Animationsfilm
Vive la France: Französisches Flair fürs diesjährige Fantoche

Das 11. Internationale Animationsfestival Fantoche feiert vom 3. bis 8. September in Baden die Grande Nation. Mit gutem Grund: die Anfänge des Animationsfilms liegen in Frankreich. Dort hat auch der Names des Festivals seinen Ursprung.

Stefan Künzli
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In «La Planète sauvage» von René Laloux & Roland Topor bewegen sich Alienfiguren und Monster durch surreale, psychedelische Umgebungen.HO

In «La Planète sauvage» von René Laloux & Roland Topor bewegen sich Alienfiguren und Monster durch surreale, psychedelische Umgebungen.HO

Vive La France! Frankreich ist eines der bedeutendsten Länder in Sachen Animationsfilm. Wie Fantoche-Festivaldirektorin Annette Schindler an der Medienkonferenz in Zürich erklärte, geht der Festivalname auf Emile Cohl, den französischen Pionier des Animationsfilms, zurück. Er hat 1908 mit «Fantasmagorie» den ersten Film geschaffen, der ausschliesslich mit animierten Bildern auskam. Cohl hat für den Film 700 Zeichnungen angefertigt. Dieser zweiminütige Schatz aus dem Archiv wird am Festival gezeigt. Noch im selben Jahr schuf Cohl die Filme «Le Cauchemar du fantoche» und «Un Drame chez les fantoches», die dem Festival den Namen gaben.

Frankreichs Szene blüht

«Fantoche» würdigt in seinem Fokus aber nicht nur die Anfänge. Denn gemäss Schindler blüht die französische Trickfilmszene immer noch. Die Kuratorin Jayne Pilling hat aus dem aktuellen Fundus eine attraktive Auswahl an Kurzfilmen getroffen. Internationale Preisträger, verblüffende Studentendebüts und im Langfilm-Programm Kultfilme wie «La Planète sauvage» von René Laloux & Roland Topor und «L’ange». Schindler von Patrick Bokanowski betont, dass der Staat Frankreich mit grosszügiger Unterstützung die Szene vital halte.

Herzstück von Fantoche bleibt der Internationale und der Schweizer Wettbewerb. Aus 1000 Filmen aus 65 Ländern werden in Baden 71 Werke gezeigt und von hochkarätigen Jurys prämiert. Mit Rafael Sommerhalder («Ping Pong») und Michael Frei («Plug & Play») nehmen zwei Schweizer am internationalen Wettbewerb teil. Dazu kommt «Le banquet de la Concubine» mit einem Schweizer Produktionsanteil. Im Schweizer Wettbewerb werden zum vierten Mal die besten Animationsfilme des Jahres prämiert.

Neben den vier französischen Langfilmen sind auch elf aktuelle lange Filme zu sehen, die als Europa-, Schweizer oder Deutschschweizer Premieren laufen. Dabei sticht «Congress» von Ari Folman heraus. Folman hat 2008 mit dem «Waltz with Bashir» für Aufsehen gesorgt. «‹The Congress› ist der Star unter unseren Langfilmen», sagt Schindler dazu. «Ein farbenprächtiger Film, der in Kontrast zu «Bashir» steht.

«Animation Multimedial» heisst die Programmschiene, die bisher Game Design hiess. Sie widmet sich allen multimedialen Facetten der Animation. Games sind dabei nur ein Teil. Laut Schindler finden wir diese «Animation Multimedial» überall im Alltag, wo wir mit Bildschirmen konfrontiert sind. Als neuer Trend werden interaktive Comics präsentiert, die am Tablet vom Benutzer animiert werden können.

Programm etwas kompakter

«Das Programm 2013 ist etwas kompakter als das letztjährige Jubiläumsprogramm», sagt Schindler. Das heisst: statt zwei thematischen Schwerpunkten gibt es mit Frankreich nur noch einen. Das Budget ist mit 1,5 Millionen Franken leicht unter dem Jubiläumsbudget, aber das Filmvolumen ist gemäss Schindler ungefähr gleich geblieben. «Weil wir aus der Vergangenheit immer noch Schulden haben, müssen wir das Budget strikt einhalten», sagt sie. Die Festivaldirektorin ist aber überzeugt, dass die 11. Ausgabe nichts an Attraktivität eingebüsst hat und wie letztes Jahr rund 34 000 Besucher anziehen wird.

Fantoche – 11. Internationales Festival für Animationsfilm, 3. bis 8. September, in Baden. www.fantoche.ch