Die Intervalle, in denen das Thema einer Zentrumsstadt für die Region Baden-Wettingen auftaucht, werden immer kleiner. Das Ziel lautete dabei stets, die aneinandergrenzenden Regionsgemeinden zu einer wirtschaftlich bedeutenden Stadt verschmelzen zu lassen. Nur der Anlass zu diesen Vorstössen war jeweils ein anderer. Jetzt ist es der Ennetbadener Entscheid, ein Zusammengehen mit der Stadt Baden zu prüfen (az vom 7.6.).

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Industrieregion Baden eine der höchsten regionalen Wachstumsraten in der Schweiz. Planungsgrundlagen prophezeihten ihr 1960 in Bälde 250 000 Einwohner (heute sind es rund 100 000). Es wuchsen Zweifel in den Regionsgemeinden, die nicht direkt von der boomenden Industrie profitierten, die nötigen Infrastrukturanlagen (Verkehr, Schule, Verwaltung) finanzieren und die bauliche Entwicklung meistern zu können.

Der Gedanke einer Regionalstadt wurde damals insbesondere vom Badener Tagblatt (Vorgängerin der heutigen Aargauer Zeitung) verbreitet. Die Regionalstadt sollte im Zuge der elektronischen Datenverarbeitung die Verwaltungsarbeiten rationalisieren. Zudem würde sie die starke Region formen, statt sie zu einem Gebilde Zürcher Vorortsgemeinden werden zu lassen, hiess es. Anfang der 60er Jahre befasste sich die kantonale Politik mit der Schaffung von Regionalräten. Der Grosse Rat lehnte diese ab.

Regionalstadt: Vorstösse abgelehnt

Eine Initiative in Fislisbach, welche die Gemeinde der Stadt Baden anschliessen wollte, scheiterte 1964 an der Fislisbacher Gmeind. Richtig lanciert wurde die Regionalstadt-Debatte um 1966 im neu geschaffenen Einwohnerrat Wettingen. Dieser lehnte eine Motion aber ab, wonach der Gemeinderat mit Baden, Ennetbaden, Neuenhof und Obersiggenthal Verhandlungen über die Bildung einer Regionalstadt hätten aufnehmen sollen. Denselben Vorstoss lehnte Neuenhof ab. Politischer Motor der Regionalstadt waren der Landesring der Unabhängigen (LdU), das Team und ein Aktionskomitee.

Unter dem wachsenden Druck prüfte der Regionalplanungsverband Baden-Wettingen die Entwicklung der Agglomeration. Die Regionalstadt als grosszügige, weitsichtige Lösung entsprach den damaligen Aufbruchsvorstellungen in der herrschenden Wachstumseuphorie. Erst mit dem abflachenden Wachstum und dem Verlust der Reformfreude landeten die Regionalstadt-Pläne 1975 in der politischen Versenkung.

Das Wort «Fusion» war verpönt

Die Stadt Baden musste sich damals den Vorwurf gefallen lassen, vom hohen Ross herunter politisiert zu haben. Daher rührt zu einem Teil die heutige Vorsicht auf Badener Seite bei solchen Diskussionen. Das Wort Regionalstadt verschwand aus dem regionalen Vokabular.

Im Jahr 1997 tauchte mit dem «Zukunftslabor» für visionäre Projekte ein anderes Wort auf: Stadtunion. Das Planungsbüro Metron entwickelte ein Modell der Zusammenarbeit auf der Basis eines Unionsvertrages. Kommunale Aufgaben würden bei den Gemeinden bleiben, einzig überkommunale Bereiche wären dieser Union übertragen worden. Die Stadtunion war ein Ersatz-Konstrukt für die Fusion. Von Zusammenwachsen mit möglichem Fernziel einer Vereinigung war die Rede, nicht aber vorweg von Einverleibungen.

Eine Interessengemeinschaft auf Vereinsbasis wurde gegründet. Doch zu rasch hob sie das Projekt auf die politische Bühne, wo es ebenso schnell wieder abgetischt wurde. Zu den Gemeinden gehörten nebst Baden, Ennetbaden, Neuenhof, Obersiggenthal und Wettingen. Es ging ihnen zu gut, als dass sich ein Zusammenschluss aufgedrängt hätte.

Weitere Anläufe scheiterten

Ende 2004 brachten Reto Schmid (CVP) und Karin Bächli (SP) in Baden das Thema Fusion mit Ennetbaden ein. Anlass dazu boten Berührungspunkte wie Umfahrungstunnel (Baden zahlte 3 Mio. Franken), Bäderplanung, neuer Limmatübergang.

Im Badenfahrt-Jahr 2007 kam das Thema Zusammenschlüsse neu aufs Tapet. Eine Analyse der Regionsgemeinden durch das Büro Wüest und Partner war der Anlass dazu. Während die meisten Gemeinderäte zurückhaltend reagierten, führte die finanzielle Not in Neuenhof zum Zusammenschluss-Projekt mit Baden. Dieses scheiterte am Badener Nein im Juni 2010. Damit begrub auch Turgi seine Anschlussträume.

Das Nein zu Neuenhof – es wurde Baden als hochmütig ausgelegt – erschwert heute Badens Position für weitere Anläufe. Immerhin hat Ennetbaden nun ein zaghaftes Signal über die Limmat ausgesandt. Einzig erfolgreich war in der Region – lange nach dem Dättwil und Rütihof 1962 zu Baden gekommen waren – in jüngster Zeit die Fusion von Unter- und Oberehrendingen per 2006.