Untersiggenthal
Vier Jahre nach dem Entscheid: Tempo 30 ist jetzt eingeführt

Trotz grossem Widerstand hat der Gemeinderat im Siedlungsgebiet ein tieferes Geschwindigkeitslimit eingeführt.

Pirmin Kramer
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Die Einführung von Tempo 30 ist im Dorf umstritten.

Die Einführung von Tempo 30 ist im Dorf umstritten.

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Ab heute Dienstag gilt auf Strassen im Untersiggenthaler Siedlungsgebiet ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Wie der Gemeinderat mitteilt, sind davon die Landstrasse und die Schöneggstrasse ausgenommen; in allen anderen Quartieren, inklusive der Dorfstrasse, darf höchstens 30 km/h gefahren werden.

Die Einführung von Tempo 30 im Siedlungsgebiet sei im Jahr 2015 nach einer langen Planungsphase im kommunalen Gesamtplan Verkehr verabschiedet worden.

Dass bis zur Umsetzung nun fast vier Jahre vergingen, liegt unter anderem am Widerstand aus der Bevölkerung. Eine Petition mit über 1100 Unterschriften hatte den Gemeinderat dazu aufgefordert, auf das Vorhaben zu verzichten.

Der Gemeinderat schreibt dazu in seiner Mitteilung: «Wir haben uns den Entscheid, flächendeckend Tempo 30 einzuführen, nicht leicht gemacht.» Der Beschluss sei aber in einem Verfahren vom Kanton bestätigt worden.

Die Vorteile des neuen Tempolimits überwiegen, ist der Gemeinderat überzeugt. «Die Verlangsamung erhöht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, vor allem die der Kinder auf ihrem täglichen Schulweg.»

Und die Wohnqualität steige, denn der Verkehr werde leiser und berechenbarer. Ein weiteres wichtiges Argument sei die Verhinderung von Schleichverkehr durch die Quartiere zu den Spitzenzeiten, so der Gemeinderat.

Gerhard Strebel, Sprecher der Interessengemeinschaft gegen die Einführung von Tempo 30: «Wir sind enttäuscht, dass der Gemeinderat trotz mehr als 1000 Unterschriften an der flächendeckenden Einführung des Geschwindigkeitslimits festhält.»

Die IG lehne Tempo 30 nicht grundsätzlich ab. «Wir sind aber dagegen, dass es auf jeder Strasse in fast jedem Quartier gelten soll. Es sollte nur dort eingeführt werden, wo die Sicherheit auch tatsächlich erhöht wird.»

Statt 66 neue Schilder im Dorf zu montieren, wäre es sinnvoller gewesen, auf gewissen Strassen einen Mix von Massnahmen zu ergreifen, wie etwa bauliche Massnahmen zur Verkehrsberuhigung oder Markierungen auch am Boden.»

Marlène Koller: «Tempo 30 tut niemandem weh»

Problematisch sei überdies, dass viele Signalisationen aufgehoben wurden, und nun global Rechtsvortritt gelte, so Strebel. Auch die Umsetzung sei teilweise noch unzureichend, kritisiert er: «Beispielsweise an der Müselstrasse und vorübergehend auch an der Schulstrasse wurden Schilder aufgehängt, auf denen das Wort ‹Zone› fehlt, womit das Tempolimit ab der nächsten Abbiegung aufgehoben wird.»

Und nicht zuletzt zeigten Studien, dass in 30er-Zonen weder der CO2-Ausstoss noch die Lärmbelastung sinke, kritisiert Strebel.

Gemeindeammann Marlène Koller sagt, die letzten Details zur Umsetzung würden so schnell wie möglich angegangen. Grundsätzlich sei sie überzeugt: «Tempo 30 tut niemandem weh.»

In gewissen Quartieren werde leider oft zu schnell gefahren, darum sei die Einführung des Tempolimits eine gute Sache. Ihrer Meinung nach gelte die Geschwindigkeitslimite im Siedlungsgebiet übrigens nicht nur für den motorisierten Individualverkehr, sondern auch für E-Bikes mit starkem Motor, für die eine gelbe Nummer erforderlich ist.

Gerhard Strebel widerspricht: «E-Bikes mit gelben Nummern sind allen anderen Velos gleichgesetzt und werden im Moment bei Tempoüberschreitung nicht gebüsst.»
Bereits im Mai 2018 trat in Untersiggenthal mit dem neuen Parkierungsreglement eine andere Massnahme des kommunalen Gesamtplans Verkehr in Kraft.