Untersiggenthal
Vision «Zentrum» soll den Dorfplatz endlich ermöglichen

Seit rund 60 Jahren ringt die Gemeinde Untersiggenthal um die Entwicklung eines Dorfzentrums. Diese Chance will der Gemeinderat nun wahrnehmen.

Roman Huber
Merken
Drucken
Teilen
Mitten in der Gemeinde, zwischen Schulanlagen und Landstrasse, hätte es Freiraum, um ein Dorfzentrum zu gestalten.

Mitten in der Gemeinde, zwischen Schulanlagen und Landstrasse, hätte es Freiraum, um ein Dorfzentrum zu gestalten.

Google Maps

Gemeinderat und Geschäftsleitung der Verwaltung haben an ihrer Klausurtagung die Vision «Zentrum» geboren. Damit haben sie ein Anliegen aufgegriffen, das seit 60 Jahren besteht und nie erfüllt werden konnte.

Den Auslöser bildete die im vergangenen Jahr eingereichte Petition der Sportvereine, die für die sechstgrösste Gemeinde des Bezirks die Planung einer Sporthalle respektive einer Dreifachhalle fordern.

Nicht für den Sport allein

Laut Gemeindeammann Marlène Koller sollen für ein Zentrum nicht allein sportliche Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt werden. «Der Wunsch nach einer solchen Halle ist zwar berechtigt, doch möchten wir erst genau wissen, wie sich das Projekt der neuen Sporthalle GoEasy im Hard entwickelt und welche Bedeutung diese für die Gemeinde erlangen könnte.»

Marlène Koller beruft sich bei der Vision «Zentrum» vor allem auf diejenigen Wünsche, wie sie vor acht Jahren im neuen Leitbild bereits eingestellt wurden. Es bestünden da einige Herausforderungen an Gemeindebauten, die in den kommenden Jahren erstellt werden müssen. «Momentan werden die Schülerprognosen erhoben, um auch eventuellen weiteren Bedarf an Schulräumen zu definieren», sagt Marlène Koller und lässt durchblicken, dass auch in diesem Bereich Investitionen anstehen.

Ebenso wolle man die Anliegen von Freizeit und Kultur sowie das örtliche Gewerbe berücksichtigen, sagt Koller. «Wenn in zwei Nachbargemeinden Einkaufscentern stehen, heisst das nicht, dass wir auf ein gutes Angebot an Ladengeschäften im Dorf zu verzichten haben.»

Arbeitsgruppe wird einberufen

Als Planungsperimeter für ein Zentrum drängt sich das an die Landstrasse grenzende Areal zwischen dem neuen Gebäude der Raiffeisenbank und dem Gemeindehaus auf. Die zentral gelegene Wiese sei der ideale Platz für eine mehrzweckfähige Nutzung, sei man an der Klausurtagung übereingekommen.

Der Gemeinderat wird bereits an seiner nächsten Sitzung über das weitere Vorgehen beraten. «Wir werden dazu eine Arbeitsgruppe bilden, in der die verschiedenen Interessengruppen vertreten sein sollen», verrät Koller. Es gehe darum, die Chance für ein Dorfzentrum endlich wahrzunehmen. «Wir haben ja in Untersiggenthal nicht einmal einen Dorfplatz», fügt Koller an.

Zentrumspläne bislang gescheitert

Bereits im Jahr 1955 wollte die Gemeinde Untersiggenthal mit einem Zonenplan den Raum für ein künftiges Zentrum schaffen. Der Zonenplan wurde jedoch an der Gemeindeversammlung abgelehnt. Ein zweiter Zonenplan lag 1961 öffentlich auf, wurde dann aufgrund «erheblicher Mängel» zurückgezogen. Immerhin: In weiser Voraussicht kaufte der damalige Gemeinderat grosse Landflächen, die zwischen den beiden Ortsteilen Unter- und Obersiggingen liegen. Heute steht auf dem zentralen Areal nebst dem Gemeindehaus eine grosse Schulanlage mit Doppelturn- und Mehrzweckhalle. Platz für ein Zentrum wäre dort noch vorhanden.

Ansporn für diesen klugen Landkauf waren damals nicht zuletzt die überrissenen Wachstumsprognosen. Basierend auf den Studien des Wirtschaftsprofessors Francesco Kneschaurek sagte die Regionalplanung der Gemeinde Untersiggenthal nämlich im Endausbau eine Bevölkerungszahl von über 23 000 Einwohnern voraus. Geplant war an dieser Stelle ein grosses Zentrum mit Hotel und Einkaufsgeschäften. Der Zonenplan wurde 10 Jahre später revidiert und 1975 zusammen mit einem neuen Leitbild beschlossen. Dieses sagte Untersiggenthal eine Bevölkerungszahl von nur noch 9000 bis 11 000 Einwohnern voraus, bis 1985 sollten es gegen 7000 werden.

Auch diese Wachstumsprognosen traten jedoch nicht ein. Lange Zeit stagnierte gar die Einwohnerzahl. Erst in den vergangenen Jahren wuchs sie wieder an und übertraf vergangenes Jahr die 7000er-Grenze.

Nebst der Vision «Zentrum» bildet die Gesamtrevision der Nutzungsplanung den Schwerpunkt in der neuen Legislaturperiode. Man will insbesondere die anstehenden Fragen und Probleme angehen, wie weit im Innern verdichtet und wie der Verkehr mit einer modernen Bauordnung gelöst werden soll.