugesellschaft Kappi. «Wir haben vor, die Tiefgarage gemeinsam zu bauen, was uns sehr zuvor kommt», sagt er. «Lägern Wohnen» besitzt vier Häuser an der Stockmattstrasse: Abgerissen werden sollen die Häuser an der Bruggerstrasse 161a und 161b.

Die Häuser an der Stockmattstrasse 35 und 35a bleiben vorerst erhalten. «Wie die neuen Gebäude entlang der Bruggerstrasse aussehen werden, wissen wir noch nicht», sagt Bernet. Zuerst müsse der Gestaltungsplan bewilligt werden. Ziemlich sicher sei aber, dass das neue Gebäude der «Lägern Wohnen» mit dem neuen Gebäude der Baugemeinschaft verbunden sein wird.

Während «Lägern Wohnen» günstigen Wohnraum schaffen will, wird die Baugesellschaft Kappi ein Gebäude mit Gewerbe und Wohnungen realisieren. «Im Erdgeschoss soll das Gewerbe untergebracht werden», sagt Keller. Unsicher sei, ob es in den oberen Geschossen Miet- oder Eigentumswohnungen geben wird. Erst müsse man jetzt wissen, in welchem Volumen gebaut werden dürfe. «Es ist uns vor allem wichtig, dass das Quartier weiterhin ein Lebensmittelgeschäft hat. Vorgesehen ist, mit dem Bau im Herbst 2015 anzufangen.

«Zuerst muss die Bevölkerung beim Gestaltungsplan mitwirken können», sagt Hugo Aerni, Projektleiter Planung der Abteilung Planung und Bau. Nach der öffentlichen Auflage werde der Gestaltungsplan vom Stadtrat beschlossen und vom Kanton genehmigt. Die Zusammenlegung dieser Parzellen mache Sinn, der Stadtrat habe bereits dazu Stellung genommen. Natürlich unterstützte die Stadt auch das Vorhaben der Investoren, den Quartierladen zu erhalten. «Wir haben aber wenig Einfluss auf die Erhaltung des Quartierladens», sagt Aerni.

«Kappi» braucht einen Laden

Kommentar von Erna Lang-Jonsdottirn

Endlich tut sich wieder etwas im Kappelerhof. Jetzt kommen Investoren und die Genossenschaft «Lägern Wohnen» ins Spiel. Sie wollen entlang der Bruggerstrasse Neubauten realisieren. Diese werden das Quartier zweifelsohne optisch aufwerten. Das freut zwar, es lässt aber auch die Befürchtung aufkommen, dass mit dem Abriss der bestehenden vier Gebäude das einzige Lebensmittelgeschäft im Quartier verschwindet.

Der Vertreter der Baugesellschaft Kappi verspricht, dass die Investoren alles daransetzen werden, dass es auch künftig einen Laden im Quartier geben wird. Dass dieser Laden erhalten bleibt, müsste insbesondere den Badener Stadtammann Geri Müller interessieren. Er hatte sich im Wahlkampf immer wieder für die Stärkung der Badener Quartiere ausgesprochen. Das Problem: Die Stadt Baden hat wenig Einfluss auf das Gewerbe und macht es sich auch nicht zur Aufgabe, das Gewerbe zu fördern. Vielleicht kann er seinen politischen Einfluss in dieser Sache trotzdem irgendwie geltend machen.

Der «Kappi» ist nämlich das Quartier mit dem schlechten Ruf - weshalb auch immer- , obschon es sich dort wunderbar wohnen und leben lässt. Zugegeben, viele Gebäude an der Bruggerstrasse sind in die Jahre gekommen und machen einen schäbigen Eindruck. Gerade der Denner und andere Gebäude drum herum sind keine Augenweide. Dennoch sind alle im Quartier froh, dass es überhaupt einen Quartierladen gibt. Die Tatsache, dass die Bäckerei an der Bruggerstrasse nachmittags und auch sonntags geschlossen hat, ist in Anbetracht der Einwohnerdichte ja schlimm genug. Schliesslich ist der «Kappi» keine schlafende Nachbargemeinde, sondern ein Familien-Quartier am Badener Stadtrand.

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